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PLAYTIME - Eine Kooperation mit Munich Re zum Thema Arbeit

Seit der Vertreibung aus dem Paradies haben sich die Künste mit dem Thema Arbeit auseinandergesetzt. Was bedeutet Arbeit heute? Welchen Stellenwert nimmt sie in unserer Gesellschaft ein und was haben Künstlerinnen und Künstler dazu zu sagen?

Arbeit ist mehr als das halbe Leben. Kaum etwas beschäftigt unsere Gesellschaften tiefgreifender als die Frage, wer arbeitet, warum, für wen und unter welchen Bedingungen. Diese Bedingungen haben sich im Zuge der fortdauernden Krisen des Kapitalismus und der damit einhergehenden Neoliberalisierung radikal verändert. Neben der Existenzsicherung verspricht Arbeit für viele Selbstverwirklichung und
Anerkennung. Nicht zuletzt deshalb hat in den letzten Jahrzehnten eine enorme Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben stattgefunden. Gleichzeitig erfahren wir heute in vielen Bereichen eine zunehmende Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und eine Entsolidarisierung mit den Menschen, deren tägliche Arbeit nicht mehr zur Existenzsicherung reicht. Wer keine Arbeit hat, scheint keine Zukunft zu haben. Mit einer Veranstaltungsreihe wollen wir das Thema Arbeit auf vielschichtige Weise diskutieren und im Frühjahr 2014 in einer Ausstellung künstlerische Positionen dazu vorstellen.

Di, 10. September 2013, 19 Uhr
Georg-Knorr-Saal im Lenbachhaus
Vom Kohlenstoff zur Kunst
Produktivität als Kunstform

Ein Vortrag von Armin Nassehi, Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

In der Physik ist Arbeit das Produkt aus Kraft und Wegstrecke. Das Produkt der Arbeit ist also etwas Verrücktes – ein mit Kraft um eine Wegstrecke verrückter Körper. Dazu braucht man Energie, die dem Bewegungszustand des Körpers ein Mehr hinzufügen muss – und dieses Mehr hat die westliche Industriegesellschaft der potentiellen Energie des Kohlenstoffs entnommen. Die Kunst dagegen stilisierte sich als die unproduktive Schwester der kohlenstoffbefeuerten Verrückungen und wird mit dem Wandel der Arbeit inzwischen zur eigentlichen Produktivkraft – nicht die Kunst selbst, aber ihr Potential, ihre Fähigkeit zur Rekombination von Vorhandenem, ihr Spiel mit Verdopplungen, ihre Unfähigkeit, sich zufriedenzugeben mit der bekannten Version der Realität. Sie verrückt anders, nicht als Produkt aus Kraft und Wegstrecke, sondern als Differenz von Wirklichem und Möglichem.

Armin Nassehi ist Professor für Soziologie an der LMU München, beschäftigt sich mit Fragen der Kultursoziologie, der politischen Soziologie und einer Theorie der Moderne. Er ist zugleich als Berater und Publizist tätig und seit 2012 Herausgeber des Kursbuchs.

 

Mo, 28. Oktober 2013, 19 Uhr
AudimaxX der HFF München
Leviathan
Ein Film von von Lucien Castaing-Taylor, Véréna Paravel (USA 2012, 83 Minuten) Einführung von Diedrich Diederichsen

Eine Kooperation mit der Hochschule für Fernsehen und Film München
Bernd-Eichinger-Platz 1
80333 München

Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel haben ein Jahr mit Hochseefischern an der Küste Neuenglands verbracht, um mit Hilfe dutzender, an Helmen, Masten, in Netzen oder an Deck angebrachten Kleinkameras die Arbeit auf hoher See zu porträtieren. Die anthropozentrische Perspektive wird aufgebrochen: Mensch, Natur und Maschinen prallen aufeinander und vollziehen ein universales Schauspiel, das auf Dialoge und Kommentare verzichtet. Die Bilder erzählen sich selbst. Nicht das traditionelle, emotional geprägte Verhältnis zwischen Mensch und Meer tritt in Erscheinung, sondern das Wechselspiel zwischen menschlicher und nicht-menschlicher Arbeit.

Diedrich Diederichsen war in den 80er Jahren Redakteur und Herausgeber von Musikzeitschriften, in den 90ern Hochschullehrer u.a. in Frankfurt, Stuttgart, Pasadena, Offenbach, Gießen, Weimar, Bremen, Wien, St. Louis, Köln, Los Angeles und Gainesville. 1998 - 2006 Professor für Ästhetische Theorie/Kulturwissenschaften an der Merz-Akademie, Stuttgart, seit 2006 Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der Bildenden Künste Wien. Veröffentlichungen zu Gegenwartskunst, Pop-Musik und zeitgenössischer Musik, Kino, Theater, Design und Politik.

 

Mo, 18. November 2013, 19 Uhr
Atrium im Lenbachhaus
Du hast mir die Pfanne versaut, du Spiegelei des Terrors
Ein Spieleabend von und mit René Pollesch und Christine Groß

„Das Schicksal des Kapitalismus ist die Ökonomie.“ Die Arbeit, die den Kapitalismus überlegen macht, braucht keine Gemeinschaft. Der Kapitalismus braucht auch keine Kommunikation. Sein einziges Korrektiv ist der Erfolg. Also setzt man sich um einen Tisch und beginnt zu spielen – ein Brettspiel, das in seiner Art an „Monopoly“ erinnert. Hier geht es nicht um die Steigerung der eigenen Kapitalkraft durch den Erwerb von Straßen, Häusern und Hotels auf Kosten der anderen, sondern allein darum, das im Spiel ausgewürfelte Begehren zum Orgasmus zu bringen. Spiel und Arbeit haben nur ein Ziel: Wer zuerst zum Orgasmus kommt, gewinnt.

René Pollesch studierte Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen. Er inszeniert seine Texte an der Berliner Volksbühne, den Münchner Kammerspielen, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, Burgtheater Wien, Staatsschauspiel Stuttgart, Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Frankfurt und am Schauspielhaus Zürich.
Christine Groß hat als Schauspielerin 1990 – 2001 mit Einar Schleef zusammengearbeitet, bei Robert Wilson und in vielen Inszenierungen von René Pollesch gespielt. Gemeinsam mit Ute Schall ist sie Autorin/Regisseurin aller Filme und Performances, die 2001-07 mit der Gruppe hangover ltd. entstanden sind.

 

Do, 28. November 2013, 19 Uhr
Georg-Knorr-Saal im Lenbachhaus
„The Elephant“ or „The Unconscious in Work Life“
Lecture in English by Sudhir Kakar, Psychoanalyst and Writer (Goa, India), Adjunct Professor of Leadership at INSEAD (The Business School for the World) in Fontainebleau

The importance of non-rational processes in organizations is being increasingly realized and is indeed at the core of the exciting new field of behavioral economics. This talk will identify some of the most important attributes of our unconscious mind, the role they play in work life, for instance when we work in teams or exercise leadership, and suggest ways in which our conscious minds can influence our negative unconscious tendencies.

Sudhir Kakar, M.A. in business economics Universität Mannheim, doctorate in economics Universität Wien, training in psychoanalysis at the Sigmund-Freud Institute in Frankfurt. In 1975 Kakar set up a practice as a psychoanalyst in Delhi, where he was also the Head of Department of Humanities and Social Sciences at the Indian Institute of Technology. He has been Senior Fellow at the Centre for Study of World Religions at Harvard, a visiting professor at the universities of Chicago, McGill, Melbourne, Hawaii and Vienna. Since 1994, he has been Adjunct Professor of Leadership at INSEAD, since February 2012, Homi Bhabha Senior Fellow, and since April 2013, Fellow at the Center for Advanced Study, Universität Köln. In February 2012, he was awarded the Bundesverdienstkreuz.

 

Fr, 13. Dezember 2013, 19 Uhr
Georg Knorr Saal im Lenbachhaus
Work Hard Play Hard
Ein Dokumentarfilm von Carmen Losmann
(D 2011, 90 Minuten)
Einführung und Diskussion mit Susanne Ehrenfried, Kuratorin Munich Re Art Collection und Matthias Mühling, Sammlungsleiter am Lenbachhaus

Der entgrenzte Wettbewerb zwischen Unternehmen und Konzernen mit dem alleinigen Ziel der Gewinnmaximierung wirkt sich unmittelbar auf die Arbeitswelt aus. Auch der Mensch selbst wird als Rohstoff betrachtet und dem Optimierungsdenken einverleibt. Carmen Losmann erkundet in ihrem Film die „neuen“ besorgniserregenden Arbeitsverhältnisse, in denen der Mensch nur in Hinblick auf seine verwertbaren, d. h. der Effizienzsteigerung dienenden Eigenschaften von Interesse ist. Für Unzulänglichkeiten und Schwächen ist dort kein Raum vorgesehen. Der Film stellt auf eindringliche Weise die Frage, was wir in unserer Gesellschaft unter Menschlichkeit und Individualität verstehen (wollen).

 

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.
Die Plätze sind begrenzt, eine Reservierung ist jedoch leider nicht möglich.

Download Faltblatt (PDF)

munichre.com/corporateart

Work Hard Play Hard - Trailer

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