Die Gabriele Münter- und
Johannes Eichner-Stiftung

Von Isabelle Jansen.

Die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung wurde durch eine erbvertragliche Verfügung Gabriele Münters (1877-1962) und ihres Lebensgefährten Johannes Eichner (1886-1958) ins Leben gerufen. Die 1966 rechtsfähig gewordene Stiftung verwaltet den reichhaltigen Nachlass der Malerin, der nicht nur Kunstwerke und Schriftstücke, sondern auch ihr Haus in Murnau, das sogenannte Münter-Haus, umfasst. Zweck der Stiftung ist die Verbreitung der Kunst von Gabriele Münter.

Um das Stiftungsziel umzusetzen, agiert die Münter-Eichner-Stiftung sowohl regional als auch international. 2017 konzipierte sie die umfangreiche Ausstellung "Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife", die nach ihrer ersten Station im Lenbachhaus ins Louisiana Museum for Modern Art in Humlebæk/Kopenhagen und ins Museum Ludwig in Köln wanderte. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit ausländischer Museen auf das bedeutende Werk der Künstlerin gezogen. Die nächste große Münter-Ausstellung in Kooperation mit der Münter-Eichner-Stiftung wird im Zentrum Paul Klee in Bern ab September 2021 zu sehen sein. Sie wird fast ausschließlich mit Werken aus dem Bestand der Stiftung bestückt.

Durch umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten wurde das Münter-Haus 1999 in seinen Zustand von vor dem Ersten Weltkrieg zurückversetzt und dem Wunsch Münters entsprechend zu einer Gedenkstätte ihrer und der Kunst Kandinskys umgewidmet. Dort werden Wechselausstellungen organisiert, die sich zumeist mit Murnau als Schaffensort für Münter und Kandinsky befassen. Sie zeigen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bearbeitung des Münter-Nachlasses. So konnten die Perlenstickereien und Textilarbeiten Kandinskys und Münters zum ersten Mal in einer umfassenden Präsentation ausgestellt werden. 2012 anlässlich des 100 jährigen Jubiläums des Almanachs "Der Blaue Reiter" stand in der Ausstellung "Die blaue Reiterei stürmt voran.", die Gegenüberstellung von Bildzeugnissen aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen im Vordergrund, wie sie sowohl im Almanach als auch in der privaten Sammlung Kandinskys und Münters zu beobachten ist. Die Werke aus der Sammlung von Kandinsky und Münter – süddeutsche Votivtafeln, russische Bilderbogen, Kinderzeichnungen und außereuropäische Kunst – wurden hier erstmalig dem Publikum vorgestellt.

Die aktuelle Ausstellung "Zu Gast bei Gabriele Münter. Das Münter-Haus als Ort der Begegnungen" erinnert daran, dass das Haus ein lebendiger Ort des Austausches war. Gleichzeitig wird die Musik, die für Kandinsky und Münter von hoher Bedeutung war, thematisiert. Zu ihren Freunden zählten z.B. Arnold Schönberg und der russische Komponist Thomas von Hartmann.

Neben der Sonderausstellung "Zu Gast bei Gabriele Münter" wird die neue Präsentation der ständigen Sammlung ab Januar 2021 wieder die Gelegenheit bieten, acht Gemälde von Münter, die teils noch nie, teils vor sehr langer Zeit ausgestellt waren, zu bewundern. Die Auswahl umfasst vorwiegend Landschaften und Stillleben, die zwischen 1910 und 1959 entstanden sind. Im gesamten Haus werden somit u.a. 32 Gemälde und zahlreiche Fotografien von Münter zu sehen sein, die die große Bandbreite ihres Oeuvres widerspiegeln.

Da die Münter-Eichner-Stiftung ihren Sitz im Lenbachhaus hat, bietet sich eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen in Form von Forschungsprojekten, Ausstellungen und Dauerleihgaben der Stiftung an das Lenbachhaus an. Für die Ausstellung "Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter" konnte die Stiftung über 200 Leihgaben zur Verfügung stellen. In das Projekt "Gruppendynamik – Der Blaue Reiter und Kollektive der Moderne", dessen erster Teil ab dem 23. März 2021 im Lenbachhaus zu sehen sein wird, werden zahlreiches Archivmaterial sowie Werke aus der Münter-Eichner-Stiftung integriert.


Veröffentlicht am 7. Oktober 2020.