August Macke, Drei Mädchen in einer Barke, 1912

Drei Mädchen in einer Barke by August Macke

Date
1912
Classification
Hinterglasbild
Medium
Hinterglasmalerei
Dimensions
37 cm x 56 cm
Signature and inscriptions
auf dem Deckkarton: August Macke, Die Barke, 1912 Hinterglas
On display
No
Inventory number
G 12983
Acquisition
Ankauf 1962
Credit line
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Citation / Permalink
August Macke, Drei Mädchen in einer Barke, 1912, Hinterglasmalerei, 37 cm x 56 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/en/discover/collection-online/detail/drei-maedchen-in-einer-barke-30010699

Werktext

Dieses Hinterglasbild entführt den Betrachter auf andere Weise als "Zirkus" in eine Welt voller fremdartigen Zaubers. In einer geschwungenen, in elegantem Bogen aufsteigenden Barke gleiten drei nackte Mädchen vor einem schwebenden farbigen Grund zwischen üppigen Pflanzen und schillernden Wellen dahin. Am unteren Ende des Gefährts mit dem gebogenen Schweif steht ein orientalisch gekleideter Ruderer mit Lendenschurz und Turban, den nackten Rücken dem Betrachter zugewandt.

Stilistisch ist diese fernöstlich anmutende Vision von miniaturhafter Raffinesse, die im sonstigen Schaffen Mackes scheinbar isoliert dasteht, durch den Einfluss der 'Ausstellung von Meisterwerken Muhammedanischer Kunst' zu erklären, die Macke im Mai 1910 in München gesehen hatte und die unter den Künstlern viel Aufsehen erregte. Selbst Henri Matisse kam in Begleitung von Hans Purrmann eigens in die bayerische Hauptstadt, um die seltene Gelegenheit einer Begegnung mit Originalen islamischer Kunst wahrzunehmen. In Zeichnungen und Skizzenbüchern setzte sich Macke mit diesen neuen Anregungen auseinander, aber auch in manche seiner Gemälde dringen die eleganten Linien und das orientalische Gepräge des Motivs mit ein.

Thematisch aber stehen die "Drei Mädchen in einer Barke" mit den paradiesisch nackten, langhaarigen Mädchen, deren gelöstes Zusammensein von hellem Glanz übergossen ist, in Mackes Œuvre nicht alleine da. Das Thema dreier weiblicher Akte hat Macke von "Drei Akte auf blauem Grund" von 1910 (Städtische Galerie im Lenbachhaus) bis zu den späten "Badenden Mädchen mit Stadt im Hintergrund" von 1913 (Staatsgalerie moderner Kunst, München) immer wieder aufgegriffen. Klassisches Körperideal und intimes, harmonisches Beisammensein verschmelzen für Macke mit einer Vorstellung vom irdischen Paradies, das den Künstler seit seinen Anfängen immer wieder beschäftigt hat. Dieses Ideal unbeschwerten Seins bestimmt latent auch zahlreiche seiner vordergründig der unmittelbaren Umgebung entnommenen Bilder wie "Zoologischer Garten I" und "Promenade".

Werktext aus: Friedel, Helmut; Hoberg, Annegret: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München. Prestel Verlag, 2007.