Date
1910
Classification
Gemälde
Medium
Öl auf Leinwand
Dimensions
95,5 cm x 105 cm
Signature and inscriptions
u. l.: Kandinsky 1910
On display
Inventory number
GMS 58
Acquisition
Schenkung 1957
Credit line
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Citation / Permalink
Wassily Kandinsky, Die Kuh, 1910, Öl auf Leinwand, 95,5 cm x 105 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://www.lenbachhaus.de/en/discover/collection-online/detail/die-kuh-30018706
  • The Blue Rider
  • expressionism
  • cow
  • house
  • hill
  • woman

Werktext

Im Bild der "Kuh" wendet Kandinsky ähnlich aufgelöste Strukturen wie in "Murnau mit Kirche I" aus demselben Jahr an, die hier allerdings als Mittel einer absichtsvollen Verschleierung und Verfremdung des Gegenstands eingesetzt werden. Im Vordergrund steht nach rechts gewandt eine mächtige weiß-gelbe Kuh, die von einer jungen Bäuerin gemolken wird. Das Tier verschmilzt mit seiner Umgebung fast bis zur Unkenntlichkeit, da Weiß und Gelb auch in seiner Nähe die dominierenden Farben sind.

Besonders auffallend ist der weiße Berg hinter ihm, der die Rückenlinie der Kuh erhöhen und nachzuzeichnen scheint. Umgeben von einem blauen Streifen, deutet seine charakteristische angespitzte Kegelform erneut auf die archetypische Grundgestalt des Berges, die bis 1913 in zahlreichen Varianten in Kandinskys Bildern auftaucht. Seine Spitze ist von einer weißen Mauer bekrönt, die vage an die Murnauer Stadtmauer erinnern mag, dahinter allerdings wird eine Vielzahl offensichtlich griechisch-orthodoxer Kuppeltürme sichtbar. Wieder taucht eine mit spezifisch russischer Empfindung gefärbte Vision in die oberbayerische Landschaft versetzt auf, deren Kirchen und Kapellen in Kandinsky, wie er rückblickend schrieb, einen ähnlich starken Klang erzeugten wie die sakralen Bauten seiner Heimat.

Wie die Formen der Kuh sind auch diese Mauern und Türme flächenhaft in die Farbenvielfalt ihrer Umgebung einbezogen. Kandinsky geht es in diesem Bild offensichtlich mehr um Analogiebildung von Strukturen und um die Entgrenzung des Stofflichen als um das Verbergen einer tieferen Bedeutung.