Wie geht es den Bienen im Frühling?

Von Jürgen Brandl.

Der Frühling hat Einzug gehalten und die Natur erwacht zum Leben. Nach der langen Pause im Winter freuen wir uns, dass die Bienen so langsam wieder zu fliegen beginnen und auch schon den ersten Pollen in der Natur finden. Bereits jetzt blühen die Krokusse, der Haselstrauch und die Saalweide. Der Pollen ist für die Entwicklung der Völker bereits jetzt essentiell, weil in 4 Wochen in München alle Obstbäume herrlich blühen werden und die Bienen hierfür einsatzbereit sein müssen. Wichtig für die Bienen ist auch der erste Reinigungsflug, sobald es die wärmeren Temperaturen zulassen. Die Bienen waren nämlich unter Umständen 5-6 Monate nicht mehr auf Toilette – und das ist eine große Erleichterung, wenn man endlich wieder ausfliegen kann.

Mit großer Spannung sehen wir nach, ob auch alle Bienenvölker den Winter überlebt haben. Schon mal vorab: Sie können beruhigt sein, alle drei Bienenvölker sind vital und freuen sich auf den heran nahenden Frühling.

Wir tun etwas gegen das Insekten-Sterben

Viele verspüren beim Anblick der Natur jetzt auch den Wunsch unseren faszinierenden Kosmos zu erhalten. Der konsequente Insektenschutz gehört hier unbestritten dazu. Klimawandel und der Einsatz von Chemie haben die Insektenpopulation in den letzten Jahren extrem minimiert.

Was können wir also tun, um den Insekten das Leben in unserem Umfeld etwas leichter zu machen? Zum einen können wir die Folgen des Klimawandels durch Tränken im Garten oder auf der Terrasse abmildern. Stellen Sie hierzu ganzjährig Wasser für die Tiere im Garten oder auf der Terrasse auf. Bitte auch nicht vergessen, einen Ausstieg aus Holz oder Stein für die Tiere in die Schale zu legen. Moose oder auch Lehm bieten sich ganz hervorragend an, um Insekten neben dem wertvollen Nass Mineralien anzubieten. Insbesondere bei Vogeltränken sollte das Wasser täglich gewechselt werden, um Ansteckungen zu vermeiden.

Den besten Schutz für Insekten bieten Sie, indem Sie konsequent auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden verzichten und gute Bedingungen für Nützlinge im Garten schaffen. Das heißt: Ein wenig Laissez-Faire im eigenen Garten und auf der Terrasse wirkt auf die Nützlinge richtig anziehend. Eine kleine Altholzansammlung, ein Steinhaufen, Schnittgut oder liegen gelassenes Laub bietet den Kleinstlebewesen Lebensraum. Auch bestimmte, teils unbeliebte Pflanzen, wie z.B. die Brennnessel, wirken Wunder. Sie bieten Schmetterlingen die Nahrung für ihre Nachkommen. Im naturnahen Garten fühlen sich die Nützlinge wohler als im sterilen Garten mit Steinbeeten und großen Rasenflächen. Auch wenn Sie Ihren Garten und Ihre Terrasse optisch etwas aufgeräumter schätzen, sollten Sie Hotels und Unterschlupf für die willkommenen Gäste in Ihrem Garten gleich einplanen. Diese Gäste revanchieren sich und befreien kostenlos von verschiedenen Plagegeistern:

  • Ein Igelhaus dient den Tieren als Platz zum Überwintern. Es ist zum Beispiel im Baumarkt erhältlich, Sie können es aber auch selbst bauen. Igel sind reine Fleischfresser und brauchen Insekten!
  • Ein Insektenhotel dient als Überwinterungs-, Nist- und Überlebenshilfe. Wichtige Nützlinge, etwa Schlupfwespen, können darin überwintern. Bauanleitungen gibt es unter anderem beim NABU.
  • Nistkästen kann man sich kaufen, aber auch leicht selbst bauen. Höhlenbrüterkästen sind – je nach Größe des Einfluglochs – zum Beispiel für Blaumeise, Feldsperling oder Gartenrotschwanz geeignet.
  • Tolerieren Sie den Maulwurf im Garten! Maulwürfe sind streng geschützt und dürfen nicht gestört, gefangen oder getötet werden. Maulwürfe sind sehr nützlich und fressen z.B. Schnecken, Engerlinge und Schnakenlarven.

Weitere Nützlinge:

  • Spitzmäuse: Spitzmäuse ernähren sich von Insekten, Schnecken und Grillen. Sie halten sich gerne in Stein-, Laub- oder Komposthaufen auf.
  • Eidechsen: Eidechsen sind hübsch zu beobachten und fressen gerne Kohlweißlinge, Gemüsefliegen und Raupen.
  • Kröten sind wenig wählerisch und fressen Asseln, Fliegen, Raupen und Nacktschnecken.
  • Vögel helfen uns Schädlinge im Garten im Zaum zu halten.
  • Marienkäfer und ihre Larven vertilgen täglich bis zu 150 Blattläuse.
  • Schlupfwesen haben sich auf Blattläuse, Minierfliegen und Apfelwickler spezialisiert.
  • Florfliegen lieben Blatt- und Wollläuse und gelten im Garten als Wundertierchen. Sie lieben mit Holzwolle ausgestattete mit roter Farbe versehene Holzunterkünfte.

Warum müssen wir uns um die Bienen und Insekten sorgen?

  • In Deutschland sind 584 Wildbienenarten nachgewiesen. 39 Arten sind bereits ausgestorben. Die Hälfte aller Bienenarten in Deutschland ist gefährdet.
  • Viele Blühpflanzen brauchen Bienen um sich zu vermehren
  • … und Bienen brauchen Blühpflanzen als Nektar- und Pollenquelle.
  • Besonders Monokulturen, Pestizide, Krankheit und Parasiten schädigen die Insekten.
  • Ohne Bienen würden wir nur halb so viel ernten und unser Obst und Gemüse wäre viel kleiner und ärmer an Vitaminen und Mineralien.
  • Der Wert der Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft wird in Deutschland auf 2 Mrd. und weltweit auf mind. 260 Mrd. Euro jährlich geschätzt.
  • Vögel, Käfer, Igel, Mäuse, Eichhörnchen und Co. fressen Samen und Früchte, die ohne Bestäubung nicht vorhanden wären. Bienen erhalten im Ergebnis unsere Biodiversität und schaffen die Grundlage für die Lebensmittelversorgung von Mensch und Tier.

Würden wir wirklich gerne auf diese fantastischen Erlebnisse wie hier – ein Blütenmeer von Krokussen im Luitpoldpark diese Woche – verzichten wollen?