Für den 1969 in London geborenen und bei München lebenden Künstler Daniel Man ist die Arbeit im öffentlichen Raum kein Neuland; vor dem Studium der Bildenden Künste war er knapp 15 Jahre lang in der Graffitiszene aktiv. Für die Gestaltung eines Eiskiosks vor dem Lenbachhaus entwickelte Man ein Bemalungskonzept mit dem Titel EIS, EISBABY, das in 4 bis 6-wöchigen Phasen von Mai 2014 bis Januar 2016 umgesetzt wurde. Hier beschreibt der Künstler wie aus dem Eiskiosk die gleichnamige Rauminstallation wurde, die aktuell in unserer Ausstellung I’m a Believer. Pop Art und Gegenwartskunst aus dem Lenbachhaus und der KiCo Stiftung zu sehen ist.

Von Daniel Man.

Es wurde bereits zu Beginn des Projekts EIS, EISBABY darüber gesprochen, dass eine Geschichte, die draußen passiert, auch eine Entsprechung im Innenraum haben soll. Angedacht war eine Art Fotodokumentation über den Gestaltungswandel des Kiosks ohne sich darauf zu versteifen. So hätte man als Betrachter_in den Wandlungszustand nachvollziehen können. Um eine Grundlage für eine etwaige Dokumentationsschau zu schaffen, machte sich das Fototeam vom Lenbachhaus, bestehend aus Simone Gaensheimer und Ernst Jank an die Arbeit und fotografierte jeden neuen Zustand des Kiosks von allen Seiten. Diese Daten ruhten seither fast zwei Jahre lang.

Als die Kuratorin und Sammlungsleiterin Eva Huttenlauch mich 2017 anrief und mir die Teilnahme an der nächsten Sammlungspräsentation anbot, waren zwar genügend Ideen vorhanden, jedoch musste die technische (und wie immer: finanzielle) Umsetzbarkeit geprüft werden.

Der Gang zu meinem Lieblings-Betriebsdienstleiter Andreas Hofstett war somit obligatorisch. Und das Gute dabei: Er ist mit seiner immensen Erfahrung unheimlich pragmatisch und teilt diese offenherzig und direkt. Die erste Idee, den Kiosk direkt ins Museum zu verfrachten entfiel aus logistischen Gründen. So schön die Idee ist, einen offenen Kiosk im Museum auszustellen und betreiben zu lassen, so unendlich aufwendig ist es. Betriebsdienstleiter und Sammlungsleitung gaben ebenso zu bedenken, dass eine Arbeit die der Sammlung angehöre, auch für zukünftige Ausstellungen von einem Aufbauteam des Museums durchführbar sein soll.

Wiederholbarkeit führte zur zweiten Idee: Was, wenn man die bestehenden Motive als Tapeten drucken würde und sie in den Räumen tapeziert? Ich muss gestehen, diese nicht ganz neue Idee gefällt mir nach wie vor sehr gut. Bis zur Ausstellungsrealisierung war es allerdings zeitlich nicht machbar und führte – nach dem weiteren Gedanken, mit Hochleistungs-Beamern zu arbeiten (zu teuer!) – zur finalen Idee: An die Wände direkt ranzugehen. Das, was ich draußen tue, geht auch innen. Ja, so einfach könnte ich es mir machen, wenn ich mir nicht so viele Gedanken machen würde. Eine künstlerische Arbeit entsteht draußen anders als innen und wird auch selbstverständlich anders wahrgenommen. Der öffentliche Raum ist kein neutraler Ort (wenn es den überhaupt gibt) für die Kunst. Kunst wird von Leuten gesehen, die sie oft nicht sehen wollen und daher auch die Bereitschaft dem sich gegenüber zu öffnen, nicht mitbringen. Daher spricht die Kunst im Außenraum eine andere Sprache als in den Schutzräumen des Museums. Dieser Transfer bleibt auch für die Zukunft Thema für diejenigen Künstler, die in beiden Bereichen beheimatet sind.

Was sollen die Besucher_innen sehen?

Eine StreetArt Position in der Abteilung Kunst nach 1945 ist eine große Herausforderung und für mich eine große Ehre. Eine wichtige Rolle spielte die Wandauswahl im Zusammenhang mit den direkten Raumnachbarn Thomas Bayrle und Andy Warhol (!). Ich ging die Motive der Eiskiosks durch und selektierte die prägnantesten unter ihnen. Bis auf den Spruch: „Künstler sind gemein und grausam…“ habe ich bestehende EIS, EISBABY-Motive zu neuen Bildern collagiert. In einer drei Nächte dauernden (Sprüh-)Nebelaktion haben Assistent Patrick Nishnik, befreundeter Kollege Rafael Gerlach (SatOne) und ich es geschafft die Motive an die Wand zu bringen. Und wie war das mit der Durchführbarkeit durch ein zukünftiges Aufbauteam? Ich schätze, ich sollte mir darüber schon mal ganz fleißig Gedanken machen…

Daniel Man ist ein zeitgenössischer Künstler und wird von der Galerie Andreas Binder, München vertreten.

Veröffentlicht am 23. August 2018

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