Datierung
1925
Objektart
Gemälde
Material
Öl auf Pappe
Maße
59 cm x 49,9 cm x 0,4 cm
Signatur / Beschriftung
u. l.: A. J.; u. r.: X.25
Ausgestellt
Ja
Inventarnummer
G 15678
Zugang
Ankauf 1978
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
Alexej von Jawlensky, Liebe, 1925, Öl auf Pappe, 59 cm x 49,9 cm x 0,4 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/liebe-30012028
  • Der Blaue Reiter
  • Expressionismus
  • Gesicht

Werktext

Das verhältnismäßig große Bild "Liebe" von 1925 kann als ein Hauptwerk unter Jawlenskys 'konstruktiven' Köpfen der Zwanzigerjahre gelten. Mit seinen besonders reinen, kühlen Formen weist das Kopfmotiv hier eine geometrische Präzision und Verfestigung auf, die in den gleichzeitigen Bestrebungen auch anderer Künstler ihre Parallelen findet. Die strengen Waagrechten und Senkrechten, Kreise und Kreissegmente sowie der gleichmäßige, abdeckende Farbauftrag, der keine Unregelmäßigkeiten mehr zulässt, rücken das Bild in die Nähe der allgemeinen Tendenz zum Experiment mit konstruktiven Formgesetzen.

Mitte der zwanziger Jahre war es vorübergehend zu einer Annäherung Jawlenskys an ehemalige Kollegen gekommen, als er sich durch Vermittlung von Emmy Scheyer mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Lyonel Feininger, alle damals als Lehrer am Bauhaus in Weimar tätig, zur Gemeinschaft der 'Blauen Vier' zusammenschloss. Obwohl in ihrem Namen eine ferne Reminiszenz an das Programm des 'Blauen Reiter' anklingt, blieb die 'Blaue Vier' eine überwiegend praktische Vereinigung, die sich um Ausstellung und Vertrieb der Kunst ihrer Mitglieder kümmerte und durch Emmy Scheyer besonders in den USA vertreten und bekannt gemacht wurde.

Aus dem Kontakt mit den Kollegen ergab sich für Jawlensky keine entscheidende Veränderung seiner künstlerischen Ziele. Während etwa für Kandinsky, Klee und Schlemmer die Arbeit mit elementaren Formen ein Forschen nach den geistigen Grundlagen aller materiellen Erscheinungen bedeutete, blieb für Jawlensky die konstruktive Perfektion des Kopfschemas eine Erweiterung der Möglichkeiten persönlicher religiöser Offenbarung. In besonders glücklichen Fällen scheint ihm dabei eine gelöste Annäherung an jene geheimnisvolle Grundform gelungen zu sein, die in sich ein Urbild spiritueller menschlicher Existenz umgreift.