Veranstaltungen

 

 

AFter the fact. propaganda im 21. jahrhundert

Propaganda in Deutschland: Narrative und Gegenbotschaften
Ein Gespräch zwischen Julia Fritzsche, Simon Hegelich und Diana Rieger, moderiert von Stephanie Weber
Freitag, 14. Juli, 19 Uhr
Lenbachhaus, Georg-Knorr-Saal
Eintritt frei

Als Gegenbotschaften oder Counter Narratives werden Bemühungen bezeichnet, Propaganda u.a. im Netz zu entlarven und ihr etwas entgegenzusetzen. Oftmals geht es konkret um Antworten auf oder Strategien gegen Propaganda rassistischer, rechtsradikaler oder religiös fanatischer Natur. Dr. Diana Rieger ist Autorin (mit Lena Frischlich und Gary Bente) der vom Bundeskriminalamt beauftragten Studie »Propaganda 2.0«, die sich der Analyse der psychologischen Effekte von rechtsradikaler und islamistischer Propaganda sowie ihren möglichen Gegenbotschaften widmet. Julia Fritzsche befasst sich in ihrer journalistischen Arbeit mit Themen, die sich vielleicht erst auf den zweiten Blick als ideologisch zu erkennen geben, wie etwa die mediale und politische Vernachlässigung und Verachtung von Armut, die Darstellung der Logik der Austeritätspolitik und die Rolle von Geschlecht im Kapitalismus. Prof. Dr. Simon Hegelich als Experte der Social Media Forensics betrachtet unsere aktuellen Kommunikationswerkzeuge hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Problematik. Die sozialen Medien spielen für tägliche Kommunikation sowie für die Verbreitung von Botschaften und Propaganda jeglicher Ausrichtung und Ideologie eine unbestreitbare Rolle. In der Runde wird der vielschichtige Propagandabegriff in seiner medialen wie inhaltlichen Komplexität diskutiert.

Julia Fritzsche (*1983) arbeitet als Autorin, unter anderem für die Sender Bayern 2, Bayerisches Fernsehen, Arte und ARD Alpha, und verfasst Beiträge zu gesellschaftspolitischen Themen. Sie absolvierte 2007 das Studium der Rechtswissenschaften und 2012 das Volontariat beim Bayerischen Rundfunk. Für das Radiofeature »Stell Dich nicht so an!' Indizien für eine Rape Culture« erhielt sie 2013 den Juliane Bartel Medienpreis, für den Radiobeitrag »'Prolls, Assis und Schmarotzer!' Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet« 2016 den Otto-Brenner-Preis und den Deutschen Sozialpreis. Zuletzt suchte sie für das Radiofeature »Geschichten gegen den Hass« nach neuen Narrativen jenseits von neoliberalen und nationalistischen Erzählungen.

Prof. Dr. Simon Hegelich (*1976) verbindet in seiner Forschung Politikwissenschaft und Computerwissenschaft zu Political Data Science. Dabei geht es sowohl um Themen der Digitalisierung, deren politische Relevanz untersucht wird, als auch um klassische politikwissenschaftliche Fragen, die mit Methoden wie maschinellem Lernen, Data Mining, Computer Vision oder Simulationen bearbeitet werden. Simon Hegelich hat an der Universität Münster Politikwissenschaft studiert und dort seine Promotion und Habilitation abgeschlossen. Von 2011 bis 2016 leitete er als Geschäftsführer das interdisziplinäre Forschungskolleg FoKoS der Universität Siegen. Seit 2016 ist Simon Hegelich Professor für Political Data Science an der Hochschule für Politik an der TU München.

Dr. Diana Rieger vertritt zur Zeit eine Professur für Kommunikationswissenschaft am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Davor war sie Postdoc am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Mannheim. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Rezeption und Wirkung extremistischer Online-Propaganda und mit Faktoren, die deren Wirkung beeinflussen können. 2013 veröffentlichte sie gemeinsam mit Lena Frischlich und Gary Bente die Studie »Propaganda 2.0: Psychological Effects of Right-Wing and Islamic Extremist Internet Videos«.

Die Ausstellung »After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert« ist an diesem Abend bis 21 Uhr geöffnet.

Vortrag und Videoscreening

Ein Abend mit Coco Fusco: Vortrag und Videoscreening
Samstag, 15. Juli, 19 Uhr
Lenbachhaus, Georg-Knorr-Saal
Eintritt frei

In ihrem Vortrag führt die kubanisch-amerikanische Künstlerin Coco Fusco, deren Arbeiten in der Ausstellung »After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert« vertreten sind, in ihre künstlerische Praxis ein. Anschließend wird das Video »The Couple in the Cage: Guatianaui Odyssey« (1993, 31 min.) gezeigt, in dem Coco Fusco und Co-Performer Guillermo Gómez-Peña in einer Reihe von Performances aus den frühen 1990er Jahren zu sehen sind. In »primitiven« Kostümen traten sie als »unentdeckte AmerIndians« in einem goldenen Käfig auf – eine Übung in Pseudo-Anthropologie, die auf rassistische Annahmen über »Eingeborene« anspielte. Die mit einfachen Mitteln realisierten Performances, die acht Mal in insgesamt vier Ländern aufgeführt wurden, riefen unterschiedlichste Reaktionen hervor: alarmierend war, dass viele Betrachter es für nicht weiter bemerkenswert hielten, dass »Eingeborene« in einem Käfig ausgestellt wurden. Dieses provokative Video, produziert von Coco Fusco und Paula Heredia, suggeriert, dass der oder die »Primitive« nichts anderes ist als eine westliche Konstruktion und nutzt die Mittel der Komödie und Fiktion, um historische Tatsachen und Tragödien zu adressieren.

In englischer Sprache
Die Ausstellung »After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert« ist an diesem Abend bis 21 Uhr geöffnet.

lecture-performance

HAUPTAKTION: Situation mit Zuschauern
Sonntag, 16. Juli, 20.30 Uhr
Kunstbau
Eintritt frei

In der Lecture-Performance »Situation mit Zuschauern« arbeiten sich Banafshe Hourmazdi, Jasmina Rezig und Oliver Zahn an einem Video ab, das viele Fragen aufwirft: Wie politisch ist der Blick? Wo ist die Schwelle zwischen Zeugenschaft und Voyeurismus? Eine Arbeit über die Lust an der Beobachtung, die heute einfacher zu befriedigen ist als jemals zuvor.

Trigger-Warnung: »Situation mit Zuschauern« lotet die Grenzen des Zuschauens aus. Einzelne Bilder und Szenen verhandeln potenziell verstörende Inhalte. Eintritt auf eigene Verantwortung.

Von und mit Banafshe Hourmazdi, Jasmina Rezig, Oliver Zahn
Technische Gestaltung, Licht: Jonaid Khodabakhshi
Dramaturgie, Künstlerische Produktionsleitung: Hannah Saar
Künstlerische Mitarbeit, Outside Eye: Julian Warner

Eine Produktion von HAUPTAKTION. Koproduziert mit den Münchner Kammerspielen und dem HAU Hebbel am Ufer, in Kooperation mit dem Theater Rampe Stuttgart. Gefördert durch die Landeshauptstadt München, die Richard-Stury-Stiftung und den Fonds Darstellende Künste.

Die Veranstaltung im Lenbachhaus findet in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen statt.

 filmvorführung und gespräch

»Das letzte Loch ist der Mund / The Mouth – Our Ultimate Prison«
Filmvorführung mit Klaus Erich Dietl, Regisseur des Films, Filmemacher und Künstler, im Gespräch mit Zara S. Pfeiffer, Politikwissenschaftlerin und Autorin

Di, 25. Juli 2017, 19 Uhr
Kunstbau
Eintritt frei
Der Film enthält Stroboskoplicht

»Ein Film über das kreative Lügen und gleichzeitig ein Film über brutale Wahrheit. Das weiss ich wegen meiner gepflegten Doppelzüngigkeit als Filmkritiker und als Staatsanwalt, naja Oberstaatsanwalt. Endlich ein Film über mich. Ich fühl mich überführt.«
Dr. Dietrich Kuhlbrodt

Der Film »Das letzte Loch ist der Mund / The Mouth – Our Ultimate Prison« stellt die Frage nach den Paradoxien des Lügens, besonders im formalisierten Sprachgebrauch des Rechtssystem. Ein junger Mann, der sich selbst in Anlehnung an den amerikanischen Serienmörder Albert Fish, Jakob Fisch nennt, gesteht Morde, die er nicht begangen hat. Eine Art Umkehrung der kafkaesken Ursituation.

Im anschließenden Gespräch widmen sich Zara S. Pfeiffer und Klaus Erich Dietl der Frage, wie Machtverhältnisse in der Sprache manifest werden.

Termin
25
08
2017

Themenführung
»Der Blaue Reiter kehrt zurück«

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