Franz Marc, Altarschaf aus Lana, Postkarte aus Sindelsdorf an Gabriele Münter in München, 11. April 1913

Altarschaf aus Lana, Postkarte aus Sindelsdorf an Gabriele Münter in München von Franz Marc

Datierung
11. April 1913
Objektart
Postkarte
Material
Aquarell, Gouache, Tusche
Maße
9 cm x 14 cm
Signatur / Beschriftung
mit Tusche: 11 IV 13|Liebe Freunde, dies ist ein Altarschaf aus Lanna [sic].|Mir geht's schon viel besser. – Ich hebe mir keine Kritiken auf. –|Ihre Sammlung genügt für das Archiv. Auf die große Tragik|bin ich neugierig! Es schneit wie im januar. Herzl. für Sie u. K. Ihr Fz. M.; rückseitig Poststempel: Sindelsdorf 12. April 1913; mit Tusche: Frl.|Gabr. Münter|Kunstmalerin|in München|Ainmillerstr. 36/Gth.|p. scriptum hab ich mich|entschlossen, mit Maria|nächsten Dienstag/Mittwoch|nach München zu fahren.|Hoffentlich passt es Ihnen,|wenn wir uns für Dienstag|Abd. ca. 8 1/2 oder 9 h, nach|dem Abd.essen anmelden.|Wir sind bis zu dieser Stunde|mit den Eltern zusammen,|die auf eine Nacht durch|München kommen.|Auf Wiedersehen Fz. M.
Ausgestellt
Nein
Inventarnummer
GMS 741
Zugang
Schenkung 1957
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957
Zitiervorschlag / Permalink
Franz Marc, Altarschaf aus Lana, Postkarte aus Sindelsdorf an Gabriele Münter in München, 11. April 1913, Aquarell, Gouache, Tusche, 9 cm x 14 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957
https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/altarschaf-aus-lana-postkarte-aus-sindelsdorf-an-gabriele-muenter-in-muenchen-30012320

Werktext

Zu diesem Postkartenmotiv wurde Franz Marc ebenfalls auf seiner Reise nach Südtirol im April 1913 inspiriert, in diesem Fall von der mittelalterlichen Kirchenkunst des kleinen Ortes Lana, in dem sich auch Kandinsky und Münter Jahre zuvor, im Frühjahr 1908, einmal aufgehalten hatten. Marc selbst weist im ersten Satz seiner an Gabriele Münter adressierten Postkarte mit Nachdruck und in der Sprache eines vertraulichen Künstlergrußes darauf hin: "Liebe Freunde, dies ist ein Altarschaf aus Lanna [sic]."

Über dem am unteren Bildrand geschriebenen Text lagert lang gestreckt und in sich versunken ein rubinrotes Schaf auf einer leicht gewölbten Landschaftszone von tief leuchtendem Blau, die in Aufbau und Färbung eine Deutung als 'Weltlandschaft' nahe legt. Die sakrale Atmosphäre wird noch gesteigert durch die breiten gelben Strahlen, die das Tier wie eine Art Mandorla vor einem Halbrund von schwarzer Tusche hinterfangen. Dabei lässt Marcs "Altarschaf aus Lana" weniger an das traditionelle christliche Symbol des "Lamm Gottes" denken, sondern wird in seinem poetischen Zauber selbst zu einer Ikone unschuldigen, kreatürlichen Daseins erhoben.

Klaus Lankheit zitiert zu den Postkarten Marcs einen Text Georg Schmidts von 1954 und weist auf den bemerkenswerten Umstand hin, "dass ausgerechnet das verpönte Jahrhundert der Technik und aller rationalen Lebensbewältigung eine künstlerische Sprache hervorgebracht hat, die ihrem eigentlichen Wesen nach in so besonderem Maße poetisch ist." Das Poetische in der Kunst Franz Marcs, oder auch Paul Klees und Marc Chagalls, "liege gar nicht in noch so poetisch erdachten Gegenständen, sondern, viel ursprünglicher und viel dauerhafter noch, in den formalen und farbigen Mitteln, das heißt in der besonderen Struktur der künstlerischen Sprache, in der Franz Marc von diesen poetischen Gegenständen spricht."