August Macke, Indianer auf Pferden, 1911

Indianer auf Pferden von August Macke

Datierung
1911
Objektart
Gemälde
Material
Öl auf Holz
Maße
44 cm x 60 cm
Signatur / Beschriftung
unbezeichnet
Ausgestellt
Ja
Inventarnummer
G 13327
Zugang
Ankauf 1965
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
August Macke, Indianer auf Pferden, 1911, Öl auf Holz, 44 cm x 60 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/indianer-auf-pferden-30021115
  • Der Blaue Reiter
  • Expressionismus
  • Reiter_in
  • Hügel
  • Landschaft
  • Baum

Werktext

"Indianer auf Pferden" von 1911 zeugt deutlich von der Berührung August Mackes mit dem Ideengut des 'Blauen Reiter' und von seinem vorübergehenden Bemühen, dessen spiritualisierte Ausdrucksformen für sich fruchtbar zu machen. Bereits die Wahl des Motivs bedeutet ein Abweichen von Mackes grundsätzlichem künstlerischen Credo, die ihm greifbare, sichtbare Welt in die sinnliche Form eines Bildes zu übersetzen. Auf der kleinen Holztafel reiten zwei zierliche Indianer, geschmückt mit Federbüschen, durch eine dunkel glühende, farbige Fantasielandschaft. Das Gefüge der in ihren Ausdehnungen nicht definierten und darum wenig fassbaren Bergregion aus transparenten, formelhaften Flächen und die Schrägen der Bäume verraten den unmittelbaren Einfluss der Bilder Franz Marcs.

"Indianer auf Pferden" ist möglicherweise im Sommer 1911 entstanden, als Marc auf der Rückreise von seiner Hochzeit in London einige Tage bei Mackes Station machte und beide Künstler nebeneinander im Atelier malten, so wie es sich Marc in seinen Briefen zuvor erträumt hatte. Macke war mit dem Freund seit seiner Rückkehr aus Tegernsee in einem lebhaften, auch kunsttheoretisch sehr aufschlussreichen Briefwechsel geblieben. Schon 1910 hatte Marc versucht, ihn für die Ideen der 'Neuen Künstlervereinigung München' zu begeistern, der er selbst nach der Begegnung mit Wassily Kandinsky beigetreten war. Mackes unmittelbares, wenig reflektiertes Formempfinden jedoch begegnete der Münchner Gruppe zunächst mit Vorbehalten. "Die Vereinigung ist sehr ernst und mir als Kunst das liebste von all denen. Aber, aber – es schüttelt mich nicht. Es interessiert mich stark … Kandinsky, Jawlensky, Bechtejeff und Erbslöh haben riesiges künstlerisches Empfinden. Aber die Ausdrucksmittel sind zu groß für das, was sie sagen wollen … Sie ringen, glaube ich, zu sehr nach Form." So schreibt Macke im September 1910 nach Besichtigung einer ihrer Ausstellungen an Marc. Im folgenden Jahr, zeitweise auch von der Kunst Kandinskys stark fasziniert, gerät er dann näher in den Bannkreis des 'Blauen Reiter'. Die allgemeine Beschäftigung mit der Kunst der Primitiven rückte auch für ihn in den Vordergrund. Sein Beitrag "Masken" für den Almanach kreist in poetischer Form um die innere Verwandtschaft von primitiver Ausdruckskunst und vielfältigen emotionalen Eindrücken.

Die Suche nach von der Zivilisation unberührten Kulturen mag auch die Themenwahl Mackes für dieses und zwei weitere Indianer-Bilder bestimmt haben. Doch nicht nur Abenteuerlust und naive Erzählung spielen in seinen Bildern eine Rolle, sondern für Macke blieb der Zauber der Form stets der Zugang zum Wesen eines Dinges. "Unfassbare Ideen äußern sich in fassbaren Formen. Fassbar durch unsere Sinne als Stern, Donner, Blume, als Form", schrieb er im Almanach, und weiter: "Unsere Sinne sind uns die Brücke vom Unfassbaren zum Fassbaren." Das Sichtbare blieb für Macke der Filter seiner Kunst. Von der Gedankenlast des 'Blauen Reiter', auf dessen erster Ausstellung er sich zudem nicht richtig vertreten fand, wandte er sich bald zunehmend ab. Das Jahr 1912 brachte ihm durch die Begegnung mit Kubismus und Futurismus andere formale Anregungen.