Michael Petzet übernahm als Nachfolger Hans Konrad Roethels 1971 für nur zwei Jahre das Amt des Direktors des Lenbachhauses. Anschließend wurde er zum Generalkonservator an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege berufen, dem er die folgenden 25 Jahre (1974–1999) vorstand. Seit seiner Wahl zum Präsidenten von ICOMOS im Oktober 1999 war Petzet weltweit für die Erhaltung des Kulturerbes tätig.

Während seiner zweijährigen Tätigkeit am Lenbachhaus realisierte Petzet insgesamt 18 Ausstellungen, von denen die überwiegende Zahl jungen zeitgenössischen Künstlern galt und nur eine Wassily Kandinsky (1973/1974), eine der Künstlergruppe Brücke (1973) und eine Julius Schülein (1881–1970).

Damit verlagerte er im Vergleich zum Ausstellungsprogamm von Roethel, der sich im Zusammenhang mit der Gabriele-Münter-Stiftung vor allem auf die Kunst des Expressionismus konzentriert hatte, den Schwerpunkt auf die internationale zeitgenössische Kunstszene. Bei seinem Amtsantritt kündigte er an, München intensiver als zuvor an die zeitgenössische Kunst anzuschließen, und überraschte gleich zu Beginn mit dem Bilderzyklus Mechanismus der Bedeutung des aus Japan stammenden Künstlers Arakawa. Die Reaktionen des Münchner Publikums und der Medien auf die vom Künstler angesprochenen Probleme der Erkenntnistheorie und Wahrnehmungspsychologie waren damals sehr kontrovers.

Es folgten im selben Jahr Einzelausstellungen zu George Segal. Gipsfiguren, Fragmente, Günther Fruhtrunk. Bilder 1952–1972, Gerhard Richter. Gemälde, Anton Hiller. Plastiken und Zeichnungen 1918–1973, Romulo Maccio. Bilder, Nikolaus Lang. Japanische Landschaften, Cy Twombly. Bilder 1953–1972, Klaus Vrieslander. Einschreibungen, Figurensätze, Parakunst, Franz Bernhard. Plastiken und Piero Manzoni, 1933–1963. Die aus heutiger Sicht bedeutenden Künstler wie Cy Twombly und George Segal waren ebenso wie Arakawa damals in München noch zumeist unbekannt. Ungeachtet aller Kritik übernahm das Lenbachhaus mit Michael Petzet in diesen frühen 70er Jahren im Bereich der internationalen Kunst der Gegenwart eine wichtige Vorreiterrolle innerhalb der Münchner Kunst- und Kulturszene.

Im Ausstellungswesen führte Michael Petzet zunehmend die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ein. Zahlreiche Präsentationen zeitgenössischer Künstler kamen als Co-Produktionen zustande: Cy Twombly mit dem Kunsthaus Bern, George Segal mit dem Kunsthaus Zürich und der Kunsthalle Tübingen, Piero Manzoni ebenfalls mit der Kunsthalle Tübingen. Viele Ausstellungen wurden nicht nur an einem Ort, sondern als Wanderausstellung in mehreren internationalen Kunsthäusern gezeigt. Diese damals einsetzende Praxis setzt sich bis heute fort.

Neben Einzelpräsentationen zeigte Michael Petzet in seiner Amtszeit auch Ausstellungen mit spezifischen Themenschwerpunkten. Die Sammlung Herbig. Bilder, Objekte, Filme, Konzepte (1973) beispielsweise, eine Münchener Privatsammlung, die verschiedensten und widersprüchlichsten Bereiche experimenteller Kunst jener Zeit vereinigte, konnte dank ihres Konzeptes umfassend über die Entwicklung in der aktuellen Kunst berichten. Es folgten Kinetische Objekte (1973) sowie New York Dada. Duchamp, Man Ray, Picabia (1973/74, ebenfalls mit der Kunsthalle Tübingen), die für viel Aufsehen sorgten.

Nachdem die Bauarbeiten am Neubau der Galerie 1971 abgeschlossen waren, musste der Sammlungsbestand des Blauen Reiter neu geordnet werden. Im Sommer 1972 konnte im Obergeschoss des Anbaus die umfangreiche Sammlung mit Werken von Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und weiteren Künstlerinnen und Künstlern des Blauen Reiter der Öffentlichkeit als ständiger Ausstellungsbereich vorgestellt werden. Die wissenschaftliche Bearbeitung dieses einzigartigen Bestandes hatte noch unter der Leitung Hans Konrad Roethels begonnen, ein wesentlicher Teil konnte aber erst 1974 veröffentlicht werden. Kurz zuvor zum Jahreswechsel 1973/1974 stellte Michael Petzet einen wesentlichen Teil der im Katalog zusammengestellten Blätter mit Aquarellen und Zeichnungen aus dem Besitz Nina Kandinskys unter dem Titel Wassily Kandinsky. Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen (1973/74) aus. Seine letzte große Ausstellung als Leiter des Lenbachhauses widmete Michael Petzet Wilhelm Leibl und sein[em] Kreis (1974).

Michael Petzet hat den Grundstein dafür gelegt, dass das Lenbachhaus heute international als ein Ort der zeitgenössischen Kunst wahrgenommen wird. Er war der Wegbereiter für die heute so bedeutende Nähe unseres Hauses zu den Künstlerinnen und Künstlern unserer Gegenwart. Seit seiner Amtszeit haben sich seine Nachfolger konsequent auf den von ihm eingeschlagenen Weg berufen können und er hat unsere Arbeit mit kritischem Interesse, Ermunterung und großer Loyalität verfolgt. Das Lenbachhaus verdankt ihm viel und wird die Erinnerung an ihn wach halten.

Veröffentlicht am 3. Juni 2019

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