Bienenwachs – das Wunder aus dem Bienenstock
Von Jürgen Brandl.
Ein Winterabend mit einer duftenden Bienenwachskerze auf dem Tisch und einem Glas Rotwein... Jetzt wo es draußen früh dunkel wird und die kalte Witterung uns zittern lässt, ist der optimale Zeitpunkt, zur Ruhe zu kommen und sich auf die stade Zeit einzustellen. Bienenwachskerzen spenden ein warmes Licht und erfüllen den Raum mit einem Duft nach Honig und Frühling. Das Lichtspektrum der Bienenwachskerzen ähnelt dem Sonnenlicht. Dies ist dem hohen Schmelzpunkt des Bienenwachses zu verdanken. Da Bienenwachs einen höheren Schmelzpunkt als andere Wachse hat, weisen sie das hellste und wärmste Licht auf. Genau das Richtige für diese Jahreszeit und die damit verbundene Vorfreude auf die kommenden Wochen.
Ruhe haben die Bienen jetzt auch. Für die Bienen geht ein arbeitsreiches Jahr zu Ende. Die Bienen haben sich jetzt in der Wintertraube gesammelt und kuscheln sich ganz fest zusammen. Honig haben sie genügend gesammelt, um gut durch den Winter zu kommen.
Im Sommer haben die Bienen auch das äußerst wertvolle Bienenwachs hergestellt. Doch für was benötigen die Bienen das Wachs, aus welchen Stoffen besteht es und was kann es uns Gutes tun? Diese Fragen möchte ich Ihnen gerne beantworten:
Wie entsteht Wachs?
Im Sommer leben in einem Bienenstock rund 50.000 Bienen. Davon stellen nicht alle Arbeiterinnen das wertvolle Bienenwachs her. Bienen, die Wachs herstellen, werden als sogenannte Baubienen bezeichnet. Im Kern bestimmt das Lebensalter die Fähigkeit eine Baubiene zu werden. Erst dann, wenn sie etwa 9-12 Tage alt sind, aktivieren sich ihre Wachsdrüsen und die Bienen wechseln ihren Aufgabenbereich hin zum Bau neuer Waben. Auf der Bauchseite befinden sich die Wachsdrüsen einer Biene. Aus diesen Wachsdrüsen geben die Bienen das flüssige Wachs ab, das sich in den Taschen sammelt und dort zu winzigen Plättchen erstarrt. Jedes Wachsplättchen wiegt etwa 0,8 Milligramm.
Wachs kann aber nur durch die Bienen erzeugt werden, wenn in der Umwelt genügend Nahrung und Pollen vorhanden sind. Gerade in trockenen Sommern, in denen Nektar sehr knapp wird, stellen Bienen auch mal die Bautätigkeit ein und schalten auf eine Art Not-Modus um.
Wachs ist das bauliche "Rückgrat" des Bienenvolks, das Gerüst, das ein Schwarm in der neuen Behausung errichtet. Außerdem ist es der Baustoff für die Vorratskammern, in denen Pollen und Honig aufbewahrt werden und für die Kinderstube der Bienen.
Was ist Bienenwachs?
Das Wort Wachs stammt direkt aus dem Bienenstock. Denn es kommt vom althochdeutschen Begriff "wahs", der "Bienenwabe" meint.
Wachs besteht hauptsächlich aus Estern von Fettsäuren. Bienenwachs im Speziellen enthält 70 bis 80 Prozent Fettsäurester und etwa 18 bis 23 Prozent freie Säuren. Den größten Anteil machen dabei Myricylpalmitat, Cerotinsäure und Melissinsäure aus. Doch diese Beschreibung charakterisiert den fantastischen Naturstoff nur grob, denn insgesamt sind im Bienenwachs bereits über 300 verschiedene Bestandteile und Aromen nachgewiesen worden.
Im Durchschnitt produziert ein einziges Bienenvolk in der Saison zwischen 500 und 1000 Gramm Wachs. Eine mittelgroße Bienenwachs-Kerze wiegt zwischen 200 – 300 Gramm. Beim Abbrennen einer Bienenwachs-Kerze sollten wir also immer bedenken, dass hierfür die Bienen enorme Leistungen erbringen mussten. Für ein Kilogramm Bienenwachs verzehren die Baubienen darüber hinaus etwa 7,5 kg Honig. Reines Bienenwachs ist eigentlich transparent-weiß. Bienenwaben sind jedoch gelb bis hin zu dunkelbraun. Das rührt daher, dass Bienenwaben unter anderem als Lagerort für Pollen und Honig dienen. Sie werden auch mit Propolis ausgekleidet. Besonders der Pollen hat naturgemäß je nach Tracht intensive Farben, die sich im Wachs niedersetzen.
Wie wird Bienenwachs geerntet?
Um Bienenwachs zu ernten, werden geleerte Honigwaben eingeschmolzen. Dafür stehen Imkern verschiedene Verfahren zur Verfügung. Eine klimaschonende Variante ist zum Beispiel der Sonnenwachsschmelzer, in dem das Wachs durch Sonnenlicht verflüssigt wird.
Naturgemäß ist diese Methode wetterabhängig und dauert länger als andere. Die moderne Imkerei setzt hingegen auf Dampfwachsschmelzer, die Waben mit Wasserdampf verflüssigen. Nach der Gewinnung des Rohwachses muss das Wachs noch 5-6 mal im Wasserbad erhitzt und gereinigt werden so dass alle Schwebestoffe entfernt werden können.
Historisches
Elektrisches Licht gab es im Mittelalter nicht. Insofern brachte das Bienenwachs dem Imker (damals "Zeidler") mehr Ansehen als der Honig. Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser profitierten vom wertvollen Bienenwachs, das die Räume auch nach Sonnenuntergang beleuchtete. Damit fleißig Wachs geliefert wurde, bekam die Zeidler-Zunft sowohl von kirchlicher als auch von königlicher Seite gewisse Hoheitsrechte. So durfte der Imker etwa eine Waffe mit sich führen und es gab sogar eine eigene Gerichtsbarkeit, das sogenannte “Zeidelgericht“.
Mit der Entdeckung Amerikas schwand die Bedeutung der Zeidler-Zunft stetig. Der Grund: Zuckerrohr eroberte langsam und schleichend die Welt. Zwar galt Zucker im 17. Jahrhundert noch als Luxusgut, das sich ausschließlich die Oberschicht leisten konnte, doch der Stellenwert von Honig als Süßungsmittel sank. Der gleiche Effekt trat beim Bienenwachs ein: Im Zuge der Reformation wurden Klöster aufgelöst und infolgedessen wurden nicht mehr so viele Kerzen benötigt. Anstelle des Honigweins Met trat ein neues Brauerzeugnis: das Bier.
Schließlich reduzierte sich die Nachfrage nach Bienenwachskerzen stark, nachdem 1818 das Stearin und 1830 das Paraffin entdeckt wurden. Die beiden Substanzen lösten das Bienenwachs bei der Kerzenherstellung fast vollständig ab. Der Grund hierfür sind deutlich günstigere Preise in der Beschaffung.
Rezeptideen mit Bienenwachs: Heilkräftige Salben mit Bienenwchs selber machen
Unter einer Salbe versteht man eine wasserfreie Mischung von Öl und Wachs. Sie benötigen hierzu die folgenden Zutaten: 2 Gramm Bienenwachs, 50 Gramm hochwertiges Pflanzenöl, Kräuter und Pflanzenteile wie Ringelblume.
Das Rezept ist denkbar einfach: Ein Teil Bienenwachs und sechs Teile Öl. Mit Bienenwachs lässt sich in der heimischen Küche so manches herstellen: Ringelblumensalbe für Schürf- und Schnittwunden, Beinwellsalbe bei Zerrungen und Knochenbrüchen oder Veilchensalbe zur täglichen Hautpflege.
Dazu erwärmen Sie ausgezupfte Ringelblumenblüten, den oberirdischen Teil von Märzveilchen oder zerkleinerte Beinwellwurzel mit hautpflegendem Argan-, Kokos- oder Olivenöl und lassen alles über Nacht extrahieren. Das mit Sieb oder Leintuch gefilterte Öl verrühren Sie im Verhältnis 6:1 mit geschmolzenem Bienenwachs, bis die Masse beginnt fest zu werden. In kleine Tiegel abgefüllt sind diese Hausmittel im Kühlschrank wochenlang haltbar. Tipp: Ein wenig Honig darin pflegt die Haut noch besser – z. B. als Lippenbalsam.
Unser Tipp für eine plastikfreie Frischhalte-Variante: Wachstücher selber herstellen
Verzichten Sie auf unnötiges Plastik im täglichen Gebrauch. Selbst hergestellte Wachstücher halten Lebensmittel frisch - und das ganz ohne Plastik. Sie haben eine lange Lebensdauer und können immer wieder verwendet werden.
Sie können Wachstücher überall dort verwenden, wo in der Regel Plastikfolie zum Einsatz kommt: Für das Pausenbrot ebenso wie für Obst.
- Sie können alle Lebensmittel in die Tücher einschlagen oder sie z.B. als Deckel für Töpfe und Teller verwenden.
- Wischen Sie gebrauchte Wachstücher mit kaltem Wasser, und wenn nötig etwas Geschirrspülmittel, ab. Geben Sie die Tücher keinesfalls in die Waschmaschine!
- Wachstücher eignen sich auch zum Einfrieren. Beispielsweise für Gebäck oder Teigreste.
Sie brauchen 3 Stück Baumwollstoff in der Größe 22x30 cm, ein etwa faustgroßes Stück Bienenwachs, einen alten Topf, einen Pinsel, Backpapier und ein Bügeleisen. Sie können die Größe der Tücher selbstverständlich auch gerne selbst wählen.
Erster Schritt: Sie können das Bienenwachs am besten in einem ausrangierten Topf, den Sie nicht mehr zum Kochen brauchen, schmelzen. Die Wachsreste lassen sich nur schwer entfernen.
Zweiter Schritt: Sie können die Stofftücher auf Backpapier legen und diese gründlich mit dem heißem Wachs einstreichen. Der Stoff sollte das Wachs durch und durch aufsaugen. Trocknen lassen.
Dritter Schritt: Sie legen ein Wachstuch zwischen zwei Blätter Backpapier und bügeln es bei mittlerer Hitze, bis sich das Wachs gleichmäßig im Stoff verteilt hat. Sie sollten keine Wachsklumpen mehr im Tuch sehen. Für jedes Tuch einzeln wiederholen und erneut trocknen lassen.
Die fertigen Wachstücher sind steif, lassen sich aber durch die Wärme der Hände gut falten und an jede Form anpassen.