Führung durch die Ausstellung
Öffentliche Führung
So, 19. Oktober 2025, 15.15–16.15 Uhr

Auguste Herbin
mehr Informationen

Der französische Maler Auguste Herbin (1882–1960) gilt als ein Revolutionär der Moderne und einer der Begründer der Abstraktion in Frankreich. Kurz nach der Jahrhundertwende beginnt er mit spätimpressionistischen Landschaften, Stillleben und Porträts, schon jetzt in leuchtenden, dabei harmonisch gehandhabten Farben, die in der darauffolgenden fauvistischen Phase wild werden und es ein Leben lang bleiben.
1904 begegnet er dem deutschen Kunstkritiker und Galeristen Wilhelm Uhde, der ihn auch in Deutschland einführt – mit weitreichenden Folgen: Herbin wird bis heute in Deutschland ausgestellt und gesammelt. 1909 malt er erste kubistische Bilder und zählt damit zu den Erfindern dieser Bildsprache. Auch sein Kubismus ist starkfarbig. 1909 bezieht er ein Atelier im berühmten Bateau-Lavoir auf dem Pariser Montmartre, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Picasso und van Dongen.
Herbin malt in unterschiedlichen Gegenden Frankreichs von der belgischen Grenze bis zur spanischen sowie im belgischen Brügge, im Hamburger Hafen und auf Korsika. Jeder Ortswechsel bringt die Wahrnehmung neuer Formen mit sich und löst häufig Veränderungen in seiner Bildsprache aus. Erst als er sich in den 1930er Jahren endgültig auf die abstrakte Kunst verlegt, bleibt er vor Ort in Paris.
Während des ersten Weltkriegs entwirft er Tarnmuster für Flugzeuge, danach entwickelt er für dekorative Holzobjekte zum ersten Mal ein völlig abstraktes, geometrisches Formenvokabular. Als sozial engagierter Künstler und zeitweiliges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs sieht er darin eine monumentale "Kunst für alle". Wenn er sich anschließend einer figurativen magisch-realistischen Malerei zuwendet, dann bedeutet das keinen Bruch, sondern eine Metamorphose. Wie immer in seinem variablen Werk ist es ein Fruchtbarmachen des Alten im Neuen. Als er nach wenigen Jahren zur abstrakten Malerei zurückkehrt, macht er das zunächst mit runden Formen, Voluten, Spiralen.
Als Organisator von Ausstellungen und Vereinigungen propagiert er die Bedeutung der abstrakten Kunst, so ab 1931 als Präsident der Gruppe Abstraction-Création. In den späten 1930er Jahren beschäftigt er sich vermehrt mit Farbtheorien, vor allem mit anthroposophischen Adaptionen von Goethes Farbenlehre. Daraus entwickelt er 1942 sein "alphabet plastique", ein Regelwerk der reinen Farbtöne und geometrischen Formen, Musiknoten und Buchstaben. Damit "buchstabiert" er Begriffe in Bildern, doch interpretiert er sie stets variabel mit Blick auf ihre emotional erfahrbare Qualität. Nach 1945 wird Herbin Vorbild für Vertreter der konkreten und kinetischen Kunst und der Op-Art, sein Werk wird in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt. Er engagiert sich bis zu seinem Tod als Erneuerer der französischen Abstraktion.
Unsere Ausstellung umfasst die wichtigsten Stationen in Herbins Schaffen und zeigt ca. 50 bedeutende Werke mit umfangreicher Dokumentation.
Kuratiert von Susanne Böller
Mit freundlicher Unterstützung des Förderverein Lenbachhaus e.V.
Katalog
Auguste Herbin – le maître révélé 1882–1960
Hrsg. Céline Berchiche, Mario Choueiry, Peter Kropmanns, Serge Lemoine
Madrid und Paris: Éditions El Viso, 2024
ca. 190 Seiten, ca. 70 Abbildungen, Französisch und Englisch
Preis: 32 €
"Herbin war in Frankreich einer der Pioniere der abstrakten Kunst. (...) Er wird Mitglied der Fauves, zu denen unter anderem Henri Matisse gehört. (...) Herbins Gemälde aus den späten Jahren sind geometrisch abstrakt, rhythmisch verspielt."
"Er zählt zu den Pionieren der Abstraktion in Frankreich: Auguste Herbin (1882-1960) begann seine künstlerische Laufbahn mit spätimpressionistischen Landschaften, Stillleben und Porträts, entwickelte sich zum "Fauve" - zum in Farben schwelgenden "Wilden" - und fand über den analytischen Kubismus zur ungegenständlichen Malerei."
„Alle Macht der Farbe: Wenn der französische Künstler Auguste Herbin zum Pinsel griff, dann knallte das Kolorit ins Auge – egal ob er um 1907 fauvistische Landschaften malte oder in den 1920-Jahren Kreise und Dreiecke. In Paris ist Herbin bereits wiederentdeckt. Jetzt kommt er nach München.“
"Farbenprächtig, klar und kontrastreich setzt er Formen wie Kreise, Dreiecke oder geschwungene Linien an, neben und übereinander. (...) Das wichtigste Kriterium ist einfach, dass Herbin nie daran denkt, irgendwie Farbe zu reduzieren."
"Auf der Weltausstellung 1937 in Paris ist er zusammen mit Robert und Sonia Delaunay und mit Fernand Léger im Pavilllon der Luftfahrt und Eisenbahn mit großformatigen, dynamischen Leinwandgemälden zu "Fortlaufenden Bewegungen" vertreten."
"Er treibt´s bunt (...). Ein Suchender, einer, der jede Form, jede Farbe bewusst gewählt hat. Bis hin zu einem von ihm eigens ausgetüftelten komplizierten System, dem "alphabet plastique", das jedem Buchstaben von A bis Z eine Farbe, eine Form und einen Ton zuordnet. Da hat sich Herbin von kulturgeschichtlichen Schwergewichten wie Goethes Farbenlehre oder Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" inspierieren lassen."
"Farbenlehre. Er war einer der wandelbarsten Maler der Moderne und erfand sich immer wieder neu. Von spätimpressionistischen Landschaften über kraftvoll farbige fauvistische Leinwände wurde der 1882 geborene Auguste Herbin zu einem frühen Kubisten, bis ihn sein Weg schließlich zur Abstraktion führte. Die große Konstante blieb seine Liebe zu leuchtenden Farben. In den späteren Arbeiten scheint er mit abstrakten Formen fast schon die coole und strahlende Palette der Pop Art vorwegzunehmen. Obwohl in Deutschland früh geschätzt, ist Herbin etwas in Vergessenheit geraten. Zeit, diesen Optimisten der Farbe wiederzuentdecken."
"Die Ausstellung im Lenbachhaus zeigt nicht nur ikonische Werke, sondern beleuchtet auch die theoretischen Grundlagen seines Schaffens. Eine umfangreiche Dokumentation gibt Einblicke in Herbins Schriften, sein Alphabet und sein künstlerisches Netzwerk."
"Bis er seine Bildsprache fand, probierte Auguste Herbin sämtliche Kunststile des frühen 20. Jahrhunderts aus. Das zeigt jetzt seine Werkschau im Münchner Lenbachhaus, die den Vergessenenen als französischen Pionier der Abstraktion feiert. Die Ausstellung durchläuft anhand von rund 50 Werken Herbins ein halbes Jahrhundert Kunstgeschichte im Zeitraffer."
"Er war mittendrin in der Pariser Avantgarde und hat den Kubismus und vor allem die abstrakte Malerei mitentwickelt. Nun ist Auguste Herbin im Lenbachhaus wieder zu entdecken - und man kann nur staunen."
"Die künstlerischen Strömungen von wenigen Dekaden im Schnelldurchlauf - so fühlt man sich, nachdem man die Ausstellung im Lenbachhaus durchschritten hat: vom Impressionismus über den Fauvismus zum Kubismus, von da zurück zur Figuration bis hin zu einer speziellen Art geometrischer Abstraktion sind alle stillistischen Trends des 20. Jahrhunderts vertreten."
"Immer wieder neue Formen probierte der Maler Auguste Herbin aus. Dabei setzte er stets auf kräftige Farben und schuf dafür ein eigenes Alphabet. Ein Überblick über sein Schaffen ist jetzt in München zu sehen."
"Als sozial engagierter Künstler und zweitweiliges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs sieht er darin eine monumentale "Kunst für alle".
"Also ich fand es wahnsinnig erfrischend und sehr bunt. Gleich im ersten Raum, da sieht man, wie er am Anfang seiner Karriere versucht hat, verschiedene Stile nicht nachzuahmen, aber das lag eben in der Luft und er hat dann auch so gemalt. (...) Man merkt, sein Herz schlägt für die Abstraktion und die Muster."







