Vortrag

Vortrag von Johannes Stüttgen: vor dem Aufbruch aus Lager I

Joseph Beuys

When:
Thu, September 30, 2021, 4pm– 5.30pm

Free admission

Meeting point:
Georg-Knorr-Saal

What else:

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Vergabe nach first come, first served

Wir behalten uns vor, die Veranstaltung auf Grundlage der behördlichen Empfehlungen zu verschieben oder abzusagen.

When:
Thu, September 30, 2021, 4pm– 5.30pm

Free admission

Meeting point:
Georg-Knorr-Saal

What else:

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Vergabe nach first come, first served

Wir behalten uns vor, die Veranstaltung auf Grundlage der behördlichen Empfehlungen zu verschieben oder abzusagen.

1970 gründete Beuys zusammen mit Johannes Stüttgen die "Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung". In der Andreasstr. 25, mitten in der Düsseldorfer Altstadt, richtete man in den Räumen eines ehemaligen Friseursalons ein Informationsbüro ein. Durch das große erleuchtete Schaufenster war es ein Ort der Transparenz. Man blickte auf Tische, Stapel von Flugblättern, auf Klappstühle vor einer großen Schultafel: Ein Zusammenhang mit Kunst ließ sich nicht erkennen, alles erschien rätselhaft. Da half auch nicht der beleuchtete Reklamekasten über dem Eingang mit der Inschrift: "ORGANISATION für DIREKTE DEMOKRATIE durch VOLKSABSTIMMUNG, FREIE VOLKS- INITIATIVE eV. INFORMATIONSSTELLE."

1972 zog das Büro samt Mobiliar in die documenta 5 nach Kassel um: Beuys saß dort 100 Tage lang zehn Stunden täglich mit nur kurzen Unterbrechungen, für alle Besucher*innen ansprechbar, an einem Tisch, oft alleine – nur eine Rose war immer dabei. Geduldig signierte er, was ihm vorgeschoben wurde und antwortete auf alle, selbst noch so kritische Fragen. Im Kontext der Ausstellung konnten die meisten Besucher*innen, aber auch manche Journalist*innen und Kunstkritiker*innen, das Erlebnis dieser "Sozialen Skulptur" nicht mit ihrer Vorstellung von Kunst in Einklang bringen

Nach der documenta ging das Exponat bzw. die Einrichtung wieder komplett zurück in das Düsseldorfer Ladenbüro: Der documenta-"Kunstbeitrag" lebte ortsversetzt weiter. Nachdem Beuys 1979/80 als Spitzenkandidat der GRÜNEN für den Bundestag und Stüttgen als Landtagskandidat der GRÜNEN aufgestellt worden waren, wurde das Düsseldorfer Büro geschlossen, der "vor dem Aufbruch aus Lager I" vollzogen. Beuys nutzte Teile des Inventars wie Kästen, Bodenplatten, die Tafel und Büromaterial, um daraus eine raumgreifende neue Installation zu schaffen, die neben dem Kabinett "zeige deine Wunde" zu den Kernstücken der Beuys-Kollektion des Lenbachhauses zählt.

Bis auf ein Tischchen mit einem leer gegessen Teller, einer kleinen Fettecke, einer Sturmlaterne und einer Schultafel mit erklärenden Kreidezeichnungen war alles mit brauner Fußbodenbeize überstrichen: einem bewährten Schutzanstrich mit konservierender Wirkung. Die Begriffe bleiben lesbar, alles ehemals Nützliche blieb unter der Farbschicht verdeckt zurück. Wenn Johannes Stüttgen über diese Arbeit spricht, ist das mehr als eine Beschreibung aus der Perspektive des Augen- und Zeitzeugen: Mit jedem Detail verbinden sich sein eigenes Wirken und Leben.

Eine Kooperation mit dem Meta Theater