Das Museum

 

 

THOMAS DEMAND

 

Auf den neuen Zugang zum Lenbachhaus wird der Besucher bereits von Ferne hingewiesen durch Thomas Demands Schriftskulptur LENBACHHAUS (2012). Weit mehr als ein reines Namenszeichen, setzt sich die farblich klar von der Fassade abgehobene Skulptur aus einzelnen Lettern zusammen. Diese sind dreidimensional geformt und canadian cialis online entwickeln sich aus der Grundfläche einer Antiquaschrift mit Serifen. Nach vorne hin verjüngt sich diese zu einer Groteskschrift. Die Antiqua ist der bei Museumsgründung 1929 verwendeten Typografie entliehen, während die Groteske dem heutigen Schriftgebrauch des Hauses entspricht. Beide Schriftebenen dieser Metallskulptur verbinden keilförmige Stege, aus denen sich plastische Wirkung und damit ein verstärktes Zusammenspiel von Licht und Schatten ergibt. In den schmalen Linien der schnörkellosen Metalllettern leuchtet die Skulptur und markiert damit auch nachts den neuen Zugang zum Haus.

Der bei München geborene, heute in Berlin lebende Thomas Demand (*1964) arbeitet vorwiegend plastisch. Häufig baut er Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis, meist Fotos von historischen Ereignissen oder Orten, aus farbigen Papieren lebensgroß nach. Diese so wiedergewonnenen Stätten nimmt er fotografisch auf und reproduziert sie. Die Fotografien zeigen nun ein gewandeltes Bild. Seine Arbeit Embassy (2007), eine Tatort-Dokumentation des Vorfalls in der Botschaft des Niger in Rom im Jahr 2001, welcher der Regierung Bush schließlich als eine Legitimation für den Irakkrieg dienen sollte, hat er zur Eröffnung des neuen Lenbachhauses in einem eigenen Raum installiert.



OLAFUR ELIASSON

 

Ein spiralförmiger Wirbel aus poliertem Metall und farbigem Glas reicht im Atrium von der Decke bis dicht über die Köpfe der Besucher herab. Die Skulptur aus Stahl und Glas hat bei einer Höhe von acht Metern einen maximalen Durchmesser von acht Metern. Rund 450 Glasscheiben wurden hier präzise eingesetzt. "Wirbelwerk" betitelt Olafur Eliasson (*1967) seine Arbeit, die 2012 entstanden ist und deren Grundidee in ihrer Dynamik liegt: Ein Wirbel reicht in seiner Kreisbewegung in die Tiefe, saugt aber aus der Tiefe alles wieder nach oben an die Oberfläche. Die Corioliskraft, jene Bewegungsenergie, die aus der Zentrifugalkraft rotierender Körper eine Spiralform beschreibt, ist als physikalische Erkenntnis zur Zeit der Aufklärung um 1800 bekannt geworden. Sie hat große Bedeutung für das Verstehen von Wirbelstürmen bis zu den Strömungen der Ozeane, aber auch der Ordnung der Galaxien. Bei der Skulptur Wirbelwerk werden steil ansteigende, sich verbreiternde Bahnen aus dreieckigen, transparenten Farbgläsern gehalten von konisch sich verjüngenden, polierten Metallrohren, die die Kreiselbewegung betonen. Von innen beleuchtet, strahlt die Skulptur und projiziert ihre Schatten und Farblichter auf die umliegenden Wände. Mit der Farbigkeit spielt Eliasson auf die Bildwelt der Gemälde an, zu der seine Arbeit emporführen möchte, von der sie aber zugleich herabreicht.

Der dänische, in Berlin lebende Künstler Olafur Eliasson befasst sich in seinem Werk insbesondere mit Naturphänomenen und ihrer Wahrnehmung. Seine raumfüllende Installation Sonne statt Regen, die er 2003 für den Kunstbau des Lenbachhauses entwickelt hat, nimmt das Licht- und Farbspektrum des atmosphärischen Sonnenlichtes zum Ausgangspunkt und macht dessen unterschiedliche emotionale Qualitäten buchstäblich spürbar.



DAN FLAVIN

 

Zur Eröffnung des Kunstbaus 1994 entwickelte der amerikanische Künstler Dan Flavin (1933 – 1996) die Neonarbeit Untitled (For Ksenija), eine seiner letzten großen Lichtinstallationen. Mit seiner extrem reduzierten und zugleich wirkungsvollen Setzung greift Flavin die spezifischen architektonischen Gegebenheiten des Kunstbaus auf und betont die charakteristische Krümmung des langgestreckten, rund 110 Meter langen Raumes. Die in vorhandenen Lichtschienen installierten, farbigen Leuchstoffröhren assoziieren die unter dem Kunstbau verlaufenden U-Bahn-Gleise. Der Raum gewinnt eine ungeahnte Dynamik. Darüber hinaus erzeugt das farbige Neonlicht intensive Farbreflexionen auf den Wänden, dem Boden, den Stützen und allen anderen Einbauten. Durch die Gewöhnung des Auges gehen Licht und Raum allmählich eine untrennbare Verbindung ein. Heiner und Philippa Friedrich schenkten dem Lenbachhaus zum Gedenken an ihre Eltern diese Arbeit. Als eines der herausragendsten Werke der Sammlung des Lenbachhauses wird es seither in regelmäßigen Abständen gezeigt.

Dan Flavin schuf 1994 zudem auf dem Museumsplatz eine Verbindungslinie aus Leuchtstelen zwischen Kunstbau und Lenbachhaus: Die zehn Stelen mit jeweils vier gelben Neonröhren beleuchten klar erkennbar den Weg von einem Museumsgebäude zum anderen und zurück – noch deutlicher, seit durch die Generalsanierung der Haupteingang des Lenbachhauses zum Königsplatz hin verlegt worden ist.



DIETMAR TANTERL UND NEUE LICHTKONZEPTE

Licht gehört zu den zentralen Themen eines Museums. Eine ganze Reihe von Werken in der Sammlung des Lenbachhauses setzt sich mit Licht als künstlerischem Medium auseinander. Dazu gehören Installationen von Dan Flavin, Olafur Eliasson, Michel Majerus, Lucio Fontana, Angela Bulloch, Cerith Wyn Evans, Keith Sonnier und James Turrell.

Für das nördliche Treppenhaus schuf der Münchner Lichtkünstler Dietmar Tanterl (*1956) eine neue Lichtinstallation. Die Arbeit ROTWEINROT (2008/12) besteht aus 18 schmalen, hochkantigen Leuchten aus mattiertem Acrylglas. Sie sind an drei Seiten des Treppenhauses angebracht und scheinen vor der Wand zu schweben. Auf der Stiege nimmt der Betrachter unterschiedliche Blickpunkte gegenüber den Leuchtelementen ein. Das Auf und Ab im Treppenhaus wird so beruhigt, der Treppenraum erscheint geweitet. In gleichmäßigen zeitlichen Intervallen leuchten diese steilen Körper abwechselnd Weiß und dreigeteilt Rot-Weiß-Rot, wobei das Rot sanft getönt und die Grenze zum mittleren Weiß fließend bleibt. Die Qualität wechselt vom kühlen Licht zu einem warmen Gesamtton. Verdeutlicht wird dieser anhaltende Wechsel dadurch, dass Tanterl sechs Lampen konstant Weiß leuchten lässt. Im Werktitel wird der Bezug zu den heraldischen Farben Österreichs leicht ironisiert. Der Umgang mit der nationalen Identität – Tanterl ist Österreicher, der allerdings seit den 1970er Jahren in München lebt – hat eine spielerische Größe. Das nationale Symbol ist nur zu ahnen.

Auch bei der Planung der neuen Ausstellungsräume wurde der Qualität des Lichts viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Entscheidung, die innovative LED-Technologie einzusetzen, führte zur Entwicklung spezieller LED-Leuchten für den Ausstellungsbereich, bei der das Lenbachhaus von Dietmar Tanterl beraten wurde, der auch die Realisation durch OSRAM, das Ingenieurbüro Bamberger und Partner und das Baureferat begleitete.

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