VORLESUNGSREIHE
Modern Times

Lenbachhaus 14. Mai 2019, 19:00 UHR


Modern Times
Neue Perspektiven auf die Kunst der Moderne und den Kanon Kunstgeschichte

Dienstags, 19 Uhr
Georg-Knorr-Saal, Lenbachhaus
Eintritt frei

Uhrtürme markierten um 1900 den Anbruch einer neuen Zeit im Osmanischen Reich. Die Zeit der Klassischen Moderne allerdings scheint stillzustehen. Denn der Kanon der Kunstgeschichte hat sich als Historie der Avantgarden mit einem festen Repertoire an meist männlichen Künstlern verhärtet. Die Vortragsreihe stellt neue Perspektiven auf die Kunst der Moderne vor und hinterfragt kritisch die Festlegungen im Zuge jahrzehntelanger Kanonisierungen. "Modern Times" beabsichtigt eine zeitgenössische Aktualisierung und Neulektüre der Kunst der Moderne und des Kanons Kunstgeschichte.

14. Mai 2019
Susanne Leeb (Leuphana Universität, Lüneburg, Professorin für zeitgenössische Kunst): "Afrika" und Politiken der Zeit in den 1920/30er Jahren

Die Vorstellung von einem präkolonialen "Afrika" spielte als Topos in den 1910er und 1920er Jahren eine wichtige Rolle. Bei aller Unterschiedlichkeit in ihren konkreten Vorstellungen, bezogen sich so unterschiedliche Autoren wie die Kunsthistoriker Wilhelm Hausenstein und Carl Einstein, der Anthropologe Leo Frobenius oder die Mitbegründer des Konzepts der Négritude, Léopold Senghor, Aimé Césaire oder Claude McKay, auf ein solches "Afrika". Der Vortrag vergleicht die unterschiedlichen Zeitverständnisse dieser Autoren, und zeigt, welche Politiken der Zeit eine Öffnung hin auf eine Zukunft ermöglichten - und welche nicht.

21. Mai 2019
Anselm Franke (Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Leiter der Abteilung Bildende Kunst und Film): Kanon-Fragen. Ein Arbeitsbericht aus dem Haus der Kulturen der Welt

Kanon-Fragen ist ein mehrjähriges Projekt der Abteilung Bildende Kunst am Haus der Kulturen der Welt, in dessen Rahmen zwischen 2016 und 2019 u.a. die von Anselm Franke initiierten und ko-kuratierten Ausstellungen Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart ca. 1930 sowie Parapolitik. Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg stattfanden. Anhand der Arbeit an beiden Ausstellungsprojekten diskutiert Anselm Franke in seiner Präsentation neue methodologische Ansätze kuratorischer und museologischer Arbeit und die Dynamisierung von Geschichtsbildern.

28. Mai 2019
Gregor Langfeld (Universität von Amsterdam, Assistant Professor für moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte): Die Kanonisierung der Moderne: Kunsthistorische Konzepte und Herangehensweisen

Obwohl der Kanon in letzter Zeit immer häufiger im Mittelpunkt der kunsthistorischen Forschung stand, scheint es weder Deutlichkeit noch Einvernehmen darüber zu geben, wie solche Forschungstätigkeiten durchgeführt werden sollen. Kunsthistoriker beziehen im Hinblick auf dieses Thema unterschiedliche Positionen. Dieser Vortrag will die wichtigsten Positionen erläutern, die in der Literatur über den Kanon und die Bildung des Kanons vorherrschen, sowie theoretische und methodologische Ausgangspunkte beleuchten, die den Rahmen für eine solche Forschung liefern. Darüber hinaus soll erörtert werden, wie eine Sozialgeschichte der Kunst einen Ansatz bietet, der die Differenzen zwischen diesen Positionen möglicherweise überbrücken kann.

4. Juni 2019
Änne Söll (Ruhr-Universität, Bochum, Professorin für Kunst der Moderne): Der Mann als Patient: Männlichkeit, Schnitt und Blick in Christian Schads "Operation" (1929)

Der Erste Weltkrieg, die darauf folgenden gesellschaftlichen Umwälzungen und die Emanzipationsbestrebungen der Frauen in den 1920er und 1930er Jahren zeitigen eine "Krise der Männlichkeit". Wie begegnen die Maler der Neuen Sachlichkeit dieser "Krise"? Anhand von Christian Schads "Die Operation" von 1929 möchte ich zeigen, mit welchen künstlerischen Mitteln der "Neue Mann" ins Bild gesetzt wird und welche Widersprüche und Ambivalenzen dadurch entstehen. Was kann Geschlechter- bzw. Männlichkeitsforschung für die Re-evaulierung der klassischen Moderne leisten?

 

Dieses Projekt wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 der Europäischen Union gefördert (Finanzhilfevereinbarung Nr. 724649).

Kooperation der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München mit dem ERC Consolidator Grant "Relocating Modernism: Global Metropolises, Modern Art and Exile" (Institut für Kunstgeschichte/LMU München), metromod.net