Über die Welt hinaus
Eröffnung
Mo, 9. März 2026, 19–22 Uhr

Der Blaue Reiter
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Vision. Sie hatten das gemeinsame Ziel, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern.
Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter in München 1911–12. Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs: Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Er basierte auf einem Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich und Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – schufen die Beteiligten neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen.
Die Ausstellung rückt ihre wegweisenden Errungenschaften in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie über Wassily Kandinskys Abstraktionen bis hin zu Alexander Sacharoffs performativen Grenzüberschreitungen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei treten ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten.
Bedeutende Neuzugänge zur Sammlung des Lenbachhauses wie die großformatigen abstrakten Kompositionen von Wilhelm Morgner oder sozialkritische Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch sind erstmals zu sehen. Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Der Blauen Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form. So beschreibt Else Lasker-Schüler 1911 in einem Gedicht die Suche nach einem weiteren Horizont mit den Worten: "Über die Welt hinaus."
Die Ausstellung findet im Rahmen der Vorbereitungen unseres Jubiläums "100 Jahre Lenbachhaus 1929 / 2029" statt.
Eine Kooperation des Lenbachhauses und der Gabriele Münter- und Johannes-Eichner-Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von Förderverein Lenbachhaus e.V.
Mit Werken von: Albert Bloch, Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Epstein, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emmy Klinker, Moissey Kogan, Else Lasker-Schüler, August Macke, Franz Marc, Wilhelm Morgner, Gabriele Münter, Jean Bloé Niestlé, Marianne von Werefkin
Kuratiert von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling
Kuratorische Assistenz: Johannes Michael Stanislaus

Wilhelm Morgner
Ornamentale Komposition XIII, 1912

Wilhelm Morgner
Ornamentale Komposition XV

Wassily Kandinsky
Impression III (Konzert), 1911

Alexej von Jawlensky
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909

Franz Marc
Äffchen und Mensch, um 1912

August Macke
Türkisches Café, 1914

Franz Marc
Kühe, rot, grün, gelb, 1911

Wassily Kandinsky
Improvisation 19, 1911

Gabriele Münter
Sinnende, 1917

Wassily Kandinsky
Improvisation Sintflut, 1913

Wassily Kandinsky
Romantische Landschaft, 1911

Marianne von Werefkin
In die Nacht hinein, 1910

Maria Franck-Marc
Blumen und gelbe Disteln, um 1913

Erma Bossi
Bildnis Marianne von Werefkin, um 1910

Alexej von Jawlensky
Spanierin, 1913