Maria Jarema
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Maria Jarema (1908–1958), die "revolutionäre Kommissarin der Abstraktion", konnte vieles. Sie war Bildhauerin und Malerin, sie experimentierte mit Drucktechniken, entwarf Kostüme und Bühnenbilder für Tanz und Theater, war Schauspielerin. Sie gehörte der ersten Krakauer Gruppe (Grupa Krakowska) an, die linkspolitische Studierende an der dortigen Kunstakademie gegründet hatten, sie verfasste kunsttheoretische Texte, intervenierte im polnischen Parlament für das Recht von Frauen auf gesellschaftliche Selbstbestimmung und verfasste Manifeste gegen die Klassengesellschaft.
Mit ihrem Bruder dem Künstler Józef Jarema war sie aktiv in der experimentellen Theatergruppe "Cricot", und begründete in den fünfziger Jahren die Nachfolgegruppe "Cricot 2" mit Künstlerfreund Tadeusz Kantor (von ihm stammt die Beschreibung Jaremas als "Kommissarin der Abstraktion"). Aus ihrer Erfahrung im Theater rührte Jaremas Interesse, Rhythmus und Bewegung, Tanz und körperlichen Ausdruck in Form von Skulptur und Bild zu fassen. Dass sie eine abstrakte Denkerin war, klingt auch in vielen ihrer Werktitel an: ganze Serien heißen "Rhythmus", "Ausdruck", "Durchdringung", oder "Filter".
Kraków in Polen war ihr Lebensmittelpunkt, während längerer Aufenthalte in Paris kam sie in Berührung mit dem Surrealismus, in dem sie ihre eigene Haltung wiedererkannte: Die Kunst war für Jarema kein politisches Mittel, sondern eine revolutionäre Praxis, die das Denken verändern und Gesellschaft verbessern konnte.
Die Ausstellung am Lenbachhaus ist die erste Präsentation Jaremas in Deutschland. Gezeigt werden zahlreiche Gemälde, Monotypien, Kostüme, Bühnenentwürfe und Schriften.
In Kooperation mit dem Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie (Museum für Moderne Kunst Warschau). Ursprüngliches kuratorisches Konzept von Éric de Chassey und Natalia Sielewicz. Am Lenbachhaus kuratiert von Stephanie Weber.
Partner
Werke
Maria Jarema, Chwyt (Griff), 1951, Muzeum Narodowe w Warszawie © Rechtsnachfolge der Künstlerin
Maria Jarema, Taniec (Tanz), 1955, Muzeum Narodowe w Krakowie © Rechtsnachfolge der Künstlerin
Maria Jarema, Wyrazy (Wörter), 1954, Muzeum Narodowe w Warszawie © Rechtsnachfolge der Künstlerin