Senga Nengudi

17. September 2019 – 19. Januar 2020 Im lenbachhaus

Senga Nengudi

 

Topologien

Eine legendäre Avantgarde-Künstlerin, deren bedeutende Installationen in einen Koffer passen – so beschrieb die Künstlerkollegin Lorraine O'Grady einst Senga Nengudi und ihr Werk.

Seit fünf Jahrzehnten entwickelt Nengudi, die 1943 in Chicago geboren wurde, ein einzigartiges Œuvre, das sich zwischen Bildhauerei, Performance und Tanz bewegt. Schon als junge Künstlerin und Studentin, die in Los Angeles parallel Bildhauerei Skulptur und Tanz studierte, suchte Nengudi diese Disziplinen miteinander zu verbinden. Mitte der 1960er Jahre studierte die damals 22-Jährige für ein Jahr an der Waseda University in Tokio, um sich intensiver mit der japanischen Kultur und der Künstlervereinigung Gutai auseinanderzusetzen. Obwohl sie die Gutai-Mitglieder nie traf, waren deren Experimente in Performance, Theater und Skulptur maßgeblich für sie. Japanische Theaterformen wie Kabuki und Butoh, aber auch westafrikanische rituelle Praxen prägen bis heute Nengudis Formensprache.

Ihrem Interesse an Tanz und Improvisation entsprechend sind nahezu alle ihre Werke durch Bewegung charakterisiert: Die Formen der Water Compositions – Skulpturen aus Kunststoff und gefärbter Flüssigkeit, die in den frühen 1970er Jahren entstehen – werden vom Volumen des Wassers mitbestimmt. Die "Stoffgeister", die Nengudi einige Jahre später in den Straßenzügen des New Yorker Stadtteils Harlem installiert, flattern im Wind. Die anthropomorphen R.S.V.P.-Skulpturen, für die Strumpfhosen mit Sand gefüllt und mit Fundstücken kombiniert werden, vollziehen eine langsamere Bewegung: ihr Material steht unter Spannung und fällt langsam aus seiner ursprünglichen Form. Nengudi versteht den Titel R.S.V.P. für "Répondez s'il vous plaît" oder "Um Antwort wird gebeten" als Einladung an Betrachter_innen, den Werken ohne Scheu zu begegnen. Einige dieser Nylon-Skulpturen werden in choreografierten Performances zu Tanzpartnerinnen.

Bevor Nengudi 1989 nach Colorado Springs in der Nähe von Denver zog, wo sie bis heute wohnt, lebte sie über Jahrzehnte in Los Angeles. Die Stadt an der US-amerikanischen Westküste war in den 1960er bis 1980er Jahren Zentrum einer dynamischen afroamerikanischen Kunstszene, die Nengudi entscheidend mitgestaltet hat. Dort fand sie sich mit Künstlerinnen und Künstlern wie David Hammons, Maren Hassinger, Ulysses Jenkins, Barbara McCullough und Frank Parker zu gemeinsamen Performances und Aktionen zusammen, die oftmals im Freien improvisiert wurden. Die Performance – allein oder im Kollektiv, im Atelier wie im öffentlichen Raum – bleibt ein Dreh- und Angelpunkt ihres Arbeitens.

Nengudi betrachtet ihre Werke als materiellen Ausdruck gedanklicher Experimente. Viele ihrer Skulpturen aus den1970er-Jahren waren für den Moment ihrer Präsentation gedacht und existieren heute nicht mehr. "Dauerhaftigkeit hatte für mich nie Priorität – zum Leidwesen vieler", schreibt sie dazu in einem ihrer Statements. Hinter dieser Aussage verbirgt sich Nengudis Überzeugung, dass das Ziel der Kunst nicht ihre Aufbewahrung und Kanonisierung ist, sondern ihre Fortsetzung.

Kuratiert von Stephanie Weber und Anna Straetmans

 

Weitere Station

Das Museu de Arte de São Paulo (MASP) zeigt die Ausstellung im Frühjahr 2020 in leicht veränderter Form.

Publikation

Anlässlich der Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag eine Publikation (de/en, 336 Seiten, hg. von Stephanie Weber und Matthias Mühling) mit Texten von Malik Gaines, Linda Goode Bryant, Kellie Jones, Senga Nengudi, Catherine Wood, u.a. Erhältlich im Museumsshop.

Für die Präsentation am MASP erscheint eine portugiesische Version des Katalogs im Eigenverlag des Museums.

 

 

 

Wandtexte in einfacher sprache

Die einführenden Texte in der Ausstellung im Lenbachhaus sind in einfacher Sprache und sollen für möglichst viele Menschen verständlich sein. Wir danken dem Büro für Leichte Sprache für ihre Expertise.

TANZPERFORMANCES

Gemeinsam mit der Künstlerin und dem Centre Pompidou, Paris, hat das Lenbachhaus Senga Nengudis Skulptur Performance Piece (1977) rekonstruiert. Die Skulptur wird in improvisierten Performances zur Tanzpartnerin verschiedener Tänzerinnen.

So, 15. Dezember 2019, 19 Uhr (ausverkauft)
Mi, 18. Dezember 2019, 19 Uhr (ausverkauft)
So, 12. Januar 2020, 19 Uhr (ausverkauft)
So, 19. Januar 2020, 19 Uhr (ausverkauft)

Weitere Informationen finden Sie hier.

WAS TUN!

DURCH DIE AUSSTELLUNG MIT...
Wir alle haben bei einem Ausstellungsbesuch eigene Assoziationen, Fragen und Ideen – so auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In dieser Führungsreihe beleuchten sie die Ausstellung aus ihrer persönlichen Perspektive und mit eigenen Akzenten.

Di, 19. November 2019, 18 Uhr
... Martina Oberprantacher, Kunstvermittlerin und Sarah Henn, wissenschaftliche Volontärin

Fr, 13. Dezember 2019, 16 Uhr
... Charlotte Coosemanns, Kunstvermittlerin und Anna Straetmans, Kuratorin der Ausstellung

Fr, 10. Januar 2020, 16 Uhr
... Annegret Hoberg, Sammlungsleiterin Blauer Reiter und Stephanie Weber, Kuratorin der Ausstellung

Di, 14. Januar 2020, 18 Uhr
... Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses

Fr, 17. Januar 2020, 16 Uhr
... Daniel Oggenfuß, Restaurator Grafik und Fotografie und Anna Straetmans, Kuratorin der Ausstellung

Dauer: ca. 1 Std.
Kosten: 3 Euro / Person zzgl. Eintritt

WORKSHOPS MIT PERFORMATIVEN UND INTERAKTIVEN ELEMENTEN
Personal Statements. Rituale in Sound, Text & Bewegung

Mi, 4. Dezember 2019, 19–20.30 Uhr
Sa, 21. Dezember 2019, 19–20.30 Uhr
Mo, 6. Januar 2020, 19–20.30 Uhr
Di, 19. November 2019 (Early Bird), 8–9.30 Uhr

Für Kinder ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene
Dauer: ca. 1,5 Std.
Der Workshop und der Eintritt sind kostenlos.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Tickets sind an der Museumskasse im Lenbachhaus und online erhältlich.

PRESSESTIMMEN

"Die beiden großen Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts – die der Frauen und der afroamerikanische Kampf für die Bürgerrechte – bilden die Folie für diese vielschichtigen Arbeiten. Für die Performances, die in Galerien ebenso wie im öffentlichen Raum stattfanden, ließ sie sich vom japanischen Butoh- und Kabuki-Theater gleichermaßen wie von Tanzriten aus Westafrika inspirieren. Dabei wurden die Strümpfe zu filigranen Gespinsten, für die das Material in dünne Streifen geschnitten, erstaunlich gedehnt und gezogen wurde." (Roberta De Righi, Abendzeitung München)

"Doch vor allem die Aktivierung sollte die Skulpturen der Serie "R.S.V.P." berühmt machen, deren Titel die höfliche Formulierung "Um Antwort wird gebeten" aufgreift. Die Tänzerin Maren Hassinger sagt, es sei eine spontane Idee gewesen, dass sie mit der "Nylon Mesh Series" interagieren solle als diese in einer Galerie in Los Angeles ausgestellt waren. Die Fotografien, die dabei entstanden sind, gehören inzwischen zum Kanon der jüngeren amerikanischen Kunstgeschichte, schlagen eine Brücke zur Bildhauerinnen wie Louise Bourgeois oder Eva Hesse und zu einflussreichen Tänzern und Musikern wie Merce Cunningham und John Cage." (Catrin Lorch, Süddeutsche Zeitung)

"Ihr Œvre soll nicht als vergangen, sondern als aktiv, variabel, wachsend, wandelbar erfahren werden können." (Simone Dattenberger, Münchner Merkur)

"Zu entdecken ist eine Avantgardekünstlerin mit betörender Minimal Art, Kunst, die sanft aufrüttelt und in ihrer historischen Dimension viel erzählt von dem Black Art Movement und den leidenschaftlichen Kunstauseinandersetzungen der Moderne." (BR 24 kulturWelt)

 

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