Unbenannte Improvisation von Wassily Kandinsky

Details

Datierung
1914
Objektart
Gemälde
Material
Öl auf Leinwand
Maße
124,5 cm x 73,5 cm
Ausgestellt
Nein
Inventarnummer
GMS 69
Zugang
Schenkung 1957
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957
Zitiervorschlag / Permalink
Wassily Kandinsky, Unbenannte Improvisation, 1914, Öl auf Leinwand, 124,5 cm x 73,5 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/unbenannte-improvisation-30012564
Tags
  • Der Blaue Reiter

Werktext

Um die Jahre 1913-14 malte Wassily Kandinsky eine Reihe von Bildern, wie etwa "Träumerische Improvisation" oder "Schwarze Striche", in denen kalligrafisch feine, meist schwarze, aber auch farbige Linien vor verwischten Farbgründen unbestimmter Tiefe ein rätselhaftes Eigenleben entfalten. In "Unbenannte Improvisation" kommen durchsichtige Zwitterwesen hinzu, die mit seltener Deutlichkeit die außerordentlich lebendige Organik der abstrakten Formen Kandinskys belegen. Wie aus schwarzer, zentrifugaler Tiefe emporgetaucht, schwebt im Zentrum des Bildes eine durchsichtige Schlingenform. Die hellen kleinen Wellen über ihr oder die geschwungene dunkelblaue Kante rechts mögen ferne Assoziationen an den Rand eines Sees bewahren, mit der wie im Sturm zerzausten Uferzone vorn im Bild.

Die revolutionäre Optik jedoch ist hier ganz auf jene "Eindrücke innerer Natur" umgepolt, die Kandinsky mit seinen 'Improvisationen' angestrebt hatte. Mit milchiger, gläserner Transparenz ziehen sich die Farben überall vom Bildrand zurück – eine Entwicklung, die sich in Kandinskys Bildern während der Kriegsjahre 1915-16 fortschreitend beobachten lässt. Das Zusammenziehen des Bildgeschehens in einem Zentrum, um das nun oft ein heller Rand liegt, führt letztlich wieder zu einer Verfestigung der einzelnen Teile des Bildes. Das aufgewühlte Farbenchaos von Kandinskys 'klassischer' abstrakter Phase vor dem Ersten Weltkrieg erfährt damit eine Beruhigung. In den zwanziger Jahren wird Kandinsky seine gegenstandsfreie Malerei mit einem grundsätzlich geänderten Vokabular fortsetzen.

Werktext aus: Friedel, Helmut; Hoberg, Annegret: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München. Prestel Verlag, 2007.

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