Heinrich Campendonk, Wald, Mädchen, Ziege, 1917

Wald, Mädchen, Ziege von Heinrich Campendonk

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Datierung
1917
Objektart
Gemälde
Material
Öl auf Leinwand
Maße
94 cm x 64 cm
Signatur / Beschriftung
u. Mitte: C./17
Ausgestellt
Inventarnummer
G 15388
Zugang
Schenkung 1976
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
Heinrich Campendonk, Wald, Mädchen, Ziege, 1917, Öl auf Leinwand, 94 cm x 64 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/wald-maedchen-ziege-30016344

Werktext

Nach den ersten Jahren als 'Jüngster des Blauen Reiter', in denen Campendonk zunächst stark unter dem Bann von Kandinskys halbabstrakten Formen und Farben, später zunehmend unter dem Einfluss von Franz Marc stand, kristallisiert sich ab 1913 eine persönliche Handschrift Campendonks heraus, die diese Einflüsse bis in die frühen Zwanzigerjahre auf spezifische Weise weiterentwickelt. Auch in dem 1917 entstandenen Bild "Wald, Mädchen, Ziege" deutet Campendonk auf für ihn typische Weise die bildnerischen Visionen Franz Marcs von einer ursprünglichen Einheit von Mensch und Tier, die 'Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies', ins Märchenhaft-Geheimnisvolle um.

In einer dunkel glühenden Waldeinsamkeit von vorherrschend braunen und blaugrünen Tönen sitzen das bäuerlich gekleidete Mädchen und die hinter ihr lagernde Ziege, beide bildparallel ins Profil gewandt, in Ruhe nebeneinander. Die Hirtin wirkt mit ihrem schlichten rundlichen Volumen wie eine primitiv geschnitzte Holzfigur, was den Eindruck des Einfachen und der Bewegungslosigkeit noch unterstreicht. Der Kopf des Tiers wird von einer der vegetabilen Vertikalen überschnitten, die auch in Bildern Franz Marcs häufig pflanzliche Formen, wie Bäume oder umgebendes Buschwerk, in einem komplizierten Gewebe mit der Darstellung der in ihr ruhenden Tiere verknüpft.

Bei Campendonk herrscht jedoch nicht die zwingende Logik der transparenten Strukturen Franz Marcs vor, sondern ein eher additives Nebeneinander vielfältiger Gegenstandsformen, in das häufig auch menschliche Figuren einbezogen sind und dabei in ein eigentümliches Schweben gebracht werden. "Wald, Mädchen, Ziege" entstand bereits in Seeshaupt, wohin Campendonk nach dem Kriegstod von Franz Marc im Frühjahr 1916 von Sindelsdorf aus übergesiedelt war.