Bee Friendly – Ideen mit Wirkung

Von Jürgen Brandl. 

Mit dem Projekt “Meet your Bees” setzen wir ein Zeichen für ökologisches Engagement und schaffen neuen Lebensraum für Bienen. Damit leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in unserer Natur. Wie wir Insekten auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon unterstützen können, erklärt Imker Jürgen Brandl mit praktischen Tipps passend zum Frühling.

Der März gibt mit warmen und sonnigem Wetter den endgültigen Startschuss für die Frühlingssaison und für die Bienen wird es höchste Zeit in Form zu kommen: Die Salweide und Kornelkirsche beginnen in München langsam zu blühen und in spätestens 6 bis 8 Woche blühen Millionen von Obstbäume. Und danach schickt sich auch schon der Löwenzahn an zu blühen. Zuerst aber ziehen Haselnusssträucher zahllose Insekten an und bieten eine gute Pollen- und Nektarversorgung in der Übergangszeit. 

An den Fluglöchern können jetzt die schwer beladenen Pollensammlerinnen mit gelben Punkten beobachtet werden, ein untrügliches Zeichen, dass die Völker motiviert, gesund und mitten im Brutgeschäft sind. Denn nur wenn im Bienenvolk alles in Ordnung ist sammeln die Bienen ganz fleißig den Pollen ein. 

Im Bienenvolk geht es daher heiß her: Pollen wird eingelagert, die Königin legt jetzt um die 1.000 Eier pro Tag und die ersten Drohnen (männliche Bienen) schlüpfen auch schon. Wichtig zu wissen ist, dass in den letzten Tagen war die Kontrolle der Futtervorräte – jetzt sollten die Völker aber genügend Nektar eintragen können. Wenn aber witterungsbedingt die Zahl der Flugtage gering sind und kein Nektar eingetragen werden kann, sind die Futtervorräte sehr schnell aufgezehrt. Falls notwendig, wird dann mit Zuckerfutterteig gefüttert bis in wenigen Wochen die Kirschblüten den ersehnten ersten Honig zaubern. Das Team am Lenbachhaus kann beruhigt sein: Die Bienenvölker am Lenbachhaus sind vital und freuen sich auf den herannahenden Frühling.

 

Hummelköniginnen auf Nistplatzsuche

Im März sind auch die ersten Hummelköniginnen auf Nistplatzsuche gegangen. Hummelvölker sind einjährig und die begatteten Jungköniginnen suchen jetzt nach der Überwinterung nach Nahrung und Nistplätzen. Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) ist häufig eine der ersten Arten, bei denen die Königinnen unterwegs sind. Sie nistet im Boden und benutzt gern verlassene Mäusenester.

 

Lebensräume für (Wild)Bienen schaffen

Aber auch weitere, solitär lebende Wildbienen haben bereits das Winterquartier verlassen und suchen nach Nahrung. Wer Wildbienen im Garten, auf Balkon oder Terrasse fördern möchte, kann bei der Auswahl von Pflanzen aber auch bei der Gartengestaltung Lebensräume schaffen. Bienen benötigen Nektar und Pollen und daher gilt es Pflanzen auszuwählen, die diesen anbieten – und zwar vom Frühjahr bis zum späten Herbst. Eine große Auswahl solcher Pflanzen findet sich auf den Internetseiten der Bieneninstitute und Naturschutzverbände (https://www.lwg.bayern.de/) Durch die geschickte Kombination von Zwiebelpflanzen, einjährigen Pflanzen, Stauden und Sträuchern lässt sich ein Garten in ein Bienenparadies verwandeln. Neben der Auswahl der Pflanzen sind aber auch die Pflege bzw. Nicht-Pflege entscheidend. 

 

Hier eine kleine Auswahl an Früh-Blühern für Ihren Garten:

  • Weidenarten: Ob Salweide, Lavendelweide, Öhrchenweide, Aschweide oder Purpurweide – sie haben alle eines gemeinsam: Sie bieten den Insekten eine große Auswahl an Nahrung. So suchen eine ganze Reihe die Raupen von Schmetterlingen die Blätter der Weidenarten auf um sie zu verspeisen. Wildbienen, Hummel oder Honigbienen lieben vielmehr den süßen Nektar und die dankbare Pollenspende. Ansprüche an den Boden haben die Weidenarten nicht hohe.
  • Krokusse und Winterlinge: es gibt im Frühling nichts Schöneres als ein Blütenmeer an Krokussen im Garten oder in den Parkanlagen zu bewundern. Krokusse sind wahre Insektenmagneten die im Herbst als Zwiebel ca. 7-10 cm in die Erde gesteckt werden.
  • Holunder, Himbeeren und Brombeeren zu pflanzen gelingt immer und die Beeren zaubern allen Naschkatzen ein Lächeln auf den Lippen.
  • Brennnessel: Für viele Schmetterlingsarten besonders wichtig ist die Brennnessel. Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs fressen ausschließlich an Brennnesseln und könnten ohne diese gar nicht überleben.

 

Gemüse und Kräuter blühen lassen

Wer Gemüse oder Kräuter im Garten zur Blüte kommen lässt, schafft leicht zusätzliche Nektar- und Pollenspender. Pfefferminze, Salbei, Thymian aber auch Basilikum werden von vielen Insekten beflogen. Blühende Zwiebelgewächse wie Lauch oder Schnittlauch, die ggf. nicht abgeerntet werden können ebenfalls Pollen für spezialisierte Wildbienen, wie die Lauch-Maskenbiene liefern. Wer Rasenflächen gestaltet bzw. verändern möchte, sollte überlegen einen Kräuterrasen anzulegen. Hier gibt es bewährte Mischungen für unterschiedliche Standorte. Auch ein Standardrasen lässt sich mit etwas Geduld in einen Kräuterrasen umwandeln, wenn weniger gegossen und gemäht wird.

 

Nistmöglichkeiten bieten

Wer Wildbienen Nistmöglichkeiten bieten möchte, kann Nisthilfen aufstellen. Ideal sind Hartholzblöcke, in deren Längsholz Löcher in unterschiedlicher Tiefe und mit unterschiedlichem Durchmesser (2 bis 9 mm) gebohrt werden. Bündel von Halmen mit unterschiedlichem
Durchmesser können waagerecht und wettergeschützt Nistplätze bieten. Allerdings brüten fast zwei Drittel der Wildbienen im Boden. Diese Arten benötigen offene Böden – das können auch wenig begangene Wege im Garten sein oder kleine Flächen oder Erdhaufen die bewusst frei gehalten werden.
Tipps dazu gibt es unter anderem vom NABU

 

Habitat anlegen

Insekten sind in Gärten in fast allen Lebensräumen zu finden: Eine Mauerritze oder der Raum unter einem Blumentopf. Wir können dieses Habitat entscheidend durch folgende Maßnahmen verbessern: 

  • Totholz: ein alter Baum, aufgestapeltes Brennholz oder ein einfacher Haufen verschiedene Hölzer – Totholz bietet Insekten unzählige Möglichkeiten für den Unterschlupf. 
  • Teich: Wasser ist eine besondere Welt mit eigener Insekten-Fauna wie z.B. Libellen oder Steinfliegen die hier eine Rast machen um zu trinken 
  • Komposthaufen: Der Komposthaufen lebt! Viele Mikroorganismen zersetzen Gartenabfälle und schaffen die Grundlage für eine gute Humuserde. 
  • Wilde Ecken: In dem Garten sollte Platz für eine Wilde Ecke sein wo die Natur sich selbst überlassen wird. Hier können Brenn-Nessel wachsen, es gibt hohes Gras und wildwachsende Stauden. Hier finden Reptilien oder Amphibien ihren Rückzugsort 
  • Ohrwurm-Häuschen: Die nachtaktiven Ohrwürmer verstecken sich bei Tageslicht in dunklen, engen Zwischenräumen und in trockenem Laub. Sie essen insbesondere Blattläuse und gelten somit als Nützlinge. Ohrwurm-Häuschen gefüllt mit Stroh, Heu oder Holzwolle eigenen sich hervorragend um die Ohrwürmer in die Nähe von Blattlauskolonien zu verbringen.

Viel Freude beim Einsatz für unsere Wild- und Honigbienen.