- Name
- Katherine Schäffner
- Lebensdaten
- 1863–unbekannt
- Geburtsort
- Zbraslav bei Prag
1908 veröffentlicht der Münchner Verleger Georg D. W. Callwey, der ab 1894 auch die Kunstzeitschrift "Der Kunstwart" publizierte, ein aus 42 Arbeiten bestehendes Mappenwerk mit dem Titel "Eine neue Sprache?" Die teils zwischen Ornamentik und Abstraktion changierenden Werke, die als Autotypien (ein Hochdruckverfahren) reproduziert wurden, stammen von der 1863 in Königsaal (Zbraslav, heute ein Stadtteil von Prag) geborenen Katharine Schäffner. Die Künstlerin, die neben Druckgrafiken unter anderem auch Ölgemälde und Keramiken anfertigte, studierte in Berlin und München sowie in Prag bei der Malerin und Grafikerin Hermine Laukota. Die beiden Frauen lebten auch von 1901 bis 1903 zusammen.
Die eigenwillige Bildsprache von "Eine neue Sprache?" umfasst neben abstrakt-ornamentalen Arbeiten wie etwa "Sturm" oder "Leidenschaft" auch Karikaturen. Mit dieser Mappe konnte Schäffner das Publikum begeistern: Sowohl der Dichter und Kunstkritiker Ferdinand Avenarius als auch der Künstler Kurt Schwitters äußerten sich positiv über das Werk und betonten den Wagemut zur Abstraktion. Tatsächlich sind ihre abstrakten Arbeiten noch vor den frühesten Abstraktionen von Wassily Kandinsky oder František Kupka entstanden.
Trotz dieser Anerkennung ist die Künstlerin in Vergessenheit geraten und auch ihre spätere Biografie ist bisher nicht rekonstruiert worden – die letzte bekannte Lebensstation ist ihre Teilnahme an der Ausstellung "Die sudetendeutsche Frau in der bildenden Kunst" in Teplitz-Schönau (heute Teplice) im Jahr 1936.
Text aus der Ausstellung "Der Blaue Reiter. Eine neue Sprache", 2024
