Was passiert bei den Bienen im Spätsommer?

Von Jürgen Brandl.

Viele Bienenfans fragen sich bestimmt, was denn eigentlich bei den Bienen um diese Jahreszeit passiert? Der Honig ist geerntet – aber das arbeitsreiche Bienenjahr ist für den Imker noch lange nicht zu Ende. Ende Juli / Anfang August ist die Zeit der Lindenblüten in München vorbei. Danach gibt es zwar noch genügend Nahrung für die Insekten, um Honig zu produzieren – allerdings belassen wir diesen Anteil bei den Bienen für den anstehenden Winter. Stichwort Winter: Auch wenn es sich komisch anhört, treffen die Bienen auf Hochtouren die letzten Vorbereitungen für den Winter: das Brutnest wird täglich kleiner und die letzten Vorräte werden angelegt. Die Bienen kommen jetzt mehr und mehr zur Ruhe.

Und schließlich geht es darum, dem größten Feind der Biene, der Varroamilbe, das Leben schwer zu machen. Behandlungen gegen die Varroamilbe mit Ameisen- und Oxalsäure müssen nun durchgeführt werden. Besorgte Bienenfans fragen sich zudem, wo die Bienen um diese Jahreszeit noch Nahrung finden und wie weit sie fliegen müssen? Im Stadtgebiet München blüht derzeit noch sehr viel. Wenn Sie sich umsehen, werden Sie viele Spätblüher entdecken: Hibiskus, Efeu, Astern, Sonnenhut, Ringelblumen, Borretsch. Also Nahrung scheint es viel zu geben und die Bienen fliegen hierfür bis zu 3 Kilometer rund um den Bienenstock.

Wie verlief denn die Ernte in diesem Jahr?

Wir konnten zunächst eine sehr milde und nicht außergewöhnliche Witterung im Frühling feststellen. Genügend Feuchtigkeit und Wärme sorgten dafür, dass die Bienen ausreichend Pollen und Nektar eintragen konnten. Dort wo Obstbäume standen und der Löwenzahn blühte, freuten sich die Bienen auf ein reichhaltiges Angebot an süßem Nektar.

Ganz hingegen zu der Situation im Sommer: Dieser erfreute zwar die Sonnenanbeter*innen. Allerdings wurde für viele nahrungsspendende Pflanzen aufgrund ausbleibender Regenfälle das Wasser knapp. Trockenstress und Dürre sorgten dafür, dass die Entwicklung der Bienen bemerkbar beeinträchtigt wurde und manche Völker schon früher als zuvor die rege Sammeltätigkeit reduzierten.

Vor allem in der Innenstadt konnten die Bienen doch noch den leckeren Lindenblütenhonig sammeln, der dann aufgrund der trockenen Witterung entsprechend gute Wasserwerte aufwies. Der Nektar enthält ja teilweise 80 % Wasser und dieses muss dem Honig vor der endgültigen Einlagerung entzogen werden. Sonst ist der Honig nicht haltbar und die Bienen sterben im Winter. Die Bienen reduzieren den Wassergehalt durch Fächeln mit den Flügeln auf ca. 18–20 % und dann ist der Honig erntereif.

Was macht den Stadthonig eigentlich so einzigartig?

Der Stadtbienenhonig ist immer wieder eine Überraschung, weil die Bienen gerade dort hinfliegen, wo es blüht und es Nahrung gibt. Und in der Stadt gibt es im Vergleich zum Land, geprägt durch Flächenversiegelung und Monokulturen, ausreichend Nahrung. Darum schmeckt auch der Honig jedes Jahr etwas anders. Wir können ja den Bienen nicht vorgeben, wo sie hinfliegen sollen. Und das ist auch gut so.

Sehr markant schmeckt allerdings der Sommerblütenhonig in München. Das Trachtangebot wird in München vor allem durch Allee- und Parkbäume geprägt. Dazu gehören natürlich auch die Linden. Aufgrund vieler Lindenbäume in München dominiert in den Sommerhonigen der würzige Geschmack der Lindenblüte ohne Zweifel.

Zudem enthält der Honig keine Pestizide / Glyphosat-Restbestandteile da die Haupttrachtpflanzen in der Stadt nicht mit Chemikalien behandelt werden. Studien habe zudem ergeben, dass in Honigen deutscher Großstädte keine Belastungen durch Kohlenwasserstoffe, Cadmium oder Blei nachzuweisen sind. Die Bienen schaffen es mit feinsten Filtermechanismen schädliche Stoffe herauszufiltern, bevor diese in den Honigmagen gelangen. Sie würden es tunlichst vermeiden, schlechten Honig in den Bienenstock einzutragen und somit ihr Volk zu gefährden. Zudem ist die Blüte, die für die Bienen relevant ist, nur eine ganz kurze Zeit möglichen schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Die Studienlage ist also ziemlich eindeutig belegbar.