von Iris Winkelmeyer.

In den Jahren 1910/1911 beschäftigt sich Franz Marc mit Farblehren, um einen Weg aus der „Beliebigkeit der Farbe“ zu finden. Er exzerpiert verschiedene gängige Farblehren – Chevreul, Bezold, Brücke, Wouvermanns – und notiert Aussagen zu Komplementärkontrasten und optischen Versuchen, wie z.B. den Lambert’schen Versuchsaufbau zur Ermittlung des richtigen Komplementärkontrastes für jede beliebige Farbe mittels einer weißen Glasplatte. 1911 beschreibt er in Briefen an August Macke die „Unentbehrlichkeit des Prismas“ für seine Malerei zur Überprüfung der „Reinheit“ seiner Farben. Im Zusammenhang mit dem Werk „Liegender Hund“ von 1911 (Städel, Frankfurt) beschreibt er Schritt für Schritt seine Vorgehensweise.

Diese Quellen sind bekannt und vielfältig untersucht. Marcs Vorstellungen vom Zusammenhang der Musik und der Farben sind kritisch betrachtet worden (Wagner), seine Notizen zur Farblehre wurden faksimiliert veröffentlicht und kommentiert (Klingsöhr-Leroy). Seine Bemerkungen zur konkreten Anwendung des Prismas wurden bislang häufig zitiert, jedoch nie eingehender empirisch untersucht.
Ich begann daher, angeregt durch eine Anfrage Andrea von Hedenstroems (Harvard Art Museums) bezüglich der Maltechnik Marcs mich mit folgenden Leitfragen zu beschäftigen:

Woher stammt Marcs Methode ?
Wenden andere Künstler und Künstlerinnen sie auch an, wie zum Beispiel die allseits bekannten Farbmodelle ?
Was sehen wir, wenn wir in der Weise durchs Prisma blicken, wie von Marc es beschrieben ?
Wie verwendet Marc tatsächlich das Prisma in der Praxis ?
Funktioniert seine Methode ? Ist sie aus damaliger Sicht wissenschaftlich fundiert ?

Um diesen Fragen zu begegnen, erscheint die Replikationsmethode sinnvoll:
Ich stelle mit praktischen Malstudien am Beispiel des Werkes „Liegender Hund“ die von Marc beschriebene Methode nach und versuche, seine Angaben zur Malweise und Prisma nachzuvollziehen. Das Deutsche Museum, namentlich Johannes-Geert Hagmann und Anne-Kathrin Ranft aus der Abteilung Technik unterstützen mich hierbei aus naturwissenschaftlicher Sicht und liefern wertvolles Wissen zu Optik. Mit spezieller software können sie Marcs Blick durchs Prisma simulieren.
Momentan ist der Ausgang des Projektes noch offen und es wird noch etwas Zeit beanspruchen, bis wir alle unsere Fragen beantworten können.

Iris Winkelmeyer ist Leiterin der Restaurierungsabteilung im Lenbachhaus.

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