19. Jahrhundert

Spitzweg und Schleich

  

 

SPITZWEG UND SCHLEICH

 

Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874), ein bedeutender Wegbereiter der Freilichtmalerei in Deutschland, bildete sich autodidaktisch durch Naturstudien im bayerischen Gebirge aus. Der Apotheker Carl Spitzweg (1808 – 1885), als Maler ebenfalls Autodidakt, begegnete Schleich Mitte der 1830er Jahre in München im Kreis antiakademisch eingestellter Künstlerfreunde wie Thomas Fearnley, Heinrich Crola und Christian E. B. Morgenstern. Gemeinsam kopierten sie Gemälde alter Meister und durchwanderten Bayern und Tirol auf der Suche nach neuen Motiven. Entscheidend für ihre Entwicklung wurde eine 1851 gemeinsam unternommene Reise nach Paris, wo sie die Malerei der Schule von Barbizon kennenlernten, und ein anschließender Besuch der Welt- und Industrieausstellung in London, wo sie Werke von John Constable und Richard Parkes Bonington sahen. Beide fanden zu einer neuen Form der »intimen Landschaftsmalerei«, die für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in München charakteristisch werden sollte.

Ihre Künstlerfreundschaft ging so weit, dass sie sich gegenseitig bei der Fertigstellung ihrer Bilder unterstützten. So wird berichtet, dass Schleich Spitzweg bei der Gestaltung des Himmels half und Spitzweg in die Landschaften Schleichs Figuren einfügte.

Spitzwegs Landschaften weisen oft nur ganz kleine Staffagefiguren auf und überlassen fast den gesamten Bildraum der Natur. Berühmt wurde er vor allem für seine kleinformatigen Bilder, die den biedermeierlichen Alltag, kauzige Sonderlinge und romantische Begebenheiten zeigen. Im Gemälde Die Jugendfreunde begegnen sich zwei ungleiche Freunde – der Zuhausegebliebene und der Weitgereiste – wie auf einer Bühne. Spitzweg gelingt hier wie in vielen seiner Bilder eine Form der Personencharakterisierung, die vor allem für die englische und französische Karikatur kennzeichnend ist: Die lebenslange, einseitige Beschäftigung einer Person erscheint als Verbiegung der menschlichen Art zu einer grotesken, aber liebenswerten Sonderspezies.