Forschung

 

 

Gerhard Richter ATLAS: Fotos, Collagen und Skizzen

Das Werk besteht maßgeblich aus Fotografien, Collagen und Skizzen und nimmt als eigenständiges Kunstwerk sowie als sachliche Dokumentation und als Grundlage des malerischen Oevres Gerhard Richters eine herausragende Position in dessen Gesamtwerk ein.

Richter hatte seine Bildvorlagen und Fotomotive in den frühen 1960er Jahren zunächst in Schubladen und Mappen aufbewahrt bevor er ab 1969 begann das Material zu kategorisieren, indem er einzelne Fotografien, Reproduktionen und Skizzen thematisch gruppierte und auf Kartons aufklebte. 1972 stellte er die gerahmten Tafeln erstmals aus.

Der ATLAS versteht sich als work in progress und ist seit seiner ersten Präsentation ständig gewachsen. Seit dem Ankauf des Werkes durch die Städtische Galerie im Lenbachhaus 1996 ist der ATLAS von 583 auf aktuell 783 Tafeln angewachsen. Für die Ausstellung ATLAS MIKROMEGA hat Gerhard Richter den Atlas um weitere 19 Tafeln ergänzt.

Projekt 2011

Basierend auf den Erfahrungswerten bei der regelmäßigen Sichtung der Tafeln und den über die Jahre verzeichneten Veränderungen des Erhaltungszustandes bildete sich eine komplette Neurahmung des ATLAS als sinnvolle konservatorische Maßnahme für das Werk heraus. Die Ausrahmung der bis dahin hermetisch verschlossenen Rahmen ermöglichte zudem die Chance erstmals fotografische Aufnahmen ohne Verglasung und in hoher Qualität zu Dokumentationszwecken und für Publikationen herzustellen.

In Absprache mit Gerhard Richter ist deshalb basierend auf dem Erscheinungsbild des alten Rahmens (Form und Materialität des Rahmenprofils blieben unverändert) ein in den technischen Details konservatorisch stark verbesserter Rahmen entstanden.

Einzige sichtbare Veränderung des neuen Rahmens bildet die Abstandsleiste zwischen Objekt und Glas. Dadurch wird die unmittelbare Gefahr des Verklebens der photographischen Emulsionen mit den Glasscheiben gänzlich eliminiert. Durch die Vermeidung starker Pressung der Tafeln zwischen Glas und Rückwand wird zudem die Gefahr der Entstehung und Verstärkung von Spannungen und Verwellungen der Objekte stark vermindert. Weitere Veränderungen betreffen den Aufbau des Rückrahmens: im Gegensatz zur ursprünglichen Rahmenkonstruktion ermöglicht die Verwendung eines Rückseitenschutzes aus archivfester Wellpappe einen langsamen und regelmäßigen Luftaustausch der die Bildung eines für die Fotografien schädigenden Mikroklimas vermeidet. In den Rückrahmen integriert ist außerdem eine Hängeleiste welche die Installation der Werke deutlich vereinfacht. Durch die Verschraubung des Rückrahmens mit dem Rahmenprofil bleiben die Objekte außerdem im Bedarfsfall leicht zugänglich.

Die Neurahmung sämtlicher 783 Tafeln erfolgte von Juni bis Dezember 2011. Parallel dazu wurden die ausgerahmten Tafeln zu Publikations- und Dokumentationszwecken durch die Fotoabteilung des Lenbachhauses aufgenommen und durch die Restaurierungsabteilung ein detailliertes Protokoll über Materialität und Zustand für jede einzelne Tafel erstellt.

Projekt 2013

Auf Wunsch und in Absprache mit Gerhard Richter wurde für die Ausstellung ATLAS MIKROMEGA ein Block von 60 Tafeln aus ästhetischen und konservatorischen Gründen komplett neu erstellt. Die Fotografien dieser zwischen 1969-76 entstandenen Tafeln sind aufgrund verschiedener exogener und endogener Faktoren extrem verblichen (die Bilder sind stark rötlich durch Abbau des gelben und blauen Farbstoffs) und deren Motive zunehmend schlechter lesbar (starke Abnahme der Kontraste in den Bildern). Für die Neufertigung der Tafeln wurden anhand der Originalnegative (im Besitz des Atelier Gerhard Richter) nach den Vorgaben des Künstlers neue autorisierte Abzüge erstellt. Falls notwendig und von Gerhard Richter gewünscht wurden die Negative resp. Positive entsprechend seinen Vorgaben farbkorrigiert.


Literatur
A. Zweite: Gerhard Richter. Atlas. Verlag Fred Jahn, München 1989

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