Iman Issa

Lass uns spielen

Iman Issa

In ihrem zugleich spielerischen wie formal präzisen Werk befasst sich Iman Issa mit den immerwährenden Fragen der Kunst: Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält sich ein Objekt oder ein Bild zu den Belangen seiner Zeit? Welche Rolle kommt den Künstler*innen in ihrer jeweiligen Gegenwart zu?

Die gezielte Fragestellung ist für Issa (*1979, Kairo) ein Medium ebenso wie Holz, Metall oder Fotografie. Ist eine Frage aufgeworfen oder eine Hypothese skizziert, prüft sie deren Schlüssigkeit anhand neuer künstlerischer Arbeiten. Oftmals entstehen so ganze Serien, die so lange andauern, bis die Frage erschöpft scheint. Issas Arbeiten spielen auf die Kunst anderer an, auf Denkmäler, Literatur, Gemälde und Fotografien, über einen Zeitraum von Jahrhunderten und über nationale Grenzen hinweg.

Nach dem Studium der Philosophie und der Politikwissenschaften arbeitete die Künstlerin vorwiegend fotografisch. Heute nehmen Issas Werken meist in­stallative Form an. Ihre "Displays", wie sie diese nennt, bestehen aus sich aufeinander beziehenden Elementen: kurze Texte, Fotos, Bücher, Videos und Objek­te. Oftmals unterlaufen diese Konstellationen die traditionelle Beziehung zwischen Bildunterschrift und Illustration. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Text und eine Skulptur ein abwesendes drittes Objekt heraufbeschwören oder aber gezielt aneinander vorbeideuten.

Issas Methoden werfen die Frage auf, inwiefern die Wahrnehmung von künstlerischen Formen durch ihre gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt ist: Ist ein Denkmal oder ist ein Bild den Interpretationen seiner Betrachter*innen ausgeliefert, sodass sich seine Bedeutung ständig ändert? Inwiefern formen umgekehrt künstlerische Objekte unseren Blick auf die Welt? Issa löst diesen Knoten mit der subjektiven Behauptung, dass eine bestimmte Form die einzig mögliche für die Darstellung eines bestimmten Konzepts sei.

Der von Issa angeregte Ausstellungtitel "Lass uns spielen" lädt dazu ein, aufgeweckt zu betrachten, die gesponnenen enzyklopädischen Bezüge zu verfolgen und sich selbst ein Bild zu machen.

Kuratiert von Stephanie Weber

Mit freundlicher Unterstützung des Förderverein Lenbachhaus e.V.

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Stimmen

"(...) eine Einladung, alle Sinne zu schärfen. In ihren "Displays", wie sie die aus skulpturalen und Text-Elementen bestehenden Arrangements bezeichnet, sind die Wandtexte keine erklärende Beifügung, sondern selbständiger Teil. Die Künstlerin stellt damit Konventionen musealer Präsentation in Frage und erzeugt absichtsvoll ein Phänomen, das man im Journalismus Text-Bild-Schere nennt."

Roberta De Righi, Abendzeitung München

" (...) Das Hin-und-Her ist ihre Strategie bei "Lass uns spielen". Augenzwinkern und Ernst, Erhabenheit und Selbstironie funktionieren bei ihr bestens. Am schönsten in der Selbstporträt-Serie, die natürlich kein einziges Bild von Iman Issa präsentiert. Vom Grundkörper des Ovoids (analog zum Oval) geht sie aus. Mal in Schwarz, mal in Weiß. Klare Schnitte ins Rund werden gesetzt, sodass das "Gesicht" heftig variiert."

Simone Dattenberger, Münchner Merkur

"Ausstellungen zeigen immer zwei Dinge: das Kunstwerk und das dazugehörige Schild mit Informationen zu Titel, Entstehungsjahr, Name des Künstlers etc. Egal ob ellenlanger Erklärtext oder eine klitzekleines „ohne Titel“: Es ist immer da, dieses Schild. Iman Issa spielt in ihrer Kunst mit dieser Konvention des Museumsbetriebs. Zu allen ihren Arbeiten gehört ein immer auch ein Text, er ist Teil des Werks. Allerdings erklärt er manchmal etwas ganz anderes: Zwei Strichmännchen-ähnliche Figuren aus dünnen Metallstangen, die so gedoppelt sind, als sei die eine der Schatten der anderen, werden begleitet von der Erklärung „Zwei Frauen: Westjordanland, 2024 Inkjet-Druck Farbe“ und „Zwei Frauen, Zagreb, 1993, C-Print Farbe“. Die Erklärung bezieht sich also auf Fotos, das Schild hängt aber neben einer Skulptur. Und was haben wohl die zwei Frauen im Westjordanland mit denen in Zagreb 1993 zu tun?"

Julie Metzdorf, Deutschlandfunk Fazit

"Eine persönliche Handschrift der Künstlerin ist an ihren Arbeiten äußerlich nicht zu erkennen. Sie kommt vielmehr in den begleitenden Texten zum Ausdruck. Diese erklären aber keineswegs die Objekte oder illustrieren sie, sondern fügen dem Ganzen etwas Neues hinzu, das mit dem Werk nicht zwangsläufig zu tun haben muss. So werden die Arbeiten komplex und vielschichtig und fordern die Betrachter zu Reflexionen auf."

Karl Honorat Prestele, Evangelische Zeitung

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