von Sarah Bock.

Bevor wir uns dem Thema der Ausstellung »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit« zuwenden, möchten wir einen Schritt zurückgehen und einen kurzen Überblick über die Geschichte des Hauses geben.

Das Lenbachhaus wurde von Franz von Lenbach in Zusammenarbeit mit dem Architekten Gabriel von Seidl  1887- 1891 als Künstlerresidenz und Atelier im toskanischen Stil erbaut. Nach Lenbachs Tod bot dessen Witwe Lolo von Lenbach 1924 das Anwesen der Stadt München zum Kauf an und verband damit die Schenkung des Inventars sowie zahlreicher Werke Lenbachs. Mit der Übernahme des Lenbachhauses war es möglich, die seit langem gehegte Forderung nach einer Städtischen Gemäldegalerie zu verwirklichen. Um genügend Raum für die Sammlung und Ausstellungen zu gewinnen, erweiterte der Architekt Hans Grässel Lenbachs Atelier- und Wohnhaus zu einer Dreiflügelanlage. Am 1. Mai 1929 wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus eröffnet.
Das vom Gründungsdirektor Eberhard Hanfstaengl formulierte Ziel, Münchner Malerei und zeitgenössische Kunst zu einer städtischen Kunstsammlung europäischen Rangs zu vereinigen, wurde wenige Jahre später durch Hitlers Machtergreifung 1933 im Keim erstickt. Nach schweren Kriegsschäden, die 1944/45 große Teile des Hauses zerstörten, wurden schon 1947, nach raschem Wiederaufbau, wieder Ausstellungen gezeigt und die Sammlung, trotz beschränkter Mittel, insbesondere um Werke zeitgenössischer Künstler erweitert.
Mit der großartigen Schenkung Gabriele Münters anläßlich ihres 80. Geburtstags am 19. Februar 1957 gelangte die Kunst des Blauen Reiter mit herausragenden Werken der Künstlerin und ihres langjährigen Lebensgefährten Wassily Kandinsky sowie der anderen Künstlerfreunde ins Lenbachhaus. Damit entwickelte sich das Lenbachhaus von einer kommunalen Einrichtung mit lokaler Orientierung zu einem zentralen Ort der klassischen Moderne und damit zu einem Museum von Weltrang.
Durch die Bernhard-Koehler-Stiftung kamen 1965 die schönsten Bilder von Franz Marc und August Macke hinzu. Des Weiteren erfuhr die Sammlung durch die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, die im darauffolgenden Jahr rechtskräftig wurde, eine Abrundung. In Ergänzung des bedeutenden Archivmaterials der Gabriele Münter– und Johannes Eichner-Stiftung konnte zudem 1971 das Kubin-Archiv des Hamburger Sammlers Kurt Otte erworben werden. Ein 1969–1972 errichteter Erweiterungsbau bot die räumliche Voraussetzung für die Präsentation der umfangreichen Bestände.
Seit den siebziger Jahren präsentiert das Museum in seinen Ausstellungen wesentliche Tendenzen und Künstler des internationalen zeitgenössischen Kunstgeschehens. Von Anfang an wurden als Ausdrucksmittel neu entdeckte Medien, wie Environments, Happenings, Videokunst, Performance und Land Art miteinbezogen.
Das Sammeln aktueller Kunst steht seit Beginn der 80er Jahre immer mehr im Vordergrund. Der Ankauf von Joseph Beuys’ „Zeige deine Wunde“ 1980 ebnete den Weg für eine neue Orientierung in der Ankaufspolitik. Damit begann eine Sammlungstätigkeit, bei der die Konzentration auf für die moderne Kunstentwicklung repräsentative Werke und Werkgruppen im Vordergrund steht. Vertreten sind unter anderem Olafur Eliasson, Thomas Demand, Dan Flavin, Gerhard Richter, Rupprecht Geiger, Ellsworth Kelly, Sol Lewitt, Sarah Morris, Katharina Grosse, Wolfgang Tillmans, Valie Export, David Claerbout, Andy Warhol, Sigmar Polke, Isa Genzken, Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Liam Gillick, Angela Bulloch, Stephan Huber, Maurizio Nannucci, Monica Bonvicini, Dietmar Tanterl, Richard Serra, On Kawara, Cerith Wyn Evans u.a.
Mit der Fertigstellung des Kunstbaus, der in unmittelbarer Nachbarschaft der Künstlervilla am Köngisplatz gelegenen neuen Ausstellungshalle der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, hatte sich 1994 eine neue Dimension für Wechselausstellungen eröffnet.
Die seit 2003 geplante Renovierung sowie die Um- und Neugestaltung des Lenbachhauses wurden seit Frühjahr 2009 ausgeführt und werden mit der Wiedereröffnung des Hauses im Mai 2013 abgeschlossen. In einem europaweiten Auswahlverfahren war das Büro Foster + Partners mit der Entwicklung eines Sanierungskonzeptes und dem Entwurf der Umgestaltung beauftragt worden. Die Architekten haben ihren Plänen sowohl die Topographie des Lenbachhauses als auch die vielschichtige Baugeschichte zugrunde gelegt. Sie haben den Charme des Privaten, den die Lenbachsche Villa noch immer vermittelt, bewahrt und ihrem Neubau in Gliederung, Proportion und äußerer Erscheinung eine Form gegeben, die sich bewusst neben dem Bestehenden behauptet. In erster Linie aber wurden die vielfältigen Aufgaben und Anforderungen des Museums berücksichtigt: klare Ausstellungsräume und ein umfangreiches Angebot an Funktionen, die der Besucher von einem Museum des 21. Jahrhunderts erwartet.

Sarah Bock ist Praktikantin in der Kommunikationsabteilung des Lenbachhauses und Teilnehmerin des Seminars “Im Bauch des Museums”, das im Rahmen der Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der LMU, Prof. Burcu Dogramaci, stattfindet.

2 Gedanken zu “FIRST THINGS FIRST.
EINE KLEINE GESCHICHTE DES LENBACHHAUSES

  1. Guten Abend, bin grad etwas vewirrt…also, was ist denn nun aktuell im Kunstbau zu sehen? Die AUsstellung : Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit” oder was?? Sorry, LG, S. Kalfopoulos. Lenbachhaus ist zu, das hab ich kapiert :-) )

  2. Liebe Frau Kalfopoulus, Sie haben es richtig verstanden: Im Kunstbau ist die Aussstellung “Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit” (9.11.2012 – 10.2.2013) zu sehen. Wir würden uns freuen, wenn Sie einmal vorbeischauen. Herzlichen Gruß, J. Gaertner

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