19. Jahrhundert

  

 

DIE AKADEMISCHE MALEREI DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS

 

Seit der Eröffnung des Glaspalastes als opulentes Ausstellungsgebäude im Jahr 1854 hatte sich München zunehmend zu einem Anziehungspunkt für Künstler nicht nur aus Bayern, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland entwickelt. Hier fand man einen leistungsfähigen Kunstmarkt und eine renommierte Akademie mit Lehrern wie Carl Theodor von Piloty, Wilhelm von Diez oder Franz von Stuck. Die meisten bekannten deutschen Künstler der zweiten Jahrhunderthälfte wurden entweder in München ausgebildet oder lebten hier für eine längere Zeit. Dazu gehören einerseits die sogenannten Malerfürsten Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach, andererseits Künstler wie Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner und Hans Thoma sowie die Mitglieder der Münchener Secession wie Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde.

 

Carl Theodor von Piloty wurde 1874 Nachfolger Wilhelm von Kaulbachs als Direktor der Münchner Akademie und übte großen Einfluss aus. Während Kaulbach ein Vertreter des zeichnerischen Klassizismus war, hatte Piloty im Jahr 1852 in Belgien und Frankreich die modernen Richtungen einer malerischen Form der Historienmalerei studiert, die auch Genre-Elemente einschloss. Berühmt für seine großformatigen Historienbilder mit ihren pathetischen Inszenierungen, war er ein Wegbereiter der gründerzeitlichen Malerei in Deutschland. Lenbach, Franz von Defregger, Hans Makart, Wilhelm von Diez, Eduard von Grützner, Gabriel von Max und viele andere haben bei Piloty studiert.

 

Im Lenbachhaus ist die akademische Malerei Münchens entsprechend dem bürgerlichen Sammlungskonzept nicht durch große repräsentative Gemälde vertreten, sondern vor allem durch kleinere Genre- und Historienbilder, Porträts und freie Studien. Einen Schwerpunkt in der Sammlung bildet die Ausnahmeerscheinung Gabriel von Max. Dieser gab – ein bis dahin unerhörtes Ereignis – nach fünf Amtsjahren seine Professur für Historienmalerei im Jahr 1883 auf, um sich statt den Studenten wieder seiner eigenen Malerei und seinen stetig wachsenden Forschungsinteressen im Bereich des Spiritismus und Darwinismus zu widmen.

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