von Jörg Trempler.

In der Nacht vom 14. zum 15. April 1912 stieß die Titanic mit einem Eisberg zusammen. Dieses Unglück, die schwerste Schiffskatastrophe, die sich je in Friedenszeiten ereignet hat, geschah auf der Jungfernfahrt des Dampfers und kostete 1.517 Menschen das Leben. Die Titanic, die als unsinkbar galt, ist zum Symbol der Unbezwingbarkeit der Natur durch den Menschen geworden. Konnten sich alle Technikfanatiker in der Industrialisierung wie in einem paradiesischer Zustand fühlen, sanken mit der Titanic nicht nur ein paar Tonnen Stahl auf den Grund des Ozeans, sondern der Traum von der technischen Beherrschbarkeit der Natur erlitt Schiffbruch.

Zur Titanic ist sehr viel geschrieben worden und nach dem Jahrestag 2012 hat sich die Literatur nochmals vermehrt. Im Zusammenhang von FACTS & FICTION ist entscheidend, dass fast jeder, der von der Titanic spricht, auch Bilder vom Schiff und seinem Untergang vor Augen hat. Diese Bilder werden durch Erinnerung nicht von Dokumentationen, sondern von fiktionalen Filmen erzeugt, die direkt nach dem Unglück entstanden. Noch 1912 wurden zwei Filme produziert, die den Untergang der Titanic zum Thema haben. In einer beachtlichen Länge von über 35 Minuten erzählt der deutsche Stummfilm „In Nacht und Eis“ die Fahrt der Titanic vom Ablegen bis zu den Ereignissen am Morgen des 15. Aprils. Der Stummfilm von Mime Misu wurde am 17. August 1912 uraufgeführt. Der andere Film von 1912 heißt „Saved From the Titanic” und ist von Dorothy Gibson. Die Sensation dieses Filmes besteht darin, dass eine Überlebende des Untergangs die Hauptrolle spielt. Wenn der erste Weltkrieg das erste weitreichend fotografierte Ereignis ist, dann ist die Titanic wenige Jahre davor die erste Katastrophe, die sofort in einer Art Dokufiktion aufgenommen wurde.

Jörg Trempler ist Gastprofessor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin. Er forscht zu Katastrophenbildern und ist Autor der Publikation “Katastrophen. Ihre Entstehung aus dem Bild“, Berlin (Wagenbach) 2013. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „FACTS & FICTION. Katastrophenbilder und Zukunftsszenarien“ im Lenbachhaus hielt er den Vortrag „Der Untergang der Titanic und der Beginn der Dokufiction“.

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