Der Blaue Reiter

 

 

ALEXEJ JAWLENSKY

Nach einer sechsjährigen Ausbildung an der Petersburger Akademie übersiedelte der 33-jährige Alexej Jawlensky (1864  – 1941) zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marianne von Werefkin 1896 nach München. Dort schlossen sie mit mehreren Künstlern aus dem Kreis des künftigen ›Blauen Reiter‹ Bekannschaft. Während seiner Münchner Zeit setzte sich Jawlensky bis 1907 auch mit der französischen Avantgarde auseinander, wofür er mehrere Reisen nach Frankreich unternahm. In diesen Jahren entwickelte er einen von van Gogh, Gauguin und Matisse beinflussten persönlichen Stil, der die Grundlage seiner späteren Kunst bildete. Während der gemeinsamen Zeit mit Kandinsky, Münter und Werefkin in Murnau ab 1908 beeinflusste er deren expressiven Stil entscheidend.

Im Mittelpunkt von Jawlenskys Kunst stehen koloristische und formale Aspekte; ikonografische und narrative Bezüge spielen dagegen eine marginale Rolle. So konzentrierte er sich bereits sehr früh auf drei Gattungen – Bildnisse, Stillleben und Landschaften – und verzichtete auf jegliche anekdotischen Elemente. Die Reduktion auf das Wesentlichste stand im Zentrum seines Interesses; für diese vereinfachte Bildsprache entwickelte er die Bezeichnung »Synthese«, die Natureindruck und innere Vision umfasst. Zwischen 1911 und 1913 beschäftigte er sich mit einer Reihe von expressiven Köpfen, in der sich das Prinzip der Serie ankündigt, das später zu seiner vorherrschenden Arbeitsmethode wurde. Nach Kriegsausbruch emigrierte Jawlensky zunächst nach St. Prex an den Genfer See, 1918 nach Ascona. Die seriellen, abstrakter werdenden Landschaften von St. Prex wurden hier von den Werkgruppen der Mystischen Köpfe und Heiligengesichter abgelöst. 1921 trennte sich Jawlensky von Werefkin, heiratete die Mutter seines Sohnes, Helene Nesnakomoff, und zog nach Wiesbaden. Bis zu seinem Tod beschäftigte er sich überwiegend mit Darstellungen des menschlichen Antlitzes, die schließlich als Meditationen mit ihrem streng abstrahierten Formenschema zu beinahe ikonengleichen, vergeistigten Andachtsbildern wurden.

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