Natur als Kunst

Landschaft im 19. Jahrhundert in Malerei und Fotografie aus den Sammlungen der Christoph Heilmann Stiftung und des Münchner Stadtmuseums 19. März 2019 – 18. August 2019

Nach einer zweijährigen Tournee durch Deutschland kehrt die Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung im März mit einer Ausstellung ins Lenbachhaus zurück. In einem ungewöhnlichen Münchner „Gipfeltreffen“ werden in der Ausstellung "Natur als Kunst" die Gemälde der Heilmann-Sammlung mit Fotografien aus dem Münchner Stadtmuseum in einen konstruktiven Dialog treten. Zwei der innovativsten Bildmedien des 19. Jahrhunderts – die freimalerische Ölskizze und die präzise Naturfotografie – revolutionierten jedes auf seine Weise das Landschaftsbild.

Im 19. Jahrhundert wurden für die Darstellung der Natur neue Motive, neue Techniken und neue Arbeitsbedingungen wirksam. Die Landschaftsmaler und bald darauf auch ihre Kollegen, die Fotografen, tauschten das Atelier gegen das Reisen und den inneren Imaginationsraum gegen das Erlebnis der freien Natur. Wie sahen, malten und fotografierten sie die Natur? Landschaftsmaler wie Fotografen verließen die etablierten Reiserouten, schlugen abseitige Wege ein. Sie setzten sich eingehend mit dem Wetter in seinen unterschiedlichen Erscheinungsweisen auseinander und studierten aufmerksam besondere geologische Phänomene. Nicht mehr nur im Süden, auch in der heimischen, wilden und rauen Natur des Nordens fanden sie ihre Motive. Sie wandten sich dabei gänzlich Unspektakulärem zu und erkannten in Verwitterungsstrukturen und in Licht- und Schattenspielen eine andere Art von Schönheit.

Mit der wissenschaftlichen Erforschung der Natur ging das Aufblühen einer künstlerischen Gattung einher, die den radikalen Bruch mit der Tradition des klassischen Landschaftsbildes vollzog und den Aufbruch von Malerei und Fotografie in die Moderne einleitete. Zumeist waren es an den Kunstakademien ausgebildete Maler wie Giacomo Caneva oder August Kotzsch, die nun ihre Kamera im Unterholz, auf der Wiese oder vor fließenden Gewässern aufbauten, um flüchtige Natureindrücke wirklichkeitsgetreu zu erfassen. Im breiten Umfang fanden diese fotografischen Naturstudien seit 1855 Eingang in die Künstlerateliers. Umfassende Sammlungen fotografischer Baum-, Wolken- und Tierstudien dienten den Malern – ähnlich wie ihre eigenen naturnahen Ölskizzen – als Gedächtnisstütze oder als Korrektiv ihrer künstlerischen Wahrnehmung.

Gegenüber den vorangegangenen Präsentationen im Museum Schloss Moyland bei Kleve und im Erfurter Angermuseum wird die abschließende Münchner Station im Bereich der Landschaftsgemälde durch Neuerwerbungen der Christoph Heilmann Stiftung substanziell ergänzt. Landschaften und Ölskizzen von Carl Rottmann, Johann Wilhelm Schirmer, Johan Christian Dahl, Théodore Rousseau, Gustave Courbet, Camille Corot, Gustaf Wilhelm Palm und anderen bieten spektakuläre, neue Natur(ein)sichten. Fotografische Inkunabeln von Georg Maria Eckert, Gustav Völkerling, Gustave Le Gray und Constant Alexandre Famin geben zugleich weitreichende Einblicke in die Frühzeit der Landschaftsfotografie.

Die Ausstellung wird kuratiert von Christoph Heilmann, dem Sammler und Gründer der gleichnamigen Stiftung, und von Ulrich Pohlmann, Leiter der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums.

Stimmen

"Eine beeindruckende Ausstellung mit vielen Optionen für Entdeckungen. Erst im Museum, dann im Grünen." (Karin Fehr, Donaukurier)

"Wie sah, malte und fotografierte man die Naturlandschaft im 19.Jahrhundert? Kurz gesagt: Indem man sie erlebte." (Barbara Teichelmann, inmünchen)

"Heilmanns Sammlung kann, was kaum einem deutschen Museum gelingt, einen repräsentativen Überblick über die neuartige Landschaftsmalerei der im Wald-Dorf Barbizon arbeitenden Künstler bieten." (Gottfried Knapp, Süddeutsche Zeitung)

"Landschaften und Ölskizzen von Carl Rottmann, Johann Wilhelm Schirmer, Johan Christian Dahl, Théodore Rousseau, Gustave Courbet, Camille Corot, Gustaf Wilhelm Palm und anderen bieten spektakuläre, neue Natur(ein)sichten." (Schwabinger Seiten)

Werke