19. Jahrhundert

 

 

JOHANN GEORG VON DILLIS

Johann Georg von Dillis (1759 – 1841) gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Zeit um 1800. Er nahm die Traditionen der klassischen Landschaftskunst auf und überführte sie in eine neue, »realistische« Landschaftsmalerei, wie sie sich im 19. Jahrhundert zunehmend durchsetzte. Als Professor für das Landschaftsfach an der Akademie, als Kunstbeamter und -berater dreier Monarchen spielte Dillis eine bedeutende Rolle in der Münchner Kultur, reiste viel in Europa und pflegte Kontakte mit bedeutenden Zeitgenossen in Rom, Florenz, Mailand, Paris, Wien und Prag.

Seit 1996 befindet sich sein umfangreicher und bedeutender Nachlass als Dauerleihgabe des Historischen Vereins von Oberbayern im Lenbachhaus. Er umfasst rund 8000 Zeichnungen und 40 Skizzenbücher. Nur wenig bildmäßig ausgeführte Werke sind darin enthalten; der Bestand eröffnet vielmehr einen Einblick in das private Leben und Schaffen des in mannigfacher Weise für den bayerischen Hof tätigen Dillis.

Die Zeichnungen und Ölskizzen entstanden in der knappen Freizeit des vielbeschäftigten Kunstorganisators: Da Dillis kaum Gelegenheit für die langwierige Ausführung von Ölgemälden fand, erhielten Ölstudien, Aquarelle und Zeichnungen immer größeres Gewicht. Das Arbeiten »vor der Natur« sah er als die beste Schule im Landschaftsfach an. Damit wurde er zu einem Vorreiter der Pleinair-Malerei in München. Dillis bannte unmittelbare Eindrücke und die ihn faszinierenden Themen seiner Lebenswelt auf Papier – ganz ähnlich wie später Adolph Menzel, von dem der Satz überliefert ist: »Alles Zeichnen ist gut, Alles zeichnen ist besser«. Einen bedeutenden Werkkomplex bilden die unterwegs entstandenen Skizzen, unter anderem aus Italien und Frankreich. Auch in der Umgebung von München und im Voralpenland zeichnete Dillis unentwegt. Selbst unscheinbare Vorstadtwinkel und ihre Bewohner interessierten ihn. In seinen letzten Lebensjahren war es ihm jedoch kaum noch möglich, größere Wanderungen zu unternehmen. Der Blick aus seinem Fenster auf den Münchner Prinz-Carl-Garten wurde nun zum häufigsten Sujet. Zahlreiche seiner heute berühmten Wolkenstudien entstanden hier.

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