Maria Jarema
Eröffnung
Mo, 26. Oktober 2026, 19–22 Uhr

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Maria Jarema (1908 – 1958) konnte vieles: Sie war Bildhauerin und Malerin, sie experimentierte mit Drucktechniken, entwarf Kostüme und Bühnenbilder für Theater und Tanz, war Schauspielerin. Sie verfasste kunsttheoretische Texte, intervenierte für das Recht von Frauen auf uneingeschränkte körperliche und kreative Selbstbestimmung, schrieb Manifeste gegen die Klassengesellschaft.
Krakau war ihr Lebensmittelpunkt. Dort begründete sie 1932 mit befreundeten Studierenden die Krakauer Gruppe (Grupa Krakowska) aus Protest gegen die nationalistischen Tendenzen an der Kunstakademie. Die Gruppe stand der aus offiziell verbotenen Kommunistischen Partei nahe. Sie wurde zu einem wichtigen Zusammenhang für die künstlerische Generation der Zwischenkriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit. In Krakau lebte Jarema auch während des zweiten Weltkriegs und der Besatzung durch Nazi-Deutschland, eine Zeit, die für ihr kommunistisches, zugleich anti-stalinistisches Umfeld lebensbedrohlich war.
In ihrer Wahlheimat Krakau ist Jarema bis heute allgegenwärtig: Zwei von ihr entworfene Denkmäler sind dort zu sehen, eine Straße trägt ihren Namen, eines ihrer abstrakten Gemälde ziert, hundertfach vergrößert, die Fassade eines Wohnblocks, Künstler*innen jüngerer Generationen widmen ihr öffentliche Hommagen.
Jaremas künstlerisches Werk zeichnet sich durch eine eigenwillige Formensprache aus, die zugleich von großer Vertrautheit mit der Geschichte der Kunst sowie ihren jeweils neuesten Entwicklungen zeugt. Während längerer Aufenthalte in Paris 1938 und 1948 kam sie in Berührung mit dem Surrealismus, in dem sie ihre eigene Haltung wiedererkannte: Die Kunst war für Jarema kein politisches Mittel, sondern eine revolutionäre Praxis, die das Denken verändern und Gesellschaft verbessern konnte.
Ihr Leben war eng mit dem Theater verbunden: Mit ihrem Bruder, dem Künstler Józef Jarema, der später mehrere Jahre in München lebte, war sie in den 1930er Jahren in der experimentellen Theatergruppe Cricot aktiv, die ihre Stücke in Gewerkschaftsgebäuden und improvisierten Kunstorten aufführte. In den 1950er Jahren begründete Jarema die Nachfolgegruppe Cricot 2 mit den Künstlerkollegen Jonasz Stern und Regisseur Tadeusz Kantor.
Aus dieser langjährigen Erfahrung im Theater rührte Jaremas Interesse, Rhythmus und Bewegung, gesprochenes Wort und körperlichen Ausdruck in Form von Skulptur und Bild zu fassen. Dass sie eine abstrakte Denkerin war, klingt auch in ihren Werktiteln an: Ganze Serien heißen "Rhythmus", "Zeichen", "Durchdringung", oder "Filter". Die Begegnung zweier Formen beschrieb sie als Anekdote, die Bildfläche als Ort einer Konfrontation mit Konsequenzen für die umgebende Welt.
Mit der monografischen Ausstellung am Lenbachhaus wird das Schaffen einer der bedeutendsten Künstlerinnen der polnischen Moderne erstmals auch in Deutschland umfassend gewürdigt. Zu sehen sind Werke aus allen Schaffensphasen Jaremas, darunter zahlreiche Gemälde, Monotypien, Skulpturen und Kostüme.
In Kooperation mit dem Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie (Museum für Moderne Kunst Warschau). Ursprüngliches kuratorisches Konzept unter dem Titel "Maria Jarema: Cracked Modernism" von Éric de Chassey und Natalia Sielewicz. Am Lenbachhaus kuratiert von Stephanie Weber.
Die Ausstellung wird unterstützt durch das Adam-Mickiewicz-Institut.
Kofinanziert vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe der Republik Polen.
Mit freundlicher Unterstützung von Förderverein Lenbachhaus e.V.







