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Heilmann Stiftung

  

 

CHRISTOPH HEILMANN STIFTUNG

Die Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung auf Reisen bis 2019

Im Jahr 2013 vereinbarten die Christoph Heilmann Stiftung und die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau eine enge Zusammenarbeit auf Dauer. Mehr als hundert Werke der Stiftung wurden dem Museum überlassen. Die nach einem stringenten Konzept über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung Natur als Kunst. Frühe Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts verbindet und ergänzt sich mit dem Altbestand des Hauses auf das Beste. Nirgendwo sonst in Deutschland entwickelte sich seit 1800 die Landschaftsmalerei so reich und frei wie in München.

Die erste Präsentation im neuen Lenbachhaus zwischen 2013 und 2015 widmete sich einer umfassenden Darstellung der Sammlung, wobei gerade ihren internationalen Akzenten wichtiger Raum gebührte. Neben der frühen Münchner Schule wurden die Dresdner Romantik sowie die Berliner und Düsseldorfer Schule in charakteristischen Einzelbeispielen gezeigt. Als wichtiger und für eine deutsche Privatsammlung einzigartiger Bestand galt den Malern von Barbizon und ihrer im Wald von Fontainebleau mit naturnahen Ölskizzen vollzogenen Revolution ein Schwerpunkt. Gerade die Ölskizzen gaben eine Vorstellung von der neuartigen Naturnähe.

                                                                                  NEUERWERBUNGEN

Die Sammlung der Stiftung wird kontinuierlich ausgebaut. So kamen in den letzten Jahren zu den Sammlungsschwerpunkten bedeutende Neuerwerbungen hinzu: Darunter die bildmäßig ausgeführte Ölstudie Eingang in den Park Chigi von ERNST FRIES (1801–1833), einem der bedeutendsten süddeutschen Romantiker der zwanziger Jahre und Malergenossen Camille Corots. ADOLPH VON MENZEL (1815–1905) ist nunmehr in der Sammlung mit einer jüngst wieder aufgetauchten Studie in Aquarell/Gouache vertreten, die den Blick nach dem Hof aus seinem Atelierfenster in der Berliner Marienstraße wiedergibt. Zur Gruppe der großen BARBIZONMALER zählt neben Théodore Rousseau dessen enger Freund JEAN-FRANҪOIS MILLET (1814–1875). Von ihm gelang es, ein wichtiges Frühwerk zu erwerben, das ein in sich gekehrtes, nacktes Bauernmädchen an der Böschung eines Baches zeigt.

Im Jahr 2016 erhielt der Sammlungsschwerpunkt zur Gruppe der BARBIZONMALER mit PAUL HUETs früh entstandenen Blick in den alten Wald von Villers-Cotterêts eine weitere wichtige Ergänzung. Weist schon das Bildthema eines abseitigen Waldesinneren auf neue Wege in der Landschaftsmalerei, so kommt noch hinzu, dass es sich bei dem modisch gekleideten Sitzenden wohl um den Schriftsteller Alexandre Dumas (1802–1870) handelt.

WANDERAUSSTELLUNGEN

Bevor die Sammlung der Stiftung in anderer Präsentation ab 2019 wieder im Lenbachhaus zu sehen sein wird, ist sie seit 2016 auf Reisen. Die erste Station war SCHLOSS MOYLAND bei Kleve vom 14. Februar bis 5. Juni 2016 mit der Ausstellung Natur als Kunst – Landschaft im 19. Jahrhundert in Malerei und Fotografie aus der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus und des Münchner Stadtmuseums.

Eine zweite Station wird sich im ANGERMUSEUM in Erfurt vom 5. August bis 28. Oktober 2018 anschließen. Hier finden die Landschaften der Christoph Heilmann Stiftung gleich in zweifacher Weise neue Nachbarschaften: Zunächst im Kontext einer Sammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts, insbesondere von Werken des Landschaftsmalers Friedrich von Nerly (1807–1878), dessen Name eng mit der Gründung des Angermuseums verbunden ist. Darüber hinaus werden Inkunabeln der frühen Landschaftsfotografie aus dem Münchner Stadtmuseum zeigen, dass Maler und Fotografen bald Seite an Seite abseitige Wege einschlugen, um neue Motive in solitären Baumriesen oder geologisch interessanten Abbrüchen zu finden.

FORSCHUNG

Wissenschaftlicher Bestandskatalog

Der sich erweiternde Sammlungsbestand wird kontinuierlich wissenschaftlich bearbeitet. Ein bereits existierender Bestandskatalog Natur als Kunst. Frühe Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich (Hrsg.: Christoph Heilmann, Heidelberg, Wunderhorn 2013/2015) wird alle zwei bis drei Jahre durch eine Beilage mit den Neuerwerbungen ergänzt.

Tagungen / Vorträge

Zudem wird die Sammlung der Stiftung und deren Erforschung durch Vortragsreihen, Tagungen und Forschungsprojekte in größere Perspektiven und Fragestellungen zur frühen Landschaftsmalerei eingebunden. Mit dem Symposium Mobilität und Naturerfahrung im 19. Jahrhundert wurde etwa der Frage nachgegangen, inwiefern die nun obligate Reise der Landschaftsmaler in nah und fern das Landschaftsbild des 19. Jahrhunderts entscheidend prägte. Für die Besprechung auf ArtHist klicken Sie hier.

Forschungs- und Editionsprojekt zu Pierre-Henri de Valenciennes (1750–1819)

Ein mehrjähriges Forschungs- und Editionsprojekt untersucht ein wichtiges Beispiel französisch-deutschen Ideen- und Techniktransfers im Bereich der Landschaftsmalerei um 1800. Im Fokus steht die deutsche Übersetzung von Pierre-Henri de Valenciennes' Élémens de perspective pratique, à l'usage des artistes, suivis de Réflexions et Conseils à un Élève sur la Peinture, et particulièrement sur le genre du Paysage (Paris 1799/1800), die bereits drei Jahre nach dem Original 1803 erschienen ist.

Ziel des Projektes ist u.a., den Stellenwert der Übersetzung in der europäischen Erfolgsgeschichte der Ölstudienpraxis im 19. Jahrhundert zu bestimmen. Methodische Ansatzpunkte ergeben sich aus den Forschungen zum französisch-deutschen Kulturtransfer und zu Übersetzungen als Medium interkultureller Kommunikation. Es gilt zu fragen, welche kreativen Adaptionen das Buch für die deutsche Leserschaft erfuhr, in welchen Bibliotheken die deutsche Ausgabe vorlag und welche Landschaftsmaler der Avantgarde wie Caspar David Friedrich, Johan Christian Dahl, Johann Georg von Dillis oder Carl Blechen, aber auch welche deutsche Forschungsreisende wie Alexander von Humboldt oder Sammler wie Maximilian Speck von Sternburg Kenntnis von Valenciennes' zukunftsweisenden Ideen erlangen konnten.

neuerscheinung

Landschaftsmalerei, eine Reisekunst? – Mobilität und Naturerfahrung im 19. Jahrhundert
Hrsg. für die Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus von Claudia Denk und Andreas Strobl, Berlin / München: Deutscher Kunstverlag 2017.
Mit einem Vorwort von Christoph Heilmann und Matthias Mühling und Beiträgen von Werner Busch, Michael Clarke, Bernhard Maaz, Marcell Perse, Ruth Pullin, Andreas Tacke u.a.

Die im Jahr 2015 ausgerichtete internationale Tagung zum reisenden Landschaftsmaler ist nun in einem Buch erschienen und wurde der Öffentlichkeit mit einem Vortrag von Prof. Dr. Hubert Locher vorgestellt. Um 1800 wurde das Reisen nicht nur zu einer Modeerscheinung, die als Bildungsreise zunehmend die bürgerlichen Schichten erreichte, sondern avancierte zu einer wissenschaftlichen und künstlerischen Praktik, die substanziell neue naturkundliche und ästhetische Erfahrungen erbringen konnte. Mobilität und Naturerfahrung wurden deshalb zu wesentlichen Angelpunkten der Landschaftskunst im 19. Jahrhundert. Reisen in nah und fern führten zu Unbekanntem, neuen künstlerischen Arbeitsweisen und verhalfen insbesondere der atmosphärischen Ölskizze zu großem Erfolg. Mehr noch erlangte die aufkommende Reiselust, wie sie ganz besonders in dem berühmten Handbuch von Pierre-Henri de Valenciennes propagiert wurde, im Rahmen der Ausbildung der Landschaftsmaler und ihrer Identitätsbildung eine hohe Bedeutung.

In dem Tagungsband thematisieren internationale und renommierte Fachleute die besondere Arbeitssituation des reisenden Landschaftsmalers. Sie beschäftigen sich mit der künstlerischen Erinnerungsarbeit auf Reisen und den entwickelten zeichnerischen und malerischen Aneignungsstrategien. Letztlich führte der neue Arbeitsmodus auf Reisen zu einem neuen Landschaftsbild.

Termin
14
12
2017

Öffentliche Führungen
Gabriele Münter: Malen ohne Umschweife

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