19. Jahrhundert

 

 

FRANZ VON STUCK UND DER MÜNCHNER JUGENDSTIL

Ende des 19. Jahrhunderts wurde München zu einem Ausgangspunkt und Zentrum des internationalen »Jugendstils«. Der deutsche Begriff für diese Erneuerungsbewegung der Kunst, die bald jedes Gebiet des visuellen Lebens erfasste, geht auf die 1896 in München gegründete Zeitschrift Jugend zurück. Bedeutende Künstler arbeiteten für diese Zeitschrift, etwa Thomas Theodor Heine, Leo Putz, Carl Strathmann, August Endell, Hermann Obrist und Richard Riemerschmid, die auf dem Gebiet der Malerei, Kunsthandwerk und Architektur tätig waren. Allen voran wirkte Franz von Stuck, der über zwei Jahrzehnte ein einflussreicher Lehrer an der Münchner Akademie war und zu dessen Schülern für kurze Zeit auch Wassily Kandinsky und Paul Klee gehörten.

Franz von Stuck (1863 – 1928) folgte dem Vorbild des eine Generation älteren Lenbach unter moderneren Vorzeichen. Er schuf symbolistische, den Geist des Fin de siècle einfangende Bilder oft mythologischen Inhalts, näherte sich der Secession an, und verkehrte mit Tänzern und Schauspielern, die er auch porträtierte. Nicht mehr der Historismus, sondern ein erneuerter Klassizismus und der Jugendstil prägten sein prächtiges Wohnhaus mit Atelier, das als Gesamtkunstwerk das Bild des mondänen Münchner Künstlerfürsten um die Jahrhundertwende bestimmte. Sein Gemälde Salome zeigt die männermordende Femme fatale. Die Darstellung ist beeinflusst von zeitgenössischen Tanzsequenzen, die ab 1904 im Anschluss an die Münchner Uraufführung von Oscar Wildes Drama Salome inszeniert wurden und die damalige Moral durch leichte Bekleidung und explizite Erotik schockierten.

Im selben Jahr wie die Jugend entstand auch die politisch-satirische Wochenzeitschrift Simplicissimus, 1896 gegründet von dem Maler, Grafiker und Schriftsteller Thomas Theodor Heine und dem Verleger Albert Langen. Heines reicher Nachlass befindet sich seit den 1950er Jahren im Lenbachhaus.

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