von Susanne Böller.

Für die nächsten zwei Wochen werden in der Ausstellung “Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit” Werke von Hans Hofmann, Maria Lassnig, William Copley und Keith Sonnier in den Kabinetten installiert. In der Sammlungspräsentation auf der langen Tischreihe zeigt sich – wie geplant – immer deutlicher der Wechsel der Werke: die Porträts werden weniger, Landschaften, Architekturansichten, Stillleben und abstrakte Werke sind neu dazugekommen, darunter Gemälde von Georgia O’Keeffe und Josef Albers.

Hans Hofmann soll hier mit einem Gemälde vorgestellt werden

Hans Hofmann
1880 Weißenburg / Mittelfranken – 1966 New York / NY
Der Gaukler, 1959

Hans Hofmann partizipiert intensiv an den revolutionären Veränderungen in der Kunst des 20. Jahrhunderts von der klassischen Moderne bis zum Abstrakten Expressionismus. Nach anfänglichen Studien in München geht er von 1903 bis 1914 nach Paris. Er besucht private Malschulen und lernt Matisse, Picasso und Braque kennen, Robert und Sonja Delaunay zählen zu seinen engsten Freunden. 1914 kehrt er nach München zurück, er sucht Kontakt zu den verbliebenen Mitgliedern des Blauen Reiter und eröffnet zwei Jahre später eine eigene Schule für moderne Kunst. Hier vermittelt er seine in Paris erworbenen Kenntnisse des Kubismus und Fauvismus, insbesondere die Kunstauffassungen von Delaunay und Matisse. Ende der 1920er Jahre ist Hofmanns kleine Schule Insidern der modernen Kunst international bekannt, seine Studenten kommen aus aller Welt. 1930 gelangt Hofmann auf Vermittlung seines amerikanischen Schülers Worth Ryder, erstmals nach Kalifornien, später kann er in New York Fuß fassen und eröffnet dort wieder eine Schule für moderne Kunst. Er wird zu einem „Katalysator“ für den amerikanischen Abstrakten Expressionismus: Hofmann unterrichtet unter anderem Helen Frankenthaler und Lee Krasner, die ihm Jackson Pollock vorstellt, und er beeinflusst den Kritiker Clement Greenberg, der zum wichtigsten Förderer der Abstrakten Expressionisten werden sollte. Hofmann selbst legt seine künstlerische Herangehensweise in zahlreichen theoretischen Texten dar.

In Europa ist Hofmann erst wieder seit Ende der 1950erJahre zu sehen, etwa auf der documenta II und der 30. Biennale in Venedig. In München werden Anfang der 1960er Jahre Arbeiten von Hofmann in der Städtischen Galerie und im Künstlerhaus gezeigt. 1963 schenkt der Künstler dem Lenbachhaus sein Gemälde „Der Gaukler“. Während in den USA Hofmann als ein wichtiger Vertreter des Abstrakten Expressionismus immer präsent und prominent bleibt, gleicht es in Europa einer Wiederentdeckung, als das Lenbachhaus ihn 1997 mit der Ausstellung „Wunder des Rhythmus und Schönheit des Raumes“ feiert. Der Renate, Hans und Maria Hofmann Trust in New York, der Hofmanns Erbe verwaltet, ehrt das Lenbachhaus daraufhin mit einer großzügigen Schenkung von Werken des Künstlers.

Mit dem sprechenden Titel „Der Gaukler“ beeinflusst Hans Hofmann zwar die Imagination des Betrachters, weckt Erwartungen an Buntheit und Abgründigkeit, doch er ahmt das Leben nicht nach. Stattdessen schafft er eine eigene Wirklichkeit, die auf dem inneren Leben seines Ausdrucksmediums gründet. Die Leinwand wird nicht komponiert, sondern entwickelt ihre eigene plastische Realität. Er verbindet den unmittelbaren, spontanen Gestus der geschütteten Farbe mit gesetzten Flächen, lässt ein einziges grellgrünes, strenges Rechteck in die Farbmassen drängen. Aus der dynamischen Beziehung der Formen und Farben entstehen Bewegungen und Gegenbewegungen. Rhythmische Beziehungen erlauben Energien, sich auszubreiten, daraus entsteht eine emotional aufgeladene Farbmaterie von lebendiger Kraft.

Susanne Böller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Sammlungen, Ausstellungen, Forschung.

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