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NATUR ALS KUNST

Frühe Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich aus der Christoph Heilmann Stiftung

Mit dieser jüngst dauerhaft ins Lenbachhaus integrierten Sammlung ist ein neuer Akzent in dessen Bestand gesetzt. Es handelt sich dabei um Landschaftsmalerei der früheren Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die sich damals als führend unter den Kunstgattungen emanzipierte, und mit der neu errungenen Freiheit künstlerischer Selbstfindung eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung der Moderne legte.
Das konsequent verfolgte Sammlungskonzept zeigt ausgewählte Beispiele führender deutscher Landschaftsmaler aus nördlichen Regionen und Süddeutschland wie Johan Christian Dahl, Karl Blechen und Johann Georg von Dillis. Diesen sind charakteristische Werke der bedeutendsten Meister gleicher Generation aus Frankreich gegenübergestellt, hauptsächlich von den sogenannten Barbizon Malern, unter ihnen Jean-Baptiste Camille Corot, Gustave Courbet und Théodore Rousseau. Sie bereiteten den Boden für die Impressionisten und wirkten bald auch auf deutsche Maler anregend.
Alle diese Künstler zeichnet aus, dass sie die an den Kunstakademien vermittelten Traditionen vernachlässigten, ihren eigenen Naturerfahrungen und -stimmungen nachspürten und diese in selbst gefundenen Landschaftsmotiven umsetzten. Nicht mehr formale Schultraditionen, sondern subjektives Naturerlebnis, seelische Befindlichkeit, atmosphärische Besonderheit und Farbwerte traten nun in den Vordergrund künstlerischen Schaffens.
Die Ölskizze vor dem Motiv, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich bereits vereinzelt praktiziert, sollte den Natureindruck als Ganzes unmittelbar wiedergeben, während der erinnerte, im Atelier ausgeführte Natureindruck neben den traditionellen Kompositionen für den »Salon« als autonomes Kunstwerk galt. Nicht ohne Grund wurden in diesen Jahrzehnten auch die meisten Theorien zur Landschaftsmalerei entwickelt.

Fünf Vorträge, inspiriert von den Künstlern und Kunstwerken der Stiftung, beleuchten ab Oktober 2014 Themen und Facetten, die sich aus der Auseinandersetzung mit der Sammlung ergeben.

Alle Vorträge finden im Georg-Knorr-Saal des Lenbachhauses statt.
Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei.

 

 

Vom Sammeln zur Sammlung

Christoph Heilmann, Sammler und Stifter
Di, 7. Oktober, 2014, 18 Uhr


Das Grundkonzept der Sammlung versteht sich aus einem über Jahrzehnte hin stetig gewachsenen künstlerischen Interesse und Kommunikationswillen über Landesgrenzen hinweg: von um 1800 noch weitgehend autarken Kunstzentren in Deutschland und Frankreich bis hin zu gemeinsamen Naturstudien und Künstlerfreundschaften. Gerade dieses allmähliche Überschreiten von Landesgrenzen legt es nahe, auf dieses frühe Phänomen subjektiven Gestaltungswillens  sowie auf die sich dabei entwickelnde europäischer Kultur aufmerksam zu machen, wie sie sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts – trotz aller Rückschläge – immer weiter konkretisiert hat.


Romantik und Realismus – Opposition und Schwesterfelder

Andreas Strobl, Staatliche Graphische Sammlung München und Kuratorium der Christoph Heilmann Stiftung
Di, 21. Oktober,
2014, 18 Uhr

Die symbolhafte Überhöhung der Natur belegt eine neue Naturauffassung bei den Dresdner Romantikern wie Carl Gustav Carus oder Johan Christian Dahl. Mit ihr gaben sie der Landschaftsmalerei ein Gewicht, das sie bis dahin nicht hatte. Der genaue Blick auf das banale Detail und der Wille, eine besondere atmosphärische Lichtstimmung festzuhalten, zeichnet eine realistische Auffassung der Natur aus, wie sie zeitgleich Künstler mit ganz anderem Temperament – von Johann Georg von Dillis bis Adolph Menzel – etablierten. Der Vortrag beleuchtet das Leitthema der Christoph Heilmann Stiftung, die diese Opposition in der deutschen Kunst vor Augen führt.


Vernetzte Landschaften – Barbizon und die Münchner Landschaftsmalerei

Claudia Denk, Kuratorium der Christoph Heilmann Stiftung
Di, 4. November,
2014, 18 Uhr

Mit der Landschaftsmalerei ist im 19. Jahrhundert nicht nur eine aufblühende Gattung, sondern auch eine dezidiert europäische Kunstform zu verbinden. Gerade Letzteres macht die Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung deutlich.
Ungeachtet nationaler Grenzen herrschte zwischen den Malern ein reger Austausch: Früh malten etwa französische und deutsche Landschafter Seite an Seite in Rom. Als mit der Schule von Barbizon die lokale Natur entdeckt wurde, besuchten Münchner Maler die Stadt Paris und den Wald von Fontainebleau. Vice versa ist die Erfolgsgeschichte der Barbizoner wiederum eng mit der bayerischen Hauptstadt zu verbinden. Viele ihrer Werke wurden mit großem Erfolg und Wirkung im Glaspalast gezeigt und ihre Hauptvertreter Courbet und Corot mit höchsten Auszeichnungen bedacht.


Der Grüne Heinrich oder Vom Gelingen und Scheitern in der Landschaftskunst

Karin Althaus, Sammlungsleiterin am Lenbachhaus
Di, 18. November,
2014, 18 Uhr

In der Christoph Heilmann Stiftung spiegelt sich die direkte Auseinandersetzung der Künstler mit der Natur in vielen Meisterwerken wider, die in ihrer Unmittelbarkeit die Mühe akademischen Arbeitens im Atelier vergessen machen. Wie viel Kunst in dem Gelingen dieser Werke steckt, soll der Blick auf einen Künstler deutlich machen, der als Landschaftsmaler kläglich scheiterte: Gottfried Keller. Da er diese Erfahrung in seinem Roman Der Grüne Heinrich formuliert hat, sind wir in der einmaligen Lage, die Gründe für sein Scheitern nachvollziehen zu können und erhalten eine Ahnung der Voraussetzungen und des Glücks, die gelungene Werke begleiten.


Spazierengehen

Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses
Di, 2. Dezember,
2014, 18 Uhr

Seit der Mensch die Schönheit seiner Umwelt entdeckt hat, ist er in ihr spazieren gegangen. Die Wahrnehmung von Landschaft und die Fortbewegung »auf Schusters Rappen« bedingten sich gegenseitig. Dies galt insbesondere auch für die ästhetische Erfassung der Landschaft in den Bildenden Künsten. Der Vortrag wagt einen Spaziergang durch die Gegenwartskunst und begibt sich auf die Spuren von Künstlerinnen und Künstlern, die sich zu Fuß aufgemacht haben, ihre Umwelt neu zu erfahren. Inspiriert durch die Spaziergangswissenschaft des Soziologen Lucius Burckhardt wird die politische Praxis der Fußgänger in der Kunst vorgestellt.

Internationales Symposium

Die Christoph Heilmann Stiftung veranstaltet im Lenbachhaus vom 3. bis 5. Juli 2015 ein internationales Symposium zum Thema "Mobilität und Naturerfahrung im 19. Jahrhundert – Landschaftsmalerei eine Reisekunst?" 

Weitere Informationen zum Symposium finden Sie hier.