Ein klimaneutrales Museum

Zukunftsmusik oder greifbare Realität?

Von Lioba Zangenfeind

Am Ende eines Jahres ist es gang und gäbe, die letzten 12 Monate noch einmal Revue passieren zu lassen – was war gut, was schlecht? Was sollte nächstes Jahr anders gemacht werden? Auch in einem Museum wie dem Lenbachhaus ist das nicht anders. Jahr für Jahr analysieren wir genaustens Besuchszahlen, Veranstaltungen und Ausstellungen und ziehen Bilanz. Eine Art der Bilanz hat 2020 jedoch Premiere im Lenbachhaus gefeiert: die Klimabilanz.

Als die Kulturstiftung des Bundes letztes Jahr das Pilotprojekt „Klimabilanzen in Kulturinstitutionen“ initiierte, ergriffen wir dankbar die Chance, unsere erste Klimabilanz, basierend auf dem Jahr 2019, aufzustellen. Das Ergebnis: Wir emittierten rund 530 Tonnen Treibhausgase.

Komplizierte Rechnung

Um dieses Bilanz errechnen zu können, mussten wir unterschiedlichste Dinge miteinbeziehen: Neben offensichtlichen Faktoren wie Energieverbrauch von Klimaanlagen (notwendig zur Konservierung der Kunstwerke) oder Strom-, Wasser- und Wärmeverbrauch gab es noch viel mehr Aspekte zu berücksichtigen. Dienstreisen unserer Mitarbeiter*innen und die Transporte der Kunstwerke im internationalen Leihverkehr, die Produktion von Einladungen und Publikationen, genauso wie der Verbrauch an Materialien in allen Abteilungen.

All diese Werte festzustellen, bedeutete für uns ein aufwändiges Verfahren über mehrere Monate. Es stellt sich also die Frage:

Warum das Ganze?

Das Ergebnis all unserer Mühen ist nicht nur eine Zahl, die in einem Ordner abgeheftet und hinten ins Regal gestellt wird.
Allein durch die Berechnung der Klimabilanz ist natürlich noch keine Tonne Treibhausgas eingespart. Doch es ist ein wichtiger erster Schritt in die Richtung zur Klimaneutralität. Die Bilanz – oder vielmehr die Beschäftigung damit – schafft ein Bewusstsein dafür, dass eben nicht nur Strom und Heizung Energie verbraucht: Digitale Aktivitäten oder Verbrauch von Materialien in Haus sind Aspekte, die ohne das Projekt mehr im Hintergrund geblieben wären. Das Lenbachhaus nutzt die Informationen aus der Berechnung der Klimabilanz und berät sich derzeit intensiv über Maßnahmen, mit denen das Museum seinen CO2-Fußabdruck in Zukunft verringern oder sogar ausgleichen kann.
Nur wer Probleme in den Vordergrund holt, kann an ihnen arbeiten und sich eine Lösung überlegen.

 

Mehr zum Thema: Am 4. Oktober diskutiert Hans-Peter Schuster im SWR2 über Klimaneutralität in der Kultur, mit Moderator Dietrich Brants, Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin von Kampnagel Hamburg und Achim Könneke vom Würzburger Bündnis KlimaKultur.

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