Meditation 'Das Gebet' von Alexej von Jawlensky

Details

  • Datierung
    1922
  • Objektart
    Gemälde
  • Material
    Öl auf Pappe
  • Maße
    39,5 cm x 30 cm x 0,25 cm
  • Signatur / Beschriftung
    u. l.: A. J.; rückseitig: A. Jawlensky Gebet 1922
  • Ausgestellt
    Nein
  • Inventarnummer
    G 13341
  • Zugang
    Schenkung 1965
  • Creditline
    Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
  • Zitiervorschlag / Permalink
    Alexej von Jawlensky, Meditation 'Das Gebet', 1922, Öl auf Pappe, 39,5 cm x 30 cm x 0,25 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
    https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/meditation-das-gebet-30019479

Werktext

1921 siedelte der heimatlose Jawlensky von Ascona nach Wiesbaden über, nachdem dort eine Kollektivausstellung seiner Werke großen Erfolg gehabt hatte. Die hier in großer Zahl entstehenden sogenannten 'Abstrakten Köpfe' der zwanziger und dreißiger Jahre bedeuten eine logische Fortentwicklung der vorangegangenen 'Mystischen Köpfe' und 'Heiligengesichte'. "Meditation 'Das Gebet'" von 1922 hat noch das lichte transparente Kolorit vieler 'Abstrakter Köpfe' der ersten Phase. Mittels subtiler farblicher und linearer Verschiebungen ist das Gesicht in meditativer Entrückung leicht zur Seite verzogen, wobei das Grundschema nochmals reduziert erscheint.

Armin Zweite hat diese Phase der Entwicklung Jawlenskys wie folgt beschrieben: "Die Formen gewinnen vor allem in den frühen zwanziger Jahren zunehmend an Präzision. Ehemals amorphe Flecken ziehen sich zu Kreisen zusammen, die mit dem orthogonalen Liniengerüst kontrastieren. Auch die Farbe wird homogener. Insgesamt wird alles unmittelbar Ausdruckshafte immer stärker zurückgenommen. Die dabei stereotyp wiederkehrenden Details sind schnell aufgezählt: Eine große U-Form bezeichnet Wangen und Kinn. Nase und Brauen, durch dünne, gratartige Linien markiert, stoßen zumeist rechtwinklig aneinander, so dass man gelegentlich versucht ist, ein Kreuz zu assoziieren. Den Mund deutet fast immer eine waagrechte Linie an, wobei ein farbiger Schatten in Gestalt eines Kreissegments die Rundung des Kinns paraphrasiert. Über der Stirn ein Dreieck, dessen Spitze auf den Scheitel weist. Von den Augen als intensivsten Ausdrucksträgern bleiben allenfalls waagrechte oder leicht nach unten durchschwingende Striche übrig, hin und wieder von verschwimmenden Farbbändern akzentuiert. Allein die seitlichen Wellenlinien rufen noch die gelockten Haarsträhnen früherer Arbeiten in Erinnerung."

Mit diesen wenigen, hier charakterisierten Mitteln eines äußerst reduzierten Formenrepertoires erreichen Jawlenskys 'Abstrakte Köpfe' ein Höchstmaß an Verinnerlichung und Konzentration. Trotz der Eliminierung aller individuellen Züge wirken diese Köpfe nicht ausdruckslos, sondern evozieren den Eindruck einer nur dem Menschen gegebenen Beseeltheit und strahlen nach des Künstlers eigenem Urteil eine "große Geistigkeit" aus.

Werktext aus: Friedel, Helmut; Hoberg, Annegret: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München. Prestel Verlag, 2007.