Sammlungsarchiv
und Inventarisierung
im Lenbachhaus

von Lisa Kern.

"Erst Inventarisierung und Dokumentation machen das Werk zum musealen Objekt…"

…so die Aussage von Dorothee Haffner, Professorin für Museumskunde, über die grundlegenden Arbeiten einer jeden Sammlung: Das Inventarisieren und Dokumentieren. Erst durch die so genannte „Objekterschließung“ kann man mit einer Sammlung überhaupt arbeiten und die einzelnen Kunstwerke für die Zukunft bewahren.
Es gehört deshalb zu den Kernaufgaben des Museums, diese Informationen zu erfassen und zu verwalten – je höher die Qualität und Ausführlichkeit dieser Daten ist, desto besser lässt sich eine Sammlung erschließen, ordnen, pflegen und natürlich erforschen. In einer Kunstsammlung, wie sie das Lenbachhaus verwahrt, werden für alle Werke die grundlegenden Informationen zu Künstler, Titel, Datierung, Material, Maße, Provenienz und auch Angaben zur Erwerbung erfasst. Jedes Kunstwerk besitzt darüber hinaus eine Inventarnummer, die es einem der Bestände zuordnet und eindeutig identifizierbar macht – auch wenn eine Erwerbung mehrere Jahrzehnte zurück liegt.

In der Sammlung des Lenbachhauses werden derzeit über 30.000 Kunstwerke bewahrt. Dazu kommen rund 20.000 Objekte aus dem Kunstbesitz der Stadt München, die von der Städtischen Galerie betreut und verwaltet werden.
Neben den Basisdaten werden zudem viele weitere inhaltliche Informationen über diese Kunstwerke gesammelt. Dazu gehören Verweise auf Werkverzeichnisse oder Fachliteratur, Provenienzrecherchen, Ausstellungshistorie, Vergleiche mit anderen Kunstwerken, Korrespondenzen mit Künstlern oder Vorbesitzern… diese Liste ist weiter fortzuführen. Am Lenbachhaus gehört diese Arbeit zu den zentralen Aufgaben der Abteilung Sammlungsarchiv und Provenienzforschung.
Das Verzeichnen von Kunstwerken hat eine lange Tradition und ist keineswegs eine Errungenschaft der modernen Zeiten. Eines der frühesten Inventarverzeichnisse entstand 1587 in Dresden mit dem "Inventarium der kurfürstlichen Kunstkammer", in dem die einzelnen Objekte noch raumweise erfasst wurden.
Für die Inventarisierung und Dokumentation werden neben Inventarbüchern bis heute auch Karteikarten, Bildakten und andere Ordnungssysteme genutzt. Eine wichtige Rolle spielen auch so genannte Museumsmanagementsysteme oder elektronische Datenbanken, die Objektinformationen in einzelnen Datensätzen bündeln, zentral zugänglich machen und gezielte Suchabfragen ermöglichen. Das mühsame manuelle Durchstöbern von Karteikästen und Inventarbüchern ist dadurch (meistens) nicht mehr notwendig. Trotzdem bleiben die historischen Unterlagen des Museumsarchivs auch in Zukunft eine wichtige und unverzichtbare Quelle für die Erforschung der Sammlung.

Lisa Kern ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Kunstsammlung, Archiv und Provenienzforschung im Lenbachhaus.

Veröffentlicht am 9. Januar 2013