Weltempfänger

6. November 2018 - 10. März 2019 IM Kunstbau

Georgiana Houghton

 

Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz

Mit Filmen von John Whitney, James Whitney und Harry Smith

Die Ausstellung Weltempfänger gibt Einblick in ein außergewöhnliches und weitgehend unbekanntes Kapitel der Moderne: Völlig unabhängig voneinander entwickelten Georgiana Houghton (1814–1884) in England, Hilma af Klint (1862–1944) in Schweden und Emma Kunz (1892–1963) in der Schweiz eine jeweils eigene abstrakte, mit Bedeutung hoch aufgeladene Bildsprache. Alle drei wollten in ihren Arbeiten Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches sichtbar machen; mit Ausdauer und Durchsetzungsvermögen folgten sie ihren Überzeugungen.

Ihren Werken werden kaum bekannte Filme von Harry Smith (1923–1991) und den Brüdern John Whitney (1917–1995) und James Whitney (1921–1982) an die Seite gestellt. Die Künstler produzierten im Kalifornien der Nachkriegsjahre experimentelle Filme, in denen sie nach einer Einheit verschiedener Sinneswahrnehmungen strebten. Unter Einsatz innovativer Herstellungsverfahren und neuer Medien wie Film und Computergrafik schufen sie abstrakte, esoterische Bildwelten. Zum ersten Mal präsentieren wir diese äußerst selten gezeigten Werke gemeinsam in einer Ausstellung.

Georgiana Houghton, Hilma af Klint und Emma Kunz erforschten unsichtbare Kräfte und das Transzendente; ihre in der Ausstellung gezeigten Werke basieren auf spirituellen Erfahrungen und der Kommunikation mit einer höheren Welt. Die drei Künstlerinnen verstanden sich als Medien, als Empfängerinnen von Botschaften, die vielleicht nur sie hören konnten und die sie in Form von Kunstwerken festhielten. Bei dieser Art mediumistischen Kunstschaffens tritt das Künstlersubjekt von seinem Ego zurück, gibt dieses quasi an der Ateliertür ab, und agiert als Mittler zwischen einer verborgenen und der sichtbaren Welt.

Als „Weltempfänger” konnten die Künstlerinnen die Schöpfung der Bilder einer externen Quelle zuschreiben. Dies gab ihnen die Freiheit, in ihrem Schaffen soziale, kulturelle und ästhetische Grenzen zu überwinden sowie die notwendige Energie, dies auch tatsächlich zu tun. Damit geht eine Entgrenzung des Werkbegriffs einher, der sich auch in den Arbeiten der drei Filmemacher zeigt: Harry Smith bezeichnete seine Filme als abstrakte Partituren, zu denen Jazz-Musiker live improvisieren sollten; James Whitney begriff seine Filme als Werkzeuge zur Meditation, die Einsichten in kosmische Prinzipien liefern können; und die technischen Apparaturen, die John Whitney entwickelte, waren engstens mit dem Aufkommen moderner Computertechnologie verknüpft.

Die Zusammenhänge zwischen der Entstehung der abstrakten Kunst der Moderne im 20. Jahrhundert und okkulten wie esoterischen Ideen werden schon lange erforscht. Viele Künstler suchten für spirituelle, metaphysische und utopische Themen neue Bildmittel und fanden sie in der Abstraktion. Im Zentrum dieses Forschungsinteresses steht Wassily Kandinsky, der zu den wichtigsten Künstlern im Bestand des Lenbachhauses gehört. Nicht nur seine frühesten abstrakten Bilder, sondern auch die in seiner Schrift Über das Geistige in der Kunst (1912) geäußerten Ideen bieten einen wichtigen Referenzrahmen für dieses Projekt. Es geht dabei nicht um die – letztlich unbeantwortbare – Frage, wer zuerst abstrakt malte, sondern um die vielfältigen Erscheinungsweisen der Abstraktion. Abstrakte Kunst gibt nicht die äußere, sichtbare Realität wieder, sie ist vielmehr Mitteilung von Inhalten, die jenseits unserer visuellen Wahrnehmung liegen. Ihre bildnerische Form ergibt sich – folgt man Kandinskys Auffassung – aus einer „inneren Notwendigkeit”.

Kuratiert von Karin Althaus und Sebastian Schneider

In Zusammenarbeit mit

Victorian Spiritualists' Union, Melbourne
The Hilma af Klint Foundation, Stockholm
Emma Kunz Zentrum, Würenlos

Publikation

Weltempfänger - Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz, Texte von Karin Althaus u.a., erschienen im Hirmer Verlag, 276 S., reich bebildert, 32 €
Der Katalog zur Ausstellung ist ab Ausstellungsbeginn im Museumsshop sowie online erhältlich.

WAS TUN!

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
So, 18. November, 2. und 16. Dezember 2018, 14 Uhr
Di, 20. November und 25. Dezember 2018, 18 Uhr

DURCH DIE AUSSTELLUNG MIT...
Wir alle haben bei einem Ausstellungsbesuch eigene Assoziationen, Fragen und Ideen – so auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In dieser Führungsreihe beleuchten sie die Ausstellung aus ihrer persönlichen Perspektive und mit eigenen Akzenten.

Fr, 30. November 2018, 16 Uhr
... Eva Huttenlauch, Sammlungsleiterin Kunst nach 1945, und Charlotte Coosemans, Kunstvermittlerin

Di, 11. Dezember 2018, 18 Uhr
... Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses

Dauer: ca. 1 Std.
Kosten: 3 Euro / Person zzgl. Eintritt

FAMILIENWORKSHOP
It's magic!
Sa, 24. November 2018, 14–16.30 Uhr
So, 2., 9. und 16. Dezember 2018, 10–12.30 Uhr

Für Kinder ab 7 Jahren und die ganze Familie
Dauer: ca. 2,5 Std., inklusive Pause
Kosten: 3 Euro / Person zzgl. Eintritt
Weitere Informationen finden Sie hier.

Tickets sind an der Museumskasse im Lenbachhaus, an allen Vorverkaufsstellen von München Ticket oder online erhältlich.

SCHULPROGRAMM
„Je suis Radio” (Ich bin [ein] Radio, J. N. Wintsch). Vom Senden und Empfangen abstrakter Kunst
Interaktiver Rundgang, angeboten als altersdifferenzierter Ablauf für die Jahrgangsstufen 2–4 sowie 5–13
Weitere Informationen finden Sie hier.

EMPFEHLUNG

KUNSTRAUM BOGENHAUSEN - Into the Sun

Parallel zur Ausstellung im Lenbachhaus präsentiert der Kunstraum Bogenhausen unter dem Titel "Hilma af Klint - Into the Sun. Eine Hommage von zeitgenössischen Künstlern an Hilma af Klint" noch nie ausgestellte Originale der Werkserie "Baum der Erkenntnis" und ein bislang verschollenes Notizbuch von Hilma af Klint. Zu sehen vom 10. November 2018 – 1. März 2019.

PRESSESTIMMEN

"Die Frage eines verbindlichen "Kanons" der Kunstgeschichte hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin aufgelöst (...). Insofern ist es souverän, dass die Kuratoren Karin Althaus und Sebastian Schneider darauf verzichtet haben, die Werke von Hilma af Klint, Georgiana Houghton und Emma Kunz mit den im Lenbachhaus hervorragend vertretenen Modernen wie Kandinsky zu konfrontieren." (Catrin Lorch, Süddeutsche Zeitung)

"Abstraktion gab's lange vor Kandinsky und Co. Im Lenbachhaus sind drei außergewöhnliche Künstlerinnen zu erleben, die sich als Medien verstanden haben und ihrer Zeit weit voraus waren. [...] mit dem Abstand von über hundert Jahren wirkt manches wie die hellsichtige Vorausschau real existierender Phänomene. Houghtons vielschichtige Wellen scheinen die Kakophonie des 21. Jahrhunderts vorwegzunehmen, af Klint vereint Mikro-und Makrokosmos." (Roberta De Righi, Abenzeitung)

"Das Lenbachhaus tut nun etwas sehr Naheliegendes: Es nimmt die Bilder von Houghton, af Klint und auch die der Schweizerin Emma Kunz einfach als Kunstwerke ernst. Schließlich war auch Wassili Kandinsky auf der Suche nach der Darstellbarkeit des 'Geistigen'". (Christian Gampert, Deutschlandfunk Kultur)

"Okkultismus und Avantgarde - das passt auf den ersten Blick gar nicht zusammen. Und doch gibt es einen gemeinsamen Nenner: Naturgesetze und Geistiges, Ungesehenes und Imaginiertes sollen auf Leinwand und Zeichenblättern sichtbar werden. Die Bilder aus den Zwischenwelten, die kosmische Weltordnungen mandalaartig und sinnlich schön ausdrücken, erscheinen so real wie die populären Naturstudien, die der Biologe Ernst Haeckel vor gut 100 jahren veröffentlicht hat. Er zeichnete Quallen und Strahlentiere, die Frauen suchten Erleuchtung. Aus Natur wurde Kultur. Geist und Materie wurden eins." (Gabi Czöppan, H.O.M.E)

 

Mit unterstützung DER

   

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