von Ursula Keltz.

Dass viele Museen, insbesondere solche mit einer ständigen Sammlung, eigene Bibliotheken besitzen, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Diese Spezialbibliotheken dienen in erster Linie zur Unterstützung der Mitarbeiter bei der wissenschaftlichen Forschung und der Vorbereitung von Ausstellungen, sind häufig aber auch bedingt auswärtigen Interessenten zugänglich.

Entsprechend der Ausrichtung des Museums umfasst die Bibliothek des Lenbachhauses schwerpunktmäßig Publikationen zur Münchener Kunst des 19. Jahrhunderts, zum Thema „Blauer Reiter“ sowie zu ausgewählten Bereichen der Kunst nach 1945.
Ein zentraler Bestandteil der Bibliothek ist das „Hausarchiv“, das Veröffentlichungen zu allen gezeigten Ausstellungen und andere hauseigene Publikationen wie Bestandskataloge, Jahresberichte etc. nachweist. Gesammelt werden dabei nicht nur die Kataloge selbst, sondern auch die zugehörigen Presseartikel und Besucherbücher sowie allgemeine Schriften über das Haus und seine Mitarbeiter.
Insgesamt beläuft sich der Bestand der Bibliothek zur Zeit auf etwa 75.000 Medien, von denen ca. 35.000 sogenannte Kleinschriften (Kleinstkataloge, Faltblätter, Presseartikel etc.) sind.

Im Lenbachhaus wurde die historisch gewachsene Bibliothek, deren Anfänge auf die Eröffnung der Städtischen Galerie 1929 zurückgehen, zunächst von der Verwaltung mitbetreut, bis 1985 eine Halbtags-, ab 1987 schließlich eine Vollzeitstelle für eine bibliothekarische Fachkraft geschaffen wurde. Damit erwarb die Bibliothek laut Fachjargon den Status einer typischen „One Person Library“, von denen im Museumsbereich eine Vielzahl existiert. Entsprechend weit gefächert sind die Aufgaben, die von der Recherche über die Bestellung, Katalogisierung, Beschriftung bis zur sachgerechten Aufstellung der Medien reicht.
Durch die zunehmende Vernetzung der Bibliotheken untereinander sowie die digitale Verfügbarkeit von Publikationen hat sich die Sammlungspolitik in den letzten Jahren entscheidend verändert. Statt Quantität stehen Qualität und Spezifizierung im Mittelpunkt. Als Folge davon wird zur Zeit der Gesamtbestand sukzessive einer Revision unterzogen, verbunden mit dem Ausscheiden solcher Titel, die zu weit von den Schwerpunkten abweichen. Zugleich kommt der gezielten Recherche nach für die Sammlung wichtigen Publikationen eine wesentlich größere Rolle zu als zuvor. So konnte die Bibliothek rückwärtig mittels antiquarischer Ankäufe zum Beispiel durch bedeutende historische Kataloge zum „Blauen Reiter“ oder zwei frühe, seltene Publikationen zu Gerhard Richters „Atlas“ bereichert werden.
Neben der Beschaffung durch Kauf im Buchhandel oder bei Antiquariaten spielt der Schriftentausch für die Erwerbung eine entscheidende Rolle. Diesbezügliche Kontakte bestehen seitens der Lenbachhausbibliothek zu über 300 Institutionen weltweit.
Die Katalogisierung der Publikationen und wichtiger Aufsätze inklusive der inhaltlichen Auswertung nach Schlagworten erfolgt seit 2009 online im Bibliotheksverbund Bayern, Berlin, Brandenburg (B3Kat). Ende 2012 werden dort auch unsere Computer erfassten Datensätze seit 1996 eingespielt sein, so dass dann insgesamt knapp 20.000 Titelsätze unseres Bestandes international recherchierbar sind.
Ein wichtiges Projekt, mit dem bereits begonnen wurde, ist die rückwärtige Online-Erfassung wesentlicher älterer Bestände.

Dr. Ursula Keltz arbeitet seit 2001 als Leiterin der Bibliothek in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus.

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