Sammlung

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, in der Villa des "Malerfürsten" Franz von Lenbach, gründet ihren Ruf als international bedeutendes Museum auf ihrer einzigartigen Sammlung von Werken des Blauen Reiter. Neben der Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts, dem Jugendstil und der Neuen Sachlichkeit umfasst die Sammlung Werke von Joseph Beuys sowie wesentliche Tendenzen der internationalen Gegenwartskunst. Hier erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Sammlungsbereiche.

Franz von Lenbach

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus wurde 1929 in der ehemaligen Künstlerresidenz Franz von Lenbachs eröffnet. Lenbach prägte im späten 19. Jahrhundert den Mythos von München als Kunststadt entscheidend mit.

In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, an der Kunstakademie ausgebildet, setzte er sich – spätestens ab 1870 mit seinem Aufstieg zum gefeierten Porträtmaler – als weltgewandter, virtuoser Künstler in Szene.

In den Jahren 1887 bis 1890 ließ er sich in unmittelbarer Nähe zum Königsplatz ein großzügiges Atelier mit Wohnhaus erbauen, das er in Zusammenarbeit mit dem renommierten Architekten Gabriel von Seidl realisierte. Die renovierten Repräsentationsräume im 1. Stock der Villa vermitteln einen Eindruck von der ehemaligen Pracht.

Internationale Gesellschaftsgrößen gingen in Lenbachs Haus ein und aus und ließen sich von ihm porträtieren. In seiner Malweise orientierte er sich an alten Meistern wie Rubens, Tizian und Veronese, gleichzeitig nutzte er die Fotografie als Hilfsmittel seiner produktiven Porträtpraxis.

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19. Jahrhundert

In der 1929 eröffneten Städtischen Galerie im Lenbachhaus wurden bis in die 1950er Jahre hauptsächlich Münchner Malerei des 19. und deutsche Kunst des frühen 20. Jahrhunderts gesammelt und gezeigt. Dieser ursprüngliche Schwerpunkt bildet den historischen Kern der Sammlung zusammen mit der Kunst des "Hausherrn" Franz von Lenbach.

Die "Münchner Schule" war im 19. Jahrhundert international bekannt, zog Künstler in die Stadt und wurde weltweit gesammelt. Das lokale Bürgertum partizipierte über die Ausstellungen des 1823 gegründeten Münchner Kunstvereins, der vor allem Landschaften und Genrebilder zeigte. Als städtische Institution konzentrierte sich das Lenbachhaus zu Beginn seiner Sammlungstätigkeit auf diese eher private, bürgerliche Kunst. Damit setzte es sich programmatisch von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ab, die auf den Beständen des bayerischen Königshauses und der Tätigkeit der Kunstakademie aufbauten.

Eine romantische Landschaftsauffassung, ein von Gustave Courbet geprägter Realismus, die Begeisterung für die Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts sowie Einflüsse belgischer, holländischer, französischer und englischer Malerei prägten die Entwicklung der Kunst in München. In der Sammlung ist sie vertreten durch Künstler wie Wilhelm von Kobell, Johann Georg von Dillis, Thomas Fearnley, Ernst Kaiser, Christian E. B. Morgenstern, Carl Rottmann, Carl Spitzweg und Eduard Schleich d. Ä. Dazu kommen malerisch herausragende Werke des Leibl-Kreises (Wilhelm Leibl, Carl Schuch, Wilhelm Trübner, Hans Thoma), Beispiele der akademischen Malerei von Carl Theodor von Piloty, Hans Makart, Gabriel von Max und Albert von Keller sowie Porträts der sogenannten Malerfürsten Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach.

Die Gründung der Münchener Secession 1892 war Ausdruck neuerer Tendenzen und vereinigte in sich eine Stilvielfalt, die vom Impressionismus und Jugendstil bis zu avantgardistischen Bildvorstellungen reicht. Dies zeigen Gemälde von Franz von Stuck, Lovis Corinth, Max Slevogt, Fritz von Uhde und vielen anderen, die zu den Werkgruppen der ›Neuen Künstlervereinigung München‹ und des ›Blauen Reiter‹ überleiten.

Der Bestand des 19. Jahrhunderts ist bis heute immer wieder mit wichtigen Einzelwerken ergänzt worden. Hinzu kamen bedeutende Nachlässe und Dauerleihgaben wie die Sammlung der Münchener Secession, der Johann Georg von Dillis-Nachlass des Historischen Vereins von Oberbayern und der Nachlass des Simplicissimus-Gründers Thomas Theodor Heine.

Zur Wiedereröffnung des Hauses 2013 kam die Christoph Heilmann Stiftung mit Malerei der deutschen Romantik und der Schule von Barbizon hinzu, mit der auch die Sammlung des 19. Jahrhunderts eine internationale Ausrichtung erhielt.

Der Blaue Reiter

Das Lenbachhaus besitzt die weltweit größte Sammlung zur Kunst des Blauen Reiter, einer der bedeutendsten Künstlergruppen der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diesen Umstand verdankt das Museum in erster Linie der großzügigen Stiftung von Gabriele Münter, der Malerin und Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky bis 1914.

Anlässlich ihres 80. Geburtstags 1957 machte sie dem Lenbachhaus über 1000 Werke des Blauen Reiter zum Geschenk. Darunter befanden sich rund 90 Ölbilder von Kandinsky, etwa 330 Aquarelle und Zeichnungen, seine Skizzenbücher, Hinterglasbilder und Druckgrafiken, zudem über 25 von Münters eigenen Gemälden und zahlreiche Arbeiten auf Papier sowie Werke bedeutender Künstler wie Franz Marc, August Macke, Paul Klee, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin. Mit dieser großartigen Schenkung wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus zu einem Museum von Weltrang.

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Neue Sachlichkeit

Die Kunst nach dem Ersten Weltkrieg ist im Lenbachhaus vor allem durch eine Auswahl bedeutender Werke der Neuen Sachlichkeit vertreten, die paradigmatisch für die Kunst und Kulturpolitik der 1920er und 1930er Jahre stehen.

In seinem Buch "Nachexpressionismus – Magischer Realismus" fasste der in München lebende Kunsthistoriker und Künstler Franz Roh 1926 die vielfältigen Richtungen dieser Jahre zusammen. Bei vielen Künstlern führte die Erfahrung der Schrecken des Krieges zu einer Revision der formalen Innovationen der Vorkriegsavantgarden wie Kubismus, Expressionismus und Abstraktion und sie konzentrierten sich auf eine nüchtern-realistische Wiedergabe der Wirklichkeit.

Andere wiederum bauten auf den Errungenschaften der Vorkriegszeit auf und entwickelten sie weiter: Das Bauhaus vereinte abstrakte Tendenzen mit neuen Gestaltungsprinzipien. Expressionismus verband sich mit Realismus, während Dadaismus und Surrealismus eigene Spielarten des Figürlichen lieferten. Die kosmopolitische Künstlerinitiative "Abstraction-Création", zu deren Mitgliedern Kandinsky und Jean Hélion zählten, stärkte die abstrakte und konkrete Kunst.

zu den Werken der Neuen Sachlichkeit

Joseph Beuys

Am 12. Mai 1921, vor 100 Jahren, wurde Joseph Beuys in Krefeld geboren. Mit seinem plastisch-bildhauerischem Schaffen zählt er zu den bedeutendsten Künstlern der Nachkriegszeit. Im Jahr 1979 rückte der damalige Direktor des Lenbachhauses Armin Zweite mit dem Ankauf des Werks "zeige deine Wunde" gesellschaftliche Fragen zeitgenössischer Kunst in den Vordergrund.

Im ehemaligen Atelierflügel Franz von Lenbachs können alle Etappen von Joseph Beuys' plastisch-bildhauerischem Schaffen exemplarisch erfahren werden. "Ofen", "Badewanne" und "Hasengrab" und viele weitere Werke zeigen die bildhauerischen Gestaltungsmöglichkeiten, die Beuys in der Zeit von 1948 bis 1968 entfaltete. Ab 1970 wandte er sich ausgedehnten, großformatigen Rauminstallationen zu. Die beiden ikonischen Environments "zeige deine Wunde" (1974/75) und "vor dem Aufbruch aus Lager I" (1970/80) geben Einblick in diese Schaffensphase.
 

zu den Kunstwerken von Joseph Beuys

Gegenwartskunst

Das Lenbachhaus sammelt seit den 1980er Jahren internationale Gegenwartskunst und Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit einem Bezug zur Stadt München. Wichtig für die Erwerbungspolitik ist die Konzentration auf ausgewählte Künstlerpersönlichkeiten, deren Werkentwicklung intensiv verfolgt wird.

Heute besitzt das Lenbachhaus eine der umfangreichsten und interessantesten Museumssammlungen mit Werken von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Günter Fruhtrunk, Rupprecht Geiger, Maria Lassnig, Sarah Morris, Isa Genzken und anderen.

Schwerpunkte in der Abteilung Kunst nach 1945 sind abstrakte Werke, die an Bestrebungen der Moderne anknüpfen. Auch die Geschichte der Konzeptkunst und der Neuen Medien, insbesondere der Videokunst, sowie die künstlerische Auseinandersetzung mit populären Themen von der Pop Art bis zu zeitgenössischen Positionen spielen eine bedeutende Rolle.

Unterstützt wird das Lenbachhaus bei seiner Sammlungstätigkeit von der KiCo Stiftung und dem Förderverein Lenbachhaus e.V.

zu Werken der Gegenwartskunst