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AXEL GAERTNER / HEIKO KARN


September bis November 2006



WAITING FOR SOME ACTION, 2006

Kubus im Petuelpark

in der Reihe “Politics of the White Cube”

Das Schaufenster markiert die Grenze zwischen Ware und Konsument. Hinter der Scheibe preist sich das Produkt seinem potenziellen Käufer an. Visuelle Attraktion ist das Argument, Verführung ihr Ziel. Was für die Warenpräsentation gilt, findet sich auch im Kunstmuseum und erst recht im kommerziellen Galerieraum wieder. Der weiße Galerieraum, der White Cube, ist das professionelle Display indem der Fetisch Kunst zur Inszenierung kommt. Der KUBUS, dessen Architektur sich bewusst mit den Konventionen des White Cube auseinandersetzt und gleichzeitig eine strukturelle Nähe zum Schaufenster aufweist, wird deshalb folgerichtig von Axel Gaertner (1971) und Heiko Karn (1971) zum Thema ihrer Installation erhoben.

Genau wie das Konsumprodukt muss sich auch das Kunstprodukt – einmal ausgestellt – den Erwartungshaltungen seiner Betrachter stellen. Es muss im Markt bestehen können, sei es durch überzeugende Präsentation im Museum oder durch Verkauf in der Galerie. Der Erwartungsdruck, dem die Künstler ausgesetzt sind, steigt. Allein im Titel der Installation, Waiting for some action, ist dieser Umstand angesprochen. Everybody sees me / But it's not that easy / Standing in the light field / Waiting for some action, so beginnt der Song Juicebox von der Band The Strokes. Die von Gaertner / Karn zitierten Zeilen sprechen vom Produktionsdruck, den die am Spektakel interessierte Gesellschaft aufbaut. Erneut wird heute im Kunstbetrieb die schon lange für obsolet erklärte Heilserwartung an die Kunst herangetragen. Die Installation im KUBUS ist formal durch ihre Baumarktmaterialien eine einzige Enttäuschung dieser Rezeptionshaltung. Wer hier auf action wartet, kann lange warten. So denunzieren Gaertner und Karn den White Cube als Spielfeld, auf dem die Positionierungskämpfe im Klassensystem Kunst ausgetragen werden. Der zweite Schriftzug der Installation, Shining Hope, strapaziert noch einmal das Prinzip Hoffnung. Die Wortkombination, so unschuldig sie auch klingen mag, zitiert jedoch präzise eine Operation des US-Militärs im Kosovo 1999. Denn auch die Armee hat es gelernt, für ihre Aktionen marketingtaugliche Begriffe zu kreieren. So wird im Gewand des Euphemismus nicht mehr von der Kriegshandlung selbst, sondern von hell strahlender Hoffnung gesprochen. Sprache schafft Bewusstsein und Begriffe sind kein unbelastetes Material. Im Gegenteil, sie sind umkämpftes Terrain, um dessen Kolonisierung Ideologien bisweilen hart aneinander geraten. Die graphische Gestaltung des Schriftzugs zeigt eine weitere Demarkationslinie, entlang derer diese Kämpfe ausgefochten werden. Wie Produktnamen, so ist auch ihre graphische Gestaltung geschützt. Shining Hope besteht aus Buchstaben, die alle den Labeln global operierender Modekonzerne entnommen sind. Das P stammt vom Sportartikelhersteller Puma, das H aus dem Modehaus H & M, usw.

Der zentral auf eine geschlossene Jalousie aufgesprühte Begriff Content lässt bis zuletzt auf noch unentdeckte Inhalte hoffen. Veweist der Begriff doch auf das große Event, die gleichnamige Ausstellung des niederländischen Stararchitekten Rem Koohlhaas. Doch auch die Öffnung der Jalousie würde nichts enthüllen. Die Kunst ist nach der Moderne ihrer Offenbarungsqualitäten beraubt, Content bleibt nur noch als leere Worthülse, die Kunst als uneingelöstes Versprechen zurück.

Publikation
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation von Axel Gaertner und Heiko Karn, die im Café Ludwig und im Lenbachhaus erhältlich ist.

Kubus im Petuelpark, Klopstockstraße 10, 80804 München
MVV: Bus 54 Barlachstraße, U3 Petuelring, U2/U8 Milbertshofen









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