Mouse on Mars

Spatial Jitter Sommer 2021

Mouse on Mars gilt als eines der eigenwilligsten und bemerkenswertesten Projekte für elektronische Musik in Deutschland. Mit ihrer anarchischen Klangmischung, die zwischen unkontrolliertem Chaos und präzise arrangierten Strukturen oszilliert, haben Jan Werner und Andi Toma eine unverwechselbare Musiksprache geschaffen, die sich jedoch nicht auf eine definitive Form festlegen lässt – zu unvorhersehbar sind die unzähligen Modifikationen, die sie kontinuierlich vornehmen. Frei von Denkschulen, Genre-Konventionen und den Zwängen des Musik-Establishments zeichnen ihre sehr spezifische Flugbahn durch ein Niemandsland zwischen Pop, Kunst, Club und Musik-Avantgarde.

Mouse on Mars bespielen den Kunstbau über acht Wochen mit einer Sound-Installation. Sie entwickeln dafür eine ortsspezifische Komposition, die mit dem Raum arbeitet und auf ihn reagiert. Der Kunstbau selbst wird in ein riesiges Raumklanginstrument verwandelt und zum Resonanzkörper.

Ein Sound wird von einem rotierbaren Hornlautsprecher wie eine Flipperkugel in den 100 Meter langen Kunstbau geschossen, bricht sich an dessen Säulen, verkantet sich, erzeugt Splitter, wird wieder aufgefangen und verglüht. Nach und nach werden immer neue Klänge auf diese Weise durch den Raum geschickt und moduliert. Von Robotern gesteuerte Perkussionsapparate konterkarieren das Geschehen mit analog-akustischen Akzenten. Eine Spatialsoundanlage unterstützt die Konstruktion mit elektronischen Bearbeitungen der Klänge.

30 Sequenzen von 3 bis 15 Minuten Länge werden permanent neu angeordnet, so dass keine wiederkehrende Abfolge entsteht. Das Publikum erlebt eine räumlich inszenierte und dynamische Komposition. Der Raum und die Klänge, die aus ihm heraus generiert wurden, treffen und reagieren aufeinander und treten in einen akustischen Dialog. Eine eigene Lichtregie wird mit der Musik koordiniert, unterstützt die akustischen Bewegungen und ersetzt sie teilweise.

Beim Publikum soll die Installation ein ungewohntes Hören auslösen sowie die Erfahrung, dass beim Hören allein die Grenzen der Aufmerksamkeit die Grenzen des akustisch Möglichen bestimmen. Mouse on Mars möchten durch gezielte Perspektivwechsel die Erkenntnis herausarbeiten, dass es nicht die eine gültige Komposition gibt, sondern dass alle Hörer eigene "Spatial-Kompostruktionen" produzieren.

Mouse on Mars entwickeln ihre Praxis seit 25 Jahren kontinuierlich durch neue Fragestellungen weiter. Diese "Spatial-Kompostruktion" ist Teil ihrer aktuellen akustischen Forschung. Sie untersuchen sowohl die Bewegung von Klängen in Raum und Zeit, als auch Fragen psychoakustischer Wahrnehmung und Erfahrung von Klängen: Wie definiert man Hören? Wie verarbeiten wir akustische Information? Wie reagieren unsere Körper auf die physikalischen Bewegungen von Klang im Raum? Wie aufmerksam können wir den Prozess des Hörens selbst verfolgen? Und in welchen weiteren Beziehungen stehen wir zu unserer akustischen Umgebung?

Das Rahmenprogramm findet in Zusammenarbeit mit BR / Hörspiel, Dokumentation, Medienkunst statt.

Kuratiert von Eva Huttenlauch

Medienpartner

Mouse on Mars. Spatial Jitter. Foto: Lenbachhaus, Simone Gänsheimer
Mouse on Mars. Spatial Jitter. Foto: Lenbachhaus, Simone Gänsheimer
Mouse on Mars. Spatial Jitter. Foto: Lenbachhaus, Simone Gänsheimer