Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, 1896

Selbstbildnis mit Skelett von Lovis Corinth

Datierung
1896
Objektart
Gemälde
Material
Leinwand
Maße
68 cm x 88 cm
Signatur / Beschriftung
o. r.: Lovis Corinth 38 J. a. 1896
Ausgestellt
Nein
Personen / Institutionen
Inventarnummer
G 2075
Zugang
Ankauf 1929
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, 1896, Leinwand, 68 cm x 88 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/selbstbildnis-mit-skelett-30000218
  • Selbstbildnis
  • Skelett
  • Krawatte
  • Fenster
  • Kunst vor 1945
  • 19. Jahrhundert
  • Mann
  • Bart
  • Gemälde

Werktext

Corinth malte, zeichnete und radierte regelmäßig Selbstporträts, fast 50 insgesamt. Das Besondere an diesem Beispiel ist die Verbindung von persönlicher Selbstbespiegelung mit gesellschaftlicher Positionierung und aktuellem Zeitgeschehen.
Für sein Künstler-Selbstporträt zeigt sich Corinth nicht beim Malen. Stattdessen hat er sich mit seinem Atelierutensil, einem aufgehängten Skelett, vor dem Atelierfenster aufgebaut, das den Blick auf die unspektakuläre Kulisse Nordschwabings freigibt. Mit diesem Ausschnitt seines Arbeitsumfeldes unterstreicht Corinth die Authentizität seiner etwas verdrießlich wirkenden künstlerischen Selbstbefragung.
Unter dieser augenscheinlich konkreten Oberfläche liegt eine weitere persönliche Bedeutungsebene: Corinth trägt eine auffallend stillose Kombination von kariertem Hemd und gemusterter Krawatte. Die verschlungenen Ringe auf der Krawatte (ein Symbol der Treue) verweisen ebenso wie das Skelett (als Symbol der Vergänglichkeit) auf Corinths im selben Jahr vollzogene Aufnahme in die Freimauererloge „In Treue fest“ (in Raum 32 hängt sein Gruppenporträt der Loge).
Schließlich und nicht zuletzt war im Jahre 1896 eine Gegenüberstellung von Skelett und strotzender Künstlerpersönlichkeit überaus aktuell. Wilhelm Conrad Röntgen hatte 1895 an der Universität Würzburg die von ihm sogenannten X-Strahlen entdeckt. Die ersten Röntgenphotographien waren gerade an die Öffentlichkeit gelangt. Eine Sensation mit Enttäuschungen – der Blick ins Innere des Menschen offenbarte nichts über seine "inneren Werte", sondern lediglich sein Knochengerüst.

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