Honig und was ihn ihm steckt

Von Jürgen Brandl.

Amborisa – Speise der Götter

Die Süße von Honig hat die Menschen seit jeher verzaubert und auch seine medizinische Wirkung war unseren Vorfahren früh bekannt. Unzählige Mythen und biblische Texte handeln vom flüssigen Gold der Bienen oder künden verheißungsvoll von einem "Land, in dem Milch und Honig fließen".

Honig hat daher über die Zeit in den Traditionen und Riten unterschiedlichster Kulturen einen wichtigen Platz eingenommen: Schönheit, Gesundheit, Heilung oder auch ein langes, gar immerwährendes Leben wurden dem regelmäßigen Konsum von Honig zugeschrieben.

Das Wort "Ambrosia" stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "Speise der Götter". Das mythische Getränk aus Nektar und Honig soll den Göttern der Antike ihre Kraft und Unsterblichkeit verliehen haben. Auch wenn die "Speise der Götter" heute ihre Mystik eingebüßt hat – lecker und in Maßen genossen auch gesund, ist das flüssige Gold der Honigbiene wie eh und jeh.

Die Jagd nach Honig

Dass Honig, als einzig verfügbares Süßungsmittel, für die Menschen der antike zu den wertvollsten Lebensmitteln gehörte, ist angesichts der mühsamen Honigernte durch Raub und Plünderung wilder Bienenvölker nicht verwunderlich.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich mit der Haus- und Gartenimkerei eine Vorstufe der heutigen Bienenhaltung. Austauschbare Waben, standardisierte Beuten, maschinelle Honigernte und erste Schritte in der Erforschung des Organismus der Bienen, führten zu essentiellen Veränderungen in der Bienenhaltung und zu einem europaweiten Aufschwung der Imkerei.

Auch heutzutage befindet sich die Imkerei im Wandel. Die Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft führt vielerorts zu einem neuen Geschäftsmodell: der Bestäubungsimkerei. Dabei steht nicht die Honiggewinnung, sondern die effiziente Bestäubung von Obst-, Mandel- und Beerenplantagen im Vordergrund. Ob diese Entwicklung langfristig zu verbesserten Lebensbedingungen von Insekten und Honigbienen führen wird, bleibt abzuwarten.

Die Heilkraft der Bienen

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich ein eigener medizinischer Zweig rund um die Biene und die von ihr erzeugten Produkte gebildet: die Apitherapie. Dabei wird von Allergien bis Zahnschmerzen fast jeder Krankheit mit Propolis, Bienenwachs, Gelée Royale, Bienengift und Honig zu Leibe gerückt. So galt Honig bereits den alten Ägyptern als Universalheilmittel und auch heutzutage kommt er als bewährtes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten, Fieber und Schlafstörungen zum Einsatz.

Nicht ohne Grund: heute weiß man, dass Honig über 180 medizinisch wirksame Inhaltsstoffe enthält. Das Enzym Glucoseoxidase verleiht dem Honig dabei eine ganz besondere Fähigkeit: Es wandelt Zucker in Wasserstoffperoxid um und wirkt dadurch antibiotisch und desinfizierend auf Bakterien und Keime.

Für unser Projekt "Meet your Bees" ist es ein zentraler Punkt, die Reinheit des Honigs vom Bienenstock zum Menschen bestmöglich zu bewahren. Unser Honig wird keinerlei Erwärmung unterzogen und ohne Zwischenlagerung in Gläser abgefüllt, dadurch behält er seine wertvollen Inhaltstoffe. Eben dieser Verzicht auf eine Erwärmung ist es auch, der die antibakterielle Wirkung des Glucoseoxidase-Enzyms im Honig möglich macht.

Nicht nur die Alternativmedizin macht sich diese Wirkungsweise bei der Behandlung von Schürfwunden und sonstigen Hautverletzungen zu Nutze.

Vielfalt des Geschmacks

Jeder Honig ist einzigartig und schmeckt, riecht und sieht unterschiedlich aus. Es wird zwischen Sortenhonig, wie z.B. Lindenblütenhonig, und Blüten- und Honigtauhonig unterschieden. Während ein Sortenhonig überwiegend aus dem Nektar einer einzigen Pflanze besteht, findet sich in einem Blütenhonig der Nektar verschiedenster Pflanzenarten.

Zusätzlich variieren die Honigsorten durch regionale und saisonale Unterschiede und verschiedene klimatische Bedingungen in ihren sensorischen Eigenschaften, daher ist Honig nie gleich Honig.

Frühtrachthonig wird aus der ersten Schleuderung im Jahr gewonnen. Meist enthält er unter anderem den Nektar von Weiden, Obstgehölzen, Ahorn und weiteren Frühblühern zusammen. Um einer schnellen Kristallisation vorzubeugen, wird Frühtrachthonig meist cremig gerührt.

Sommertrachthonig wird hingegen aus der zweiten Schleuderung im Jahr gewonnen und weist daher neben später blühenden Pflanzenarten auch Honigtau auf.

Honigtauhonig ist ein dunkler und flüssiger Honig mit kräftigem, würzigem Geschmack. Zu den Honigtauhonigen zählen zum Beispiel der Waldhonig, Fichtenhonig, Tannenhonig und auch Lindenhonig

Wertvolle Inhaltsstoffe

Honig ist ein unbehandeltes Naturprodukt und enthält über 180 verschiedene Inhaltsstoffe: Vitamine sorgen für eine optimale Zuckerverwertung. Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium sind wichtig für den Stoffwechsel und tragen zur Steuerung von Muskel- und Nervenfunktionen bei. Kohlenhydrate wie Traubenzucker füllen die Energiereserven wieder auf und Enzyme wandeln Zucker in antibakterielle Stoffe um. Für ein gut funktionierendes Stoffwechselsystem sorgen die Aminosäuren, während Aromastoffe das Immunsystem stimulieren. Pollen und Säuren regen den Appetit an und wirken verdauungsfördernd. Kurzum: Honig ist ein wahres Wundermittel der Natur! Stammt der Honig aus der Region ist er zudem ein probates Mittel zum Erhalt der heimischen Imkerei und einer artenreichen Natur.