Hallo aus dem Kunstbau
Ein Zwischenstand
Von Mona Feyrer, Annabell Lachner und Wen-Ling Chung.
Was passiert, wenn der Ausstellungsraum zum Ort des Arbeitens, Forschens, Schraubens, Zusammenkommens, Spielens, Bauens wird? Wie geht man mit einem Raum um, der bisher ganz anderen Regeln gefolgt ist? Seit dem 26. Juni 2025 ist das Team der Bildung und Vermittlung des Lenbachhauses mit Werkzeugkisten, Kaffeemaschine, vielen Ideen und noch mehr Fragen in den Kunstbau eingezogen.
"Hallo, mein Name ist Kunstbau." – Ist das ein Atelier? Vielleicht ein bisschen. Ein Ort zum Verweilen? Hoffentlich. Eine Werkstatt? Auch. Ein Ausstellungsraum? In Teilen. Es ist ein Ort für Kunst, für Künstler*innen, für gemeinsames Ausprobieren, Bauen, Denken, Spielen. Ein Raum, in dem unterschiedliche Dinge gleichzeitig passieren können – nebeneinander, miteinander, manchmal im Widerspruch.




Der Raum wurde von unterschiedlichen Kollaborationen mitgestaltet:
Als Raumfragen sind Künstler*innen im Kunstbau aktiv, die sich seit mehreren Jahren mit kollaborativen, soziokulturellen Projekten im Stadtraum beschäftigen. Fast täglich wird mit Schüler*innen der Mittelschule am Gerhart-Hauptmann-Ring in Workshops gearbeitet – aber auch mit Menschen, die spontan vorbeikommen.
Im offenen Nachmittagsformat "No rules, just tools" wird gehämmert, gesägt, geschraubt. Menschen jeden Alters bauen Architekturen, Fahrzeuge, Möbel und mehr – Dinge, die den Kunstbau erweitern, bespielen und ihm neue Möglichkeiten geben.



Eine andere Form des Forschens bringen Florian Gass und Mirja Reuter in den Kunstbau: Ihre Forschungsstation orientiert sich an Formen des Theaters und lädt zur Auseinandersetzung mit Werken und Fragen aus der Sammlung ein. Was bedeutet Forschen im künstlerischen Kontext? Welche Wissensformen dürfen mitspielen? Es entstehen Schattenfiguren und kleine Theaterstücke – spontan oder geprobt auf der Stabfiguren-Bühne. Ein Archiv mit Materialien von Kindern, Besucher*innen und der Lenbachhaus-Sammlung wächst hier weiter. Beim Workshop "Ein Hut, ein Fleck, ein Wirbelsturm" am 4. Juli forschten Kinder und Jugendliche gemeinsam mit den beiden Künstler*innen und Lisa Kern (Provenienzforschung Lenbachhaus) zu ausgewählten Werken. Ein weiterer Workshop für Kinder, Jugendliche und Erwachsene findet am 19. Juli statt.




Andrea Lesjak hat die dritte Station des Projekts KOLLABS – Musikbaustelle im Kunstbau initiiert – nach Teil eins und zwei im Münchner Stadtmuseum. Musiker*innen und Künstler*innen arbeiten live vor Ort miteinander und mit dem Publikum. Es wird geprobt, improvisiert, aufgenommen – neue Werke entstehen. Wer will, kann mitmachen. Das Format ist offen, performativ, experimentell – und stellt klassische Ausstellungspraxis im Museum infrage. Am 6. Juli ging es im KOLLABS mit einem Konzert von Zoro Babel, Limpe Fuchs und Caspar Lesjak. Elke Lehmann zeichnete live dazu los. Nun gibt es regelmäßig Konzerte, Studiotage, Workshops – das Programm wächst dynamisch weiter und ist über ein digitales Padlet einsehbar.

Was bisher passiert ist
Darüber hinaus starteten die ersten Wochen mit mehreren Veranstaltungen: Beim Abend in Deutscher Gebärdensprache mit dem Gehörlosenverband München und Umland e.V. (GMU) am 2. Juli ging es um Inklusion, Barrieren, Sichtbarkeit.
Am Tag darauf diskutierten Andrea Lesjak (KOLLABS) und Elena Sinanina (BLACK LAND e.V.) mit Lilli Roser vom ZKM Karlsruhe über die Idee von "Kontaktzonen" im Museum – Orte, an denen neue Verbindungen, Austausch und produktive Konflikte entstehen können.


Zwischendurch gab es Lesekreise für Kinder und Erwachsene, Spiele sowie Bewegungsformate: Am 1. Juli verwandelte "Tanz mich, ich bin der Kunstbau" mit Community Dance (Tanz inklus!ve und Tanz für Alle/DanceAbility) den Kunstbau in eine Tanzfläche – das Format geht die kommenden Wochen mit unterschiedlichen Tanzangeboten weiter. Beim Kaffeeklatsch mit dem Lenbachhaus-Team (freitags, 15 Uhr) tauschen sich Besucher*innen bei Zitronen- und Schokokuchen mit Mitarbeiter*innen des Museums aus, stellen Fragen, erzählen, was sie bewegt.




Über den Raum
Bei "Hallo, mein Name ist Kunstbau." bauen, lesen, diskutieren wir. Wir trinken Kaffee oder sitzen einfach nur beisammen. Ein Raum, der nicht sagt: "So funktioniert Museum", sondern fragt: Was möchte ich hier tun? Welche Anregung kann der Raum mir geben?
In den ersten Tagen kamen Menschen neugierig herein, viele mit Fragen. Manche schauten kurz und gingen wieder, andere blieben, lasen ein Buch, machten es sich an einem Platz im Raum gemütlich. Es gab keine Anleitungen, keine Regeln. Gleichzeitig wurde spürbar, wie unterschiedlich die Erwartungen an einen Museumsraum sein können – und wie wichtig es ist, gemeinsam herauszufinden, was dieser Raum sein kann. Diese Fragen stellen auch wir uns täglich neu. Der Raum verändert sich – mit jeder Idee, jedem Tag, jedem Feedback. Der Zustand des Kunstbaus am Eröffnungstag war ein Startpunkt mit der Absicht, Veränderung zuzulassen. Schnell wurde klar: Ein Tisch steht im Weg. Die Bar muss anders stehen, damit Leute ins Gespräch kommen. Wie reden wir miteinander, wenn es plötzlich laut wird? Wie können wir Prozesse sichtbar machen? Wir probieren, verwerfen, stellen um, improvisieren.
Es gibt sehr leise Tage im Kunstbau. Dann sitzen Menschen in der Bibliothek, andere schaukeln vor sich hin. Und es gibt Tage, da wird gehämmert, gesägt, diskutiert, musiziert – gleichzeitig. Vormittags Schulklassen, nachmittags offene Workshops. Daneben wird gelesen, geschrieben, Tischtennis gespielt. Es ist ein produktives Nebeneinander – manchmal auch ein chaotisches. Das ist herausfordernd, Formate stoßen an Grenzen. Und es braucht viel gegenseitige Absprache und Rücksichtnahme.
Alles darf, nichts muss.
Manche bauen, andere schreiben, manche kommen nur, um zu schauen oder sich zu unterhalten. Es gibt kein Richtig oder Falsch – dafür offene Türen, viele Möglichkeiten. Die Dinge, die entstehen – Möbel, Fahrzeuge, Schattenfiguren, Texte, Musik – wandern, verändern ihre Bedeutung, wachsen weiter. Die Wände füllen sich mit Kommentaren, Beobachtungen, Skizzen. Gegenstände wandern durch den Raum. Möbel, die am Vormittag mit Schulklassen gebaut wurden, stehen am Nachmittag am anderen Ende. Ein orangener Wagen, gebaut von Jugendlichen, wird zum Fahrzeug für Besucher*innen. Selbstgebaute Rutschen verteilen sich im Raum. Manche Menschen kommen einmal, andere regelmäßig. Für ein paar Minuten oder einen ganzen Tag. Aus einer kurzen Begegnung an der Bar wird ein langes Gespräch. Es geht um Zusammenkommen, Spiel, Aushandlung. Darum, Dinge auszuprobieren – auch wenn sie nicht sofort funktionieren.

Workshops zum Weiterdenken
Was kann ein Museum heute sein? Für wen ist es da – und was braucht es, damit sich Menschen eingeladen fühlen? Wie kann es anders gedacht, genutzt, geteilt werden? Dazu finden Workshops mit Tanzvermittlerin Domenica Ewald und Künstlerin Claudia Djabbari statt, in denen Museumsräume befragt und Ideen dafür entwickelt werden. Außerdem gibt es Konzerte, Gespräche und vieles mehr.
Wir freuen uns auf Euch – egal ob für fünf Minuten oder den ganzen Nachmittag. Zum Zuschauen, Mitmachen oder einfach nur zum Da sein.
Hallo, mein Name ist Kunstbau.
26. Juni 2025 – 3. August 2025
Eintritt frei! Di–So, 14–20 Uhr
www.hallo-kunstbau.de



