Franz Marc, Rotes und blaues Pferd, 1912

Rotes und blaues Pferd von Franz Marc

Datierung
1912
Objektart
Zeichnung / Arbeit auf Papier
Material
Tempera, Aquarell, Bleistift auf Papier, auf Karton aufgezogen
Maße
35,7 cm x 45,7 cm
Signatur / Beschriftung
u. l. mit Tempera: Fz. Marc
Ausgestellt
Nein
Inventarnummer
GMS 706
Zugang
Schenkung 1957
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
Franz Marc, Rotes und blaues Pferd, 1912, Tempera, Aquarell, Bleistift auf Papier, auf Karton aufgezogen, 35,7 cm x 45,7 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/rotes-und-blaues-pferd-30012344
  • Der Blaue Reiter
  • Expressionismus
  • Pferd
  • Landschaft

Werktext

Im Laufe des Jahres 1912 arbeitete Marc in seinen Tierbildern zunehmend mit kantig aufgesplitterten, kristallinen Formen, die die Kreaturen ihrer natürlichen Umgebung entrücken und in eine höhere Daseinsebene einordnen. Ein rotes und ein blaues Pferd scheinen sich in einer erstarrten Weltenlandschaft zu befinden, in der sich vorn und in den Zwischenräumen klaffende Lücken wie Abgründe ins Unendliche auftun. Die gesenkten Köpfe der Pferde und die Konfrontation zwischen ihrem 'materiellen' Rot und 'geistigen' Blau vermitteln den Eindruck von Ergebung und Konflikt, aber auch Kontemplation und Entrückung. Klaus Lankheit wies mehrfach darauf hin, dass die zum Typus geronnenen Tierdarstellungen Marcs keine Stilisierung bedeuten, sondern den Versuch, das Wesen der Gattung, hier des Pferdes, zu erfassen und die objektiven Gesetzmäßigkeiten der organischen Form herauszuarbeiten. Die moderne Form ergibt sich dabei aus dem Anliegen Marcs, die Kunst zu 'animalisieren'.

Bereits in seiner ersten Veröffentlichung, in einem Beitrag für das von Reinhold Piper herausgegebene Buch "Das Tier in der Kunst" von 1910, hatte Marc die weitgespannten Ziele seiner Tierdarstellungen erklärt: "Meine Ziele liegen nicht in der Linie besonderer Tiermalerei. Ich suche einen guten, reinen und lichten Stil, in dem wenigstens ein Teil dessen, was wir modernen Maler zu sagen haben werden, restlos aufgehen kann. Ich suche mein Empfinden für den organischen 'Rhythmus' aller Dinge zu steigern, suche mich pantheistisch einzufühlen in das Zittern und Rinnen des Blutes in der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft – suche das zum Bilde zu machen, mit neuen Bewegungen und mit Farben, die unseres alten Staffeleibildes spotten … Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur 'Animalisierung' der Kunst, wie ich es nennen möchte, als das Tierbild. Darum greife ich danach. Bei einem van Gogh oder einem Signac ist alles animalisch geworden, die Luft, selbst der Kahn, der auf dem Wasser ruht, und vor allem die Malerei selbst. Diese Bilder haben gar keine Ähnlichkeit mehr mit dem, was man früher 'Bilder' nannte."